Hamburg den Rang ablaufen

Kulturdezernent Hermann Junghans findet die Zielformulierung "zu ambitioniert", Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow hingegen genau treffend: Als "Kulturhauptstadt des Nordens" soll sich Schwerin künftig definieren - und damit dem bisherigen Titelträger Hamburg die Stirn bieten. Für diesen Vorschlag erhielt Gramkow bei der dritten öffentlichen Diskussionsrunde zum Leitbild 2020 von den Bürgern viel Zustimmung.

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29. Oktober 2009, 08:35 Uhr

Schwerin | So zufrieden und konstruktiv wie bei der öffentlichen Diskussion um Kultur, Bildung und Sport hatten sich die Bürger in der Schweriner Leitbilddebatte bisher noch nicht gezeigt. Relativ schnell einigte sich die Mehrheit der Anwesenden dann auch auf einen herausfordenden Vorschlag der Oberbürgermeisterin: "Wir sind die Kulturhauptstadt des Nordens und sollten die Ressourcen, die wir haben, auf diese Bereiche konzentrieren." Den Vergleich mit Hamburg scheut Gramkow dabei nicht - im Gegensatz zu Kulturdezernent Hans-Hermann Junghans, der Schwerin lieber als "Kulturhauptstadt des Nordostens" definieren möchte.

"Für eine Stadt unserer Größe haben die Angebote, die wir vorhalten vergleichsweise einen viel höheren Stellenwert und eine ganz andere Bedeutung als in Hamburg oder Lübeck. Kultur ist für uns ein harter Standortfaktor, eine wesentliche Säule für Wirtschaftsentwicklung und Tourismus", so die Oberbürgermeisterin. Die Entwicklung einer "Museumsmeile, die Ihresgleichen sucht im Norden" schwebt ihr vor - vom Freilichtmuseum Mueß über das Feuerwehrmuseum, Staatliches Museum bis in die Schelfstadt. Die Wiederbelebung des Archäologischen Landesmuseums, das mehrere Anwesende ins Leitbild mit aufnehmen wollten, gehört für die Oberbürgermeisterin ebenfalls zum Konzept, genauso wie der Ausbau des Speichers in der Röntgenstraße, beispielsweise zur Künstlerkolonie mit Ateliers und Werkstätten. Gramkow: "Geld für so ein Vorhaben wäre über die Städtebauförderung vorhanden. Wir müssten uns dann aber dafür entscheiden, es in anderen Bereichen nicht einzusetzen."

Eben diese Schwerpunkte auf das, was Schwerin im nationalen Vergleich unverwechselbar macht, soll das Leitbild 2020 setzen. "Es geht dabei nicht um kleinteilige Lösungen für aktuelle Probleme, sondern um grundsätzliche Aussagen zur Stadt", betonte Stadtplaner Hans-Hermann Bode in der Vorstellung des Projektes.

Neben der Kultur will sich Schwerin nach den bisherigen Entwürfen außerdem als Schulstandort und Sportlerhochburg weiter profilieren. 16 Sportplätze, 38 Sporthallen, zwei Hallenbäder und elf Wassersportobjekte werden zurzeit vorgehalten. "In den 104 Sportvereinen der Stadt sind 17 475 Mitglieder organisiert. Insgesamt werden 49 Sportarten angeboten", bilanzierte Holger Buck, stellvertretender Leiter des Amtes für Jugend, Schule und Sport, den Ist-Stand. "Das gibt es deutschlandweit in keiner vergleichbaren Stadt." Rund 330 000 Euro steckt die Stadt jährlich in die Sportförderung, davon 100 000 Euro für die Sportanlagen.

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