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Lokales

14. Dezember 2017 | 11:25 Uhr

Hartz IV verheizt Rostocks Haushalt

vom

svz.de von
erstellt am 26.Mai.2010 | 09:14 Uhr

Rostock | Rostocks 30 000 Hartz-IV-Empfänger belasten den Stadthaushalt nachträglich mit einem hohen Betrag. Er ist zwar noch nicht genau zu beziffern, dürfte sich aber im dreistelligen Bereich befinden. Der Grund: Sie haben im zurückliegenden Winter mehr Heizkosten als geplant verursacht. "Die tatsächlichen Ausgaben werden in jedem Fall übernommen", sagt Sozialsenatorin Dr. Liane Melzer (SPD).

Das gelte allerdings nur, sofern die Höhe der Bruttokaltmiete angemessen sei. In Fällen, in denen dies nicht der Fall sei, werde die Übernahme auf einen Euro im Monat je Quadratmeter Wohnfläche begrenzt. Ursprünglich plante die Stadt 2009 mit 80 Cent je Quadratmeter. "Selbstverständlich gibt es in begründeten Einzelfällen auch Ausnahmen", sagt Melzer.

Laut einer Richtlinie der Hansestadt Rostock aus dem Oktober 2007 darf die Bruttokaltmiete eines allein lebenden Hartz-IV-Empfängers 306 Euro nicht übersteigen. Für einen Zwei-Personen-Haushalt gelten 390 Euro, für drei Personen 480 Euro, vier Personen 558 Euro und fünf Personen dürfen bis zu 570 Euro zahlen. Dann übernimmt das Hanse Jobcenter auch die Heizkosten.

Von den 18 354 Bedarfsgemeinschaften in der Hansestadt beziehen rund 17 800 Leistungen für ihre Unterkunft. Insgesamt hat Rostock im Jahr 2009 fast 8,6 Millionen Euro für deren Heizkosten ausgegeben.

20 Prozent mehr Heizkosten erwartet

Der harte Winter hat allerdings nicht nur für den Rostocker Haushalt Folgen. Dr. Jürgen Fischer, Vorstand der Neuen Verbraucherzentrale MV, rechnet für das Jahr 2010 allgemein mit 20 Prozent Preissteigerung bei den Heizkosten. "Die Erhöhung wird ein noch nie gekanntes Ausmaß erreichen", sagt der Experte. Wohnungsunternehmen wie die Wiro hätten die Vorauszahlungen der Mieter bereits um 40 Prozent erhöht. "Das hat es noch nie gegeben", sagt Fischer.

Neben dem unverhältnismäßig starken Winter ist dafür auch die Preisentwicklung auf dem Rohstoffmarkt verantwortlich. Zwar seien die Ausgaben für Benzin und Erdöl 2009 gegenüber 2008 erheblich zurückgegangen, die Kosten für Fernwärme hingen aber bis zu mehr als einem Jahr hinter ihnen zurück. "Die schlagen jetzt erst durch", sagt Fischer.

Von der verschleppten Steigerung sind 60 Prozent der Rostocker Wohnungen betroffen, vor allem Neubauten. Fast 40 Prozent werden mit Erdgas beheizt und nur ein geringer Prozentsatz mit Strom oder Solarenergie. Die durchschnittlichen Heizkosten für Fernwärme lagen 2009 bei 75 Cent je Quadratmeter, für Erdgas bei 85 Cent pro Quadratmeter. "2010 rechnen wir mit einem Euro pro Quadratmeter", sagt Fischer.

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