Boizenburg : „Zuschauen heißt Mitschuld!“

Stolz nehmen Daniel Rupp (Mitte) und Torben Knaak (r.) den Preis für ihre Projektgruppe entgegen.
Stolz nehmen Daniel Rupp (Mitte) und Torben Knaak (r.) den Preis für ihre Projektgruppe entgegen.

Projektgruppe der Rudolf-Tarnow-Schule erhält Preis

svz.de von
14. Juni 2018, 10:40 Uhr

„Es wurde mir versichert, dass es nicht um Angela Merkels Flüchtlingspolitik geht“, scherzt der Juniorbotschafter des Fördervereins Demokratisch Handeln. Dieser verlieh am Mittwochabend den „Hildegard Hamm-Brücher-Förderpreis für Demokratie lernen und erfahren“ in Hamburg. Einen davon an die Projektgruppe „Wir schaffen das!“ der Regionalen Schule „Rudolf Tarnow“ in Boizenburg.

„An der Schule ist vor einiger Zeit ein Problem mit Rechtsextremismus entstanden und diese Schüler haben mit mehreren Projekten nicht nur darauf aufmerksam gemacht, sondern auch etwas dagegen getan“, so der Redner weiter. „Ich habe mehrmals erlebt, dass ein dunkelhäutiger Schüler verprügelt oder angefeindet wurde, nur weil er schwarz war“, berichtet Daniel Rupp, einer der Initiatoren der Projektgruppe, der mittlerweile das Gymnasiale Schulzentrum in Wittenburg besucht. „Ebenso sind Schüler mit NPD- und Thor-Steinar-Kleidung zur Schule gegangen und kaum einer hat sich daran gestört“, so der 17-Jährige weiter.

In der Schule sei das Thema tabu gewesen, selbst Lehrer hätten bei diesen Vorfällen weggesehen, berichtet die Schüler in ihrem Wettbewerbsantrag an den Förderverein. „Das wollten wir nicht weiter akzeptieren.“ Gesagt, getan. Der Schüler sucht Gleichgesinnte und versucht mit ihnen auf das Thema aufmerksam zu machen. Nach dem Motto „Zuschauen heißt Mitschuld“ organisieren die Schüler einen Projekttag, der ihnen von der damaligen Schulleitung erst vier Wochen vorher genehmigt wird.

„Von unserer Vision haben wir uns aber nicht abbringen lassen“, so Rupp, „Wir haben mit 30 anderen Schülern ein Konzept entwickelt, damit dieses Tabuthema gebrochen wird und dank unserem Bürgermeister, der diesen Projekttag bereits zehn Monate vor Durchführung genehmigt hat, konnten wir letzten Endes auch alles verwirklichen.“

Das Engagement der Jugendlichen bleibt nicht unbelohnt. Am Mittwochabend wurden sie neben einer anderen Schule aus Hamburg mit dem „Hildegard Hamm-Brücher Förderpreis“ ausgezeichnet und nahmen anschließend sogar an einer Podiumsdiskussion zum Thema: „Demokratie, Gerechtigkeit und das Miteinander der Religionen“ teil. Ein aufregender Abend für Daniel Rupp und Torben Knaak, die den Preis entgegennahmen.

„Für uns war die Arbeit an dem Projekt eigentlich immer selbstverständlich, weil es für uns selbstverständlich ist, sich für Demokratie einzusetzen. Trotzdem freuen wir uns jetzt sehr über diese Würdigung“, so Daniel Rupp. „Ein solches Engagement ist nicht einfach, aber genau das was unsere Demokratie braucht: nämlich Haltung zeigen“, lobt auch der Redner des Fördervereins bei der Übergabe des Preises.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert