Hansa grenzt Krawall-Fans aus

<strong>Düsseldorf 9. Mai 2010:</strong> Hansa Fans werfen Rauchbomben. Das Spiel muss unterbrochen werden. <foto>Archiv</foto>
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Düsseldorf 9. Mai 2010: Hansa Fans werfen Rauchbomben. Das Spiel muss unterbrochen werden. Archiv

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20. Juli 2010, 08:12 Uhr

Rostock | Fußball-Drittligist FC Hansa Rostock und der Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung sagen Krawall-Fans den Kampf an. Für seine neue Anti-Gewalt-Kampagne "Nur unsere Herzen sollen schlagen - Hansa spielt fair", hat Innenminister Lorenz Caffier (CDU) dem Verein gestern einen Förderbescheid über 9840 Euro überreicht. Hinzu kommen noch einmal 2200 Euro für die Ausrichtung eines Fußball-Nachwuchsturniers unter dem Motto "Fair geht vor". Insgesamt steckt der Landesrat 326 300 Euro in 85 über das gesamte Bundesland verteilte Projekte.

"Wir distanzieren uns ganz klar von Gewalttätern", sagt Bernd Hofmann, Vorstandsvorsitzender des FC Hansa. Mit der Kampagne wolle der Verein die Initiative ergreifen, das Potenzial friedlicher Fans zu bündeln und so Zivilcourage anzuschieben. "Bei vereinsschädigenden Aktionen, insbesondere Gewalttätigkeiten, dürfen unsere Fans nicht wegsehen", sagt Hofmann. Ziel müsse es sein, die Fanszene eng an den Verein zu binden. Unter anderem sei dazu das Fanhaus als Anlaufstelle geschaffen worden. "Wir wollen uns der Probleme unserer Fans annehmen", sagt Hofmann. Voraussetzung sei ein kontinuierlicher Dialog.

Innenminister Caffier sieht den Verein in einer besonderen Pflicht, da das Verhalten seiner Anhänger weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt. "Hansa braucht wieder ein klares Fußballgesicht", sagt er. Das sei in den vergangenen Jahren leider zunehmend abhanden gekommen. Dazu beigetragen habe auch das Verhalten der ehemaligen Vereinsführung. Die klare Distanzierung von Gewalttätern habe er bei ihr zuweilen vermisst. Um so erfreulicher sei die bisherige Zusammenarbeit mit der neuen Vereinsspitze. Mit ihrer klaren Distanzierung habe sie die Obergrundregel erfüllt. "Ich werde das aber weiterhin kritisch beobachten", sagt Caffier.

Dass Handlungsbedarf besteht, hat die vergangene Saison bewiesen. Allein während der Heimspiele des FC Hansa wurden 43 Beamte verletzt - vor allem weil die Strategie der Polizei darauf abzielte, die gegnerischen Fanlager um jeden Preis voneinander zu trennen. Unter den Rostocker Anhängern schätzt Peter Mainka, Polizeidirektor der Hansestadt, die Zahl der potenziellen Krawall-Fans auf insgesamt 1250. Allerdings sind nur 450 von ihnen ständig gewaltbereit, bis zu 800 würden sich im Konfliktfall mit ihnen solidarisieren.

Aktuell sind rund 110 Hansa-Fans mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt, das entweder vom Deutschen Fußball Bund (DFB) oder den jeweiligen Vereinen verhängt wurde. Die Heimspieleinsätze der Polizei, bei denen die Beamten insgesamt beinahe 61 000 Arbeitsstunden ableisteten, kosteten den Steuerzahler jeweils bis zu 100 000 Euro. Trotz des Abstiegs in die dritte Liga erwartet Innenminister Caffier in dieser Hinsicht keine großen Veränderungen. "Der Aufwand an polizeilicher Tätigkeit ist völlig losgelöst von der Spielklasse", sagt er.

Allerdings habe sich das Verhältnis zwischen Polizei und Verein seit dem Wechsel der Hansa-Führungsspitze gebessert. "Entscheidend ist die gemeinsame Kommunikation", sagt Caffier. So habe es vor zwei Wochen ein Treffen zwischen den Verantwortlichen gegeben, um Ideen und Ansätze auszutauschen. "Anders als früher sollen bestimmte Kreise einbezogen werden", sagt Caffier. Ziel sei es, so wenig Polizei wie möglich bei den Spielen einzusetzen. "Bei gewissen Partien wie gegen Kickers Offenbach oder Braunschweig ist aber von Natur aus mehr Dampf auf dem Kessel", so Caffier.

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