Wittenburg : Zunder im Streit um Feuerwehrchef

Hier, im Jahre 2014, waren sie noch ein Team, Stefan Schwarz links mit dem damaligen Wehrleiter Volker Siering.
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Hier, im Jahre 2014, waren sie noch ein Team, Stefan Schwarz links mit dem damaligen Wehrleiter Volker Siering.

Stadtvertreter morgen vor schwerer Entscheidung: Ex-Feuerwehrleute sprechen sich gegen Wehrführer Stefan Schwarz aus

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19. September 2017, 21:00 Uhr

Nach unserem gestrigen Beitrag über den Fall des Wehrführers Stefan Schwarz schlugen die Wellen der Emotionen hoch. Zum ersten Mal seit Beginn des laufenden Abberufungsverfahrens (das begann Ende April) haben sich nicht nur Unterstützer des Wehrführers zu Wort gemeldet. Einhelliger Tenor der Anrufer: Das Verfahren solle jetzt endlich zu Ende geführt werden, der Schaden, der um die Feuerwehr herum entstanden ist, sei so schon viel zu groß.

Auch Uwe Pulss, der Kreiswehrführer,  präzisierte gestern seine  Aussagen . Er sieht sich  in einem falschen Zusammenhang zitiert. Über die Tätigkeit von Wittenburgs Wehrführer will er sich so verstanden wissen: „Seit dem Abberufungsverfahren leistet Stefan Schwarz technisch gute Arbeit in der Ortsfeuerwehr.“ Ursprünglich hatte es geheißen, dass Schwarz „hervorragende Arbeit“ leiste. Pulss gab auch zu, dass es vor dem Verfahren keine besonders optimale Zusammenarbeit gab.

Uwe Bretschner, früher Mitglied der Feuerwehr und u. a. auch einmal Jugendwehrführer: „Die Lage ist doch eine andere und viele wissen das in Wittenburg. Stefan Schwarz windet sich immer heraus, egal was er gemacht hat. Und das muss einmal ein Ende haben. Ich bin vor Jahren aus der Wehr geflogen, weil es Streit gab. Aber ich bin nicht allein mit meiner Meinung, es gibt  Ehemalige, die nur wegen ihm weg sind und eigentlich auf einen Neuanfang warten.“ Bretschner bezifferte die Zahl der Ehemaligen auf neun  bis zehn, die bei einem Neubeginn wieder mitmachen würden.

Kein Blatt vor dem Mund nahm gestern in der Sache auch Volker Siering, der frühere Wehrchef und jetzige CDU-Stadtvertreter. Er sei mit seinem Nachfolger sehr unzufrieden. „Das hat nichts mit seinen feuerwehrtechnischen Kenntnissen zu tun. Nach meiner Erfahrung fehlt ihm schlicht die soziale Kompetenz. Das habe ich schon früh gesagt, und das hat sich leider bestätigt.“ Siering sprach sich auf Anfrage der Schweriner Volkszeitung dafür aus, die Sache jetzt zu Ende zu bringen, um einen Neustart für die Feuerwehr zu ermöglichen.

Der frühere Wehrchef bekannte, dass er gehofft hatte, Schwarz würde sich diese jetzt begonnene Schlammschlacht nicht antun wollen. „Ich wäre an seiner Stelle längst zurückgetreten.“

Unter den sechs  Anrufern waren gestern aber auch viele, die nicht ihren Namen in der Zeitung sehen wollen. Unter ihnen waren auch etliche Feuerwehrleute. Sie beklagten, dass der  Wehrführer nach und nach die Wehr umgebaut und mit seinen eigenen Leuten besetzt habe. Schwarz hatte das stets bestritten und sieht derzeit zwei Drittel der Wehr hinter sich.

 Für die Stadtvertreter, die das Verfahren gegen Schwarz einstimmig eingeleitet hatten, wird es knifflig am Donnerstag. Damals wurde als Grund für das Verfahren die dauerhafte Störung des Vertrauensverhältnisses zur Vorgesetzten, also der Bürgermeisterin, angeführt. Jetzt gibt es konkretere Vorwürfe, die sich z. B. auf die private Nutzung der Feuerwehrfahrzeuge beziehen.

Per Beschluss kann die Vertretung erstens das endlose Verfahren weiterführen, das sicher vor Gericht landen wird. Sie kann es zweitens   aber auch sofort beenden. Oder sie beschließt drittens die Auflösung der Wittenburger Wehr,  um einen kompletten Neustart zu ermöglichen. Dann müsste Wittenburg eine Pflichtwehr einrichten und jede Einsatzstunde bezahlen. Das wurde in Teterow und Malchow schon einmal praktiziert. Nachteil: Für Wittenburg wäre es eine teure Lösung. Vorteil: Die freiwillige Wehr könnte neu gegründet werden, ein Neuanfang wäre immerhin möglich.

Denn noch ist Stefan Schwarz für drei Jahre gewählter Ortswehrführer und weiß die Mehrheit seiner derzeitigen Mannschaft hinter sich.

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