Amt Neuhaus : Zwischen Freiheit und Zensur

Das Filmplakat mit dem Gesicht von Jaecki Schwarz im Hintergrund.
Das Filmplakat mit dem Gesicht von Jaecki Schwarz im Hintergrund.

Filmreihe zum Filmschaffen in der DDR im Haus des Gastes in Neuhaus eröffnet / In den kommenden Wochen werden noch sechs weitere Filme gezeigt

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15. Februar 2014, 11:55 Uhr

Heute würde man die Geschichte des 19-jährigen, jungen Deutschen Gregor Hecker, der als Leutnant der Roten Armee im Mai 1945 nach Deutschland zurückkehrt, ganz anders erzählen. Es würde mehr Blut fließen, die Darstellungen von Kampfhandlungen wären realistischer, es gäbe Gute und Böse, Täter und Opfer auf beiden Seiten. Doch der Film „Ich war 19“ unter der Regie von Konrad Wolf erschien 1968 in der DDR und zeichnet Erinnerungen von Konrad Wolf nach, der selbst als Kind mit seiner Familie vor dem Naziregime nach Moskau geflüchtet war.

Der Film war der erste in einer Reihe vom DEFA-Filmen, die einen Einblick in das Filmschaffen in der DDR geben. Die Eröffnung der Reihe und einer Ausstellung zum Thema fand im Haus des Gastes statt. Veranstalter sind die evangelische Kirchengemeinde und das Museum in Hitzacker, wie Pastorin Renate Schieferdecker zu Beginn erläuterte. „Die Initiative ging ganz klar von Klaus Lehmann vom Museum in Hitzacker aus. Dort ist die Reihe schon sehr erfolgreich gelaufen.“


Filmschaffen zwischen Diktatur und Anpassung


Anhand ausgewählter Filme, zusammengestellt vom Wilhelm Fraenger-Institut im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geht es um das Thema „Filmschaffen zwischen Anpassung und Opposition“. Klaus Lehmann hatte einen Fachmann an seine Seite geholt. Hans-Wolfgang Lesch, ehemaliger Dozent an der Leuphana-Universität in Lüneburg und im Vorstand der Brigitte-Reimann-Gesellschaft in Neubrandenburg hat sich im Rahmen eines Forschungs- und Lehrprojekts jahrelang mit der Literatur und dem Filmschaffen der DDR befasst. „Er ist vernetzt mit Filmschaffenden, steckt mittendrin“, kündigte Klaus Lehmann die Einführung in die allgemeine Thematik an.

Und Lesch wusste Interessantes zu erzählen. Literatur und alle Kultur habe immer im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Zensur auf der einen und dem Freiheitsbestreben auf der anderen Seite gestanden. „Die DDR war unbestritten eine Parteiendiktatur und die gesamte Kultur sollte zur sozialistischen Bewusstseinsbildung beitragen“, so Lesch.


Insgesamt 700 Spielfilme und 540 Dokumentationen gedreht


In der DDR sind 700 Spielfilme und 540 Dokumentarfilme gedreht worden. Sie spiegeln die Entwicklung der Geschichte der DDR wider, die nicht immer gradlinig verlief. Es gab Zeiten der Liberalisierung und Zeiten der Restriktion. Nach dem Aufstand am 17. Juni 1953 folgte eine Liberalisierung, die sich auch auf das Kulturschaffen auswirkte. Nach dem Ungarnaufstand 1956 kamen die Hardliner wieder mehr zum Zuge und nach dem Mauerbau wurde es wieder leichter für die Kulturschaffenden. „Man war der Meinung, jetzt sind alle weg, die mit der DDR nichts zu tun haben wollten, jetzt können wir machen was wir wollen.“ Ein Irrtum, wie sich besonders nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees im Dezember 1965 zeigte, wo besonders die Spielfilme ins Visier der Zensur gerieten. Die Hälfte der Spielfilmproduktionen wurden verboten, zum Beispiel „Berlin um die Ecke“, „Das Kaninchen bin ich“ und „Spur der Steine.“ Letztgenannter war der erste Film, der dann nach 1989 wieder gezeigt wurde.

Auch „Ich war 19“ mit dem jungen Jaecki Schwarz in der Hauptrolle wurde fast nicht gezeigt. Ulbricht und der damalige russische Botschafter Abrassimow fanden die russischen Soldaten zu negativ dargestellt. Dabei ist der Vorgesetzte des jungen Soldaten ein Feingeist, der die deutschen Literatur liebt, der Kumpel Sascha einfach nur treu und rechtschaffen und der Fahrer Dsingis immer gut gelaunt. Als nächster Film wird im Haus des Gastes am kommenden Donnerstag „Der geteilte Himmel“ nach dem Roman von Christa Wolf gezeigt. Beginn ist um 18 Uhr und Wolfgang Lesch und Klaus Lehmann sind wieder mit dabei.

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