Haus der Tausend Bilder

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In der Joachim-Jungius-Straße entstehen Idee, die uns das Arbeiten und Lernen leichter machen. Seit 1992 fragen sich Forscher dort, wie aus Daten anschauliche Bilder werden.

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24. Juli 2009, 09:06 Uhr

Rostock | Es geht um Bilder. Um die Frage, wie Informationen graphisch dargestellt werden können und wie Menschen damit umgehen. "Wir entwickeln Software", sagt Prof. Bodo Urban schlicht, wenn er erklärt, was in seinem Institut für Graphische Datenverarbeitung passiert. Die Programme, die in der Joachim-Jungius-Straße entstehen, räumen regelmäßig Preise bei Ideenwettbewerben ab.

"Interactive Document Engineering" heißt ein Forschungsschwerpunkt. Lernspiele für den Computer fallen ebenso darunter wie die Frage, wie der Mensch Informationen bewältigt. "Langfristig arbeiten wir daran, Emotionen zu erkennen", so Urban. Ziel sei festzustellen, wann ein Mensch mit der auf ihn einwirkenden Datenmenge überfordert ist. Ein zweiter Schwerpunkt sind Anwendungen für die maritime Industrie, zum Beispiel für den Schiffbau.

Computergraphik mit langer Tradition in RostockHauptsitz des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung ist Darmstadt. 1992 wird der Standort in Rostock eröffnet - als eine von 19 Fraunhofer-Einrichtungen in den neuen Bundesländern. Informatiker, Diplom-Mathematiker, Medienpädagogen, Designer - insgesamt 38 Festangestellte arbeiten in der Hansestadt. Zusammen mit Hilfswissenschaftlern steigt die Zahl auf 90 Personen.

Die Geschichte der Computergraphik in Rostock beginnt nicht erst mit dem Fraunhofer-Institut. Bereits seit den 1970er-Jahren existiert an der Universität eine sehr aktive Forschungsgruppe, die aus dem Bereich der Mathematik hervorgeht. "Als eine der ersten Gruppen weltweit haben wir uns damals mit Computergraphik beschäftigt", so Urban.

Nach der Wende wechselt er - wie viele weitere Mitarbeiter - an das neue Institut in der Südstadt. Obwohl unabhängig, arbeiten beide Häuser noch immer eng zusammen. "Wir sind bestrebt, dass viele Studenten hier unterkommen können, zum Beispiel um ihre Diplomarbeiten zu schreiben." Während an der Hochschule heute Grundlagenforschung betrieben wird, legt das Fraunhofer-Institut den Schwerpunkt auf angewandte Computergraphik.

"Der PC ist unsere Arbeitsgrundlage", sagt Torsten Will, als Leiter des IT-Servicecenters für die komplette Technik im Haus zuständig. Die rund 200 Computer im Haus produzieren Wärme, was vor allem im Sommer zum Problem werden kann. Essenziell wichtig sei es daher, eine funktionierende Kühlung im Gebäude zu haben.

Prototyp kommt noch in diesem Jahr aufs DachErfolgreich hat das Institut daher gerade Fördergelder aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes beantragt. Die bewilligten 90 000 Euro wollen die Rostocker in eine so genannte Adsorptionskältemaschine investieren. "Die Technologie ist sehr neu", so Will. Sonnenwärme wird dabei in Kälte umgewandelt - mit einem viel geringeren Stromverbrauch als bei herkömmlichen Klimaanlagen. Ausgenutzt wird dabei, dass hochporöse Feststoffen wie Silikagel Wasserdampf ansaugen. Das verdampfende Wasser wiederum erzeugt Kälte.

Noch in diesem Jahr soll ein Prototyp auf dem Dach installiert werden. Röhrenkollektoren werden dann auf 40 Quadratmetern Sonne eingefangen. Damit möglichst wenig Kälte verloren geht, zieht der Rechnerraum des Instituts in die oberste Etage um. An vielen Gebäuden werde Wärme im Sommer ungenutzt nach draußen geleitet, bedauert Will. "In unserem Haus entwickeln wir neue Technologien, daher müssen wir auch Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sein."

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