zur Navigation springen
Lokales

11. Dezember 2017 | 18:13 Uhr

Hausarztvertrag: Nicht jeder macht mit

vom

svz.de von
erstellt am 03.Mai.2010 | 06:16 Uhr

Rostock/Hamburg | Die Nachricht kam Anfang April, als mehrere größere Krankenkassen erstmals einen Zusatzbeirag einforderten, gerade zur rechten Zeit: Patienten der Betriebskrankenkassen (BKK) in Mecklenburg-Vorpommern könnten ab sofort im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung noch besser medizinisch betreut werden, hieß es. Als erste Kassenart hätten die BKK und der Hausärzteverband des Landes einen Vertrag geschlossen, der teilnehmenden Versicherten unter anderem besseren Service und in der Regel auch die Befreiung von der 10-Euro-Praxisgebühr verhieß.

Ein gutes Wechselargument für all jene, die bei ihrer bisherigen Kasse trotz Zusatzbeitrags kein Deut mehr an Leistungen zu erwarten hatten. Und für BKK-Versicherte ein gutes Argument, ihrer Kasse auch weiterhin die Treue zu halten. Doch wie unser Leser Ulrich Niemann aus Hoppenrade wurden viele, die sich für das Modell interessierten, schon bald eines Besseren belehrt: Eine Reihe von Betriebskrankenkassen will - wie die BKK Bahn, deren Mitglied Herr Niemann ist - gegenwärtig gar kein entsprechendes Angebot machen.

Thomas Fritsch, Pressesprecher des BKK-Landesverbandes Nord, bestätigte das: "Unser Landesverband hat die Rahmenverträge verhandelt. Jede einzelne unserer über 100 Mitgliedskassen in Mecklenburg-Vorpommern entscheidet nun eigenständig, ob sie an dem Modell teilnehmen will." Bis zum Ende vergangener Woche hatten immerhin 66 BKK dem Dachverband ihre Teilnahme signalisiert - welche das sind, soll laut Fritsch auf der Internetseite des Dachverbandes www.bkk-nord.de veröffentlicht werden.

Dass ein gutes Drittel der Betriebskrankenkassen nicht mitmacht, wundert Dr. med. Astrid Buch, die Sprecherin des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern, kaum. Nicht zuletzt, weil es bei allen anderen Kassen und Kassenarten um die Akzeptanz des Hausarztmodells noch schlechter bestellt ist. Unter Gesundheitsministerin Ulla Schmidt seien zwar die Kassen sogar gesetzlich verpflichtet worden, bis Ende Juni 2009 Hausarztverträge aufzulegen. "Wir haben auch allen Kassen Gespräche angeboten, aber mit Ausnahme der BKK wollten sie nicht, sondern haben mit allen möglichen Tricks nur die Frist verstreichen lassen", resümiert Dr. Buch. Nun müssten schlimmstenfalls Schiedsämter entscheiden, wie es weiter gehen soll. "Die denkbar schlechteste Lösung, denn Vertrag kommt von vertragen, also davon, gemeinsam eine Lösung auszuhandeln, die für alle Beteiligten vorteilhaft ist", so die Rostocker Allgemeinmedizinerin.

Anders als in anderen - vor allem süd- und westdeutschen Bundesländern - wurde der erste Hausarztvertrag in Mecklenburg-Vorpommern über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) abgewickelt. "Auch die gesamte Abrechnung der im Vertrag erfassten Patienten bleibt bei der KV", erklärt Dr. Buch. Das sei für die Hausärzte ein gewichtiges Argument gewesen, um sich überhaupt auf derartige Sonderverträge einzulassen. "Zu den Eckdaten, auf die wir uns verständigt haben, gehört zum Beispiel, dass sich der bürokratische Aufwand für die teilnehmenden Kollegen in Grenzen halten muss", erklärt die Verbandssprecherin. Was an zusätzlichen Leistungen abgefordert würde - ein regelmäßiger Impfcheck bei unter 35-Jährigen, Kontrollen der wirtschaftlichen Arzneimittelverordnung oder die Koordinierung weiterer Behandler - würde den Ärzten auch zusätzlich honoriert, so Dr. Buch. Dessen ungeachtet sei es aber die freie Entscheidung jedes einzelnen Mediziners, ob er sich an dem Hausarztvertrag beteiligt.

Ärger mit anderen Facharztgruppen sieht die Sprecherin der Hausärzte nicht voraus: "Sie sind finanziell beteiligt, wenn sie beispielsweise eine Überweisung schnell mit einem Termin bedienen. Für einen Termin binnen der nächsten 24 Stunden bekommen sie 10 Euro, für einen Termin binnen der nächsten Woche sechs Euro", benennt Dr. Buch einige der vereinbarten Steuerungselemente. Zahlen müssen die entsprechenden Beträge die am Hausarztvertrag beteiligten BKK - zusätzlich zu den anfallenden Honoraren.

Das dürfte auch ein Hauptargument sein, warum große Kassen sich mit dem Abschluss eigener Hausarztverträge Zeit lassen. "Die Verhandlungen laufen", bestätigten sowohl AOK-Sprecher Markus Juhls als auch Henning Kutzbach für die Barmer/GEK. Termine aber nennen beide nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen