Handwerker suchen Lehrlinge

KirstenGmirek
KirstenGmirek

Hieß es vor kurzem noch "Lehrling sucht Lehrstelle", so könnte man im Jahr 2009 formulieren: "Lehrstelle sucht Lehrling." Damit aus dem Azubimangel keine "Leer-Stellen"-Schwemme wird, unternimmt beispielsweise die Kreishandwerkerschaft Prignitz einige Anstrengungen. Dennoch: Die Region muss Federn lassen.

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11. August 2009, 10:28 Uhr

Prignitz | Der Geburtenknick mache sich jetzt nachhaltig bei den Berufsstartern bemerkbar. "Das war abzusehen", sagt Kirsten Gmirek, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Prignitz. Lehrlings- statt Lehrstellenlücke im brandenburgischen Handwerk resümiert auch die Handwerkskammer Potsdam. Zu Beginn der Sommerferien warteten noch knapp 1200 Ausbildungsplätze auf einen geeigneten Bewerber, so der märkische Handwerkskammertag.

Bis Ende Juni wurden im Brandenburger Handwerk 12,8 Prozent weniger Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr geschlossen. "Die Handwerksbetriebe berichten, dass die Bewerberzahlen auf freie Lehrstellen rückläufig sind. Es gibt eindeutig weniger geeignete Bewerber, als es noch vor zwei oder drei Jahren der Fall war", betont Bernd Ebert, Präsident des Handwerkskammertages. Während 2008 bis Anfang Juli 854 Ausbildungsverträge im brandenburgischen Handwerk abgeschlossen wurden, waren es in diesem Jahr nur 768. Kirsten Gmirek ermutigt junge Leute, trotz des bereits begonnenen Lehrjahres noch in eine Handwerksausbildung einzusteigen. "Das ist bis Ende September problemlos möglich , sagt sie.

Die Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen, insbesondere für dünn besiedelte Gebiete. Im Landkreis Prignitz ist beispielsweise fraglich, ob für die theoretische Ausbildung der Bäckerlehrlinge eine Klasse am Oberstufenzentrum Wittenberge eingerichtet werden kann. Im gerade zu Ende gegangenen zweiten Lehrjahr musste diese Klasse aufgelöst werden, die verbliebenen drei Azubis fahren zum OSZ nach Zehdenick, sagt Kirsten Gmirek. Auch eine sehr gut frequentierte öffentliche Brotprüfung, die im Juni eigens an der Oberschule Perleberg stattfand, konnte die Bewerbersituation nicht entscheidend verbessern. Die Bäckerei-Berufe, so Gmirek, seien derzeit zwar der Brennpunkt, Bedarf bestehe aber in fast allen anderen Bereichen. "23 offene Lehrstellen stehen bei der Kreishandwerkerschaft Prignitz online, tatsächlich sind es aber wesentlich mehr, denn nicht jeder Betrieb bringt seine Wünsche ins Internet."

Was die zunehmend weiter werdenden Wege für Prignitzer Auszubildende angeht, davon kann auch Bäckermeister Ulf Grünberg aus Lenzen ein Lied singen. Ein Konditorlehrling, der im ersten Ausbildungsjahr noch das OSZ in Wittenberge besuchte, muss seit dem zweiten Lehrjahr für die Theorie bis Eisenhüttenstadt fahren. Grünberg verweist noch auf einen anderen Zusammenhang: "Mit jedem Lehrling, den wir weniger haben, erübrigen sich in den Berufsschulen auch Unterrichtsstunden und somit Lehrkräfte. Einwohner und Kaufkraft gehen verloren."

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