Harte Schläge in der Pause

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21. April 2010, 08:54 Uhr

Rehna | Mit einer Schlägerei endete an der Rehnaer Schule eine Auseinandersetzung zweier Mädchen. Ein Gewaltakt, bei der eine 15-jährige Schülerin derart auf eine 14-jährige Mitschülerin einschlug und eintrat, dass diese sich anschließend in ärztliche Behandlung begeben musste. Nach Polizeiangaben zog das Opfer sich Schürfwunden zu, die Brille wurde beschädigt. Der Vorfall ereignete sich am Montag. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen die Angreiferin wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Laut Aussage der Geschädigten soll sie zuvor mehrfach durch diese Mitschülerin bedroht worden sein, teilte die Polizei gestern mit.

Die Umstände der Tat sind bislang nicht vollständig geklärt. Gerüchte, wonach es sich bei der Aktion um eine Handlung einer Mädchengang handeln könnte, weist Schulleiter Uwe Seemann zurück. Nicht ausgeschlossen scheint ein Fall von Mobbing. Nicht der erste an der Rehnaer Schule.

Der Fall: Die Geschädigte, die 14-jährige Marita S.* (*Name von der Redaktion geändert), war gemeinsam mit ihrer Mutter zur Aussprache in der Schule. Sie wollten sich über den Terror zweier Klassenkameradinnen beschweren.

Beobachtet von den Mitschülern machten diese sich am Montag über die Begleitung lustig. "Na, passt Mutti auf", soll ihre Kontrahentin zum Beginn der Auseinandersetzung gesagt haben. Das Fass läuft über. Marita S. holt zum verbalen Gegenschlag aus: "Na, nun schlag mir schon eine rein." Die Situation eskaliert. Die Fäuste fliegen, obwohl die Mitschülerin in keinster Weise an der Aussprache beteiligt war. Eine Erklärung findet Schulleiter Uwe Seemann nicht: "Das Mädchen war nicht auffällig und kann eine gute Entwicklung vorweisen."

Dafür musste Marita S. im Vorfeld mehr wegstecken, als die schmerzhaften Blessuren. Worte wie Mobbing machen die Runde. Seemann bestätigt, "dass es bereits vor drei Wochen mit dem Vater von S. ein Gespräch gab". In die Kritik gerät dabei eine Schüler-Internetplattform. Jene Seite im weltweiten Datennetz, auf der sich die Jugendlichen austauschen, Fotos zeigen und im jüngsten Fall sogar die 14-jährige Geschädigte bedroht haben sollen. "Die besagte Internetseite hat nichts mit unserer Regionalschule zu tun. Es handelt sich hier um eine unabhängige Plattform, eine reine privatrechtliche Geschichte. Unsere Empfehlung gegenüber der Familie von Marita S. bestand darin, sich der Polizei anzuvertrauen", sagt Seemann. Darüber hinaus sei sein Team aktiv. So gab es Gespräche mit den Schülern, Diskussionsrunden und einen Projekttag über das Miteinander.

Dass die 8. Klassen an der Regionalschule derzeit ein Problem darstellen, will Seemann nicht abstreiten. Im jüngsten Fall ist sogar die Rede von einem dritten Mädchen, welches als so genannte Strippenzieherin fungiert - ihre Mitschüler aufwiegelt, zur Tat antreiben soll. Aus Sicht der Pädagogen eine Form von Gruppenzwang mit nicht ungefährlichen Ausgang.

Bereits Ende Januar endete ein Fall von Mobbing mit einer vorübergehenden Umschulung eines Mädchens aus der 7. Klasse. Die Heranwachsende stand im Konflikt mit ihren Mitschülerinnen. Sie soll diese unter Druck gesetzt haben - unter anderem auf der besagten Internetseite. Eine schwierige Situation, meint Seemann, denn "die Jugendlichen tragen außerschulische Probleme an der Regionalschule aus". Nicht selten bekommen Pausenbeobachter den Eindruck, dass einige Szenen denen einschlägiger Mittagsshows gleichen. Aus pädagogischer Sicht ein von den Schüler düster skizziertes Spiegelbild der Gesellschaft und ihrer Elternhäuser. Die Folge: Der Unterricht kann nicht stattfinden.

Das Schulamt Schwerin will nicht tatenlos zusehen. Schulrat Eberhardt Schmidt kündigte für Freitag umfangreiche Gespräche mit den Betroffenen und deren Elternhäusern sowie der Schule an. Schmidt lobte das Engagement der Rehnaer und: "Wir wollen nicht leugnen, dass es solche Vorfälle gibt, allerdings an weiteren Einrichtungen Westmecklenburgs." Eine Lösung des Problems sehen Pädagogen in einem ernsthaften Dialog zwischen Schule und den für die Erziehung zuständigen Elternhäuser.

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