Abgestürzter Pilot : Zum Gedenken nach Gainseville

Zum Ehrenbegräbnis in Arlington reiste Manfred Römer das erste Mal in die USA.  Fotos: privat/Sandro Röhmer (2)
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Zum Ehrenbegräbnis in Arlington reiste Manfred Römer das erste Mal in die USA. Fotos: privat/Sandro Röhmer (2)

Amerikanische Militärakademie hat Manfred Römer eingeladen. Hintergrund ist Suche nach 1945 abgestürztem Piloten John W. Herb

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03. Dezember 2017, 05:00 Uhr

„Natürlich ist mir ein bisschen mulmig“, meint Manfred Römer mit Blick auf das, was ihn kommende Woche erwartet. Am Montag macht sich der 77-jährige Rosiener zum zweiten Mal auf den Weg in die USA. Die Riverside Military Academy (RMA) hat ihn zu ihrem 110. Jubiläum eingeladen. Hintergrund ist der Einsatz Römers im Fall des ehemaligen Absolventen der Akademie John W. Herb. Was ihn in Gainseville erwarte, wisse er noch gar nicht so genau. „Entweder gibt es dort eine Fragestunde oder ich erzähle die Geschichte.“

Und diese „Geschichte“ begann im Zweiten Weltkrieg, am 13. April 1945. Als vierjähriger Junge hatte Manfred Römer an diesem Tag gesehen, wie US-Bomber über Rosien hinwegflogen und ein Begleitflugzeug von deutschen Soldaten abgeschossen wurde. „Es stürzte brennend in den Bohldamm“, so Römer. Als Kind habe er aber noch gar nicht wirklich realisiert was passiert war, es sei wie ein Film gewesen. Und dennoch: „Durch die Kriegsereignisse wurde ich als Kind geprägt, heute sagt man wohl traumatisiert.“

Gezeigt habe sich das allerdings viel später. Als junger Mann verließ Manfred Römer Rosien und kehrte erst als Rentner wieder zurück. Mit im Gepäck hatte er die Erinnerungen. „Ich habe angefangen für mich mein Leben zu reflektieren und aufzuschreiben. Dann habe ich mich auch wieder an den Absturz erinnert“, so Römer. „Die Frage war: Was ist aus dem Mann geworden? Auch in Zusammenhang mit meiner eigenen Geschichte.“ Denn auch Manfred Römers Vater ist im Krieg verschollen. Und so habe er sich gedacht, vielleicht hat die Familie Herb die gleichen Fragen wie ich.

Schließlich begann der Rosiener damit zu recherchieren, suchte nach Zeitzeugen und fragte, was sie wissen. So erhielt er Kenntnis darüber, dass der Pilot nach dem Absturz erschossen und im Wald verscharrt wurde. „Auf dem Weg zum Bus sind Gudower Schüler früher immer an einem Grab mitten im Wald vorbei gegangen. Sie nannten es den Fliegerweg. An dieses Grab konnte sich noch jemand erinnern und dort fing 2015 die Suche nach den sterblichen Überresten an“, zusammen mit Experten der JPAC. Manfred Römer hatte Kontakt zu der Dienststelle der amerikanischen Streitkräfte aufgenommen, die die Aufgabe hat, nach Kriegsgefangenen und vermissten Soldaten des US-Militärs zu suchen, und sie zu identifizieren.

Was sie dann gefunden haben, sei auch für die JPAC ein Sonderfall gewesen. „Es war ein spektakuläres Ereignis, dass ein kompletter Mensch gefunden wurde.“ Amerikanische Gerichtsmediziner hätten dann herausgefunden, dass es sich bei dem Piloten um Leutnant John W. Herb handelt. Zur Identifizierung trug dabei auch ein Ring des Mannes bei: Ein Jahrgangsring der Riverside Military Academy.

Offenbar aus Dank für seinen Einsatz ist Manfred Römer also nun zur Jubiläumsfeierlichkeiten der Akademie eingeladen worden. Zusammen mit seinem Sohn Sandro wird er daran teilnehmen. Dieser hatte ihn bei der Suche nach dem Piloten unterstützt und war maßgeblich daran beteiligt. Geplant ist dann auch ein Treffen mit Verwandten von John W. Herb. „Das letzte Mal war ich zum Ehrenbegräbnis Herbs in den USA. Seitdem stehe ich in intensiven Kontakt mit der Familie“, erzählt Römer. „Zwischen mir und ihnen gibt es ein Abkommen das Ganze in einem Buch zusammenzufassen.“ Die „Geschichte“ scheint also noch lange nicht beendet.

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