zur Navigation springen

Bleckede : Zerstörte jüdische Gräber sollen restauriert werden

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Jugendliche schändeten den Friedhof. Stadt und Arbeitskreis riefen zu Spenden auf und übergaben sie jetzt

von
erstellt am 09.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Im März dieses Jahres wurde der jüdische Friedhof in Bleckede,  der in einem Wald an der Straße  nach Lüneburg liegt, geschändet. Von den dort  33 Grabsteinen wurden elf umgestoßen oder der obere Teil abgeschlagen. „Ich war schockiert, als ich die Schäden gesehen habe“, bekannte Bodo Gideon Riethmüller,  beim Landesverband Jüdischer Gemeinden von Niedersachsen zuständig für pflegeverwaiste jüdische Friedhöfe, also für solche, deren Gemeinden nicht mehr existieren.  210 sind es in ganz Niedersachsen.

Er war nach Bleckede gekommen, um einen symbolischen Scheck in Höhe von fast 4000 Euro entgegen zu nehmen. Das Geld soll helfen, die entstandenen Schäden - sie werden auf 18000 Euro geschätzt - zu reparieren. Die Stadt Bleckede hatte gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft Juden in Bleckede“  zu einer Spendenaktion aufgerufen. Neben der Stadt und der Sparkassenstiftung hatten auch 15 private Personen gespendet. „Am liebsten wäre es mir natürlich, dass wir hier nicht stehen würden“, sagte Riethmüller zu der kleinen Gruppe von Menschen, die sich am Eingang zum Friedhof versammelt hatten. Aber er sei sehr dankbar, dass nach dieser Tat Menschen mit einer Spende helfen würden, dass die Gräber in Stand gesetzt werden können. 

Denkt man bei der Schändung jüdischer Friedhöfe sogleich an Täter aus der Neonazi-Szene, so war das in Bleckede ein Trugschluss. Die Polizei konnte mehrere Schüler im Alter zwischen 13 und 14 Jahre als Täter identifizieren. „Das hat uns sehr betroffen gemacht“, so Bodo Riethmüller. Eine Mutter eines der Jugendlichen habe ein Brief mit einer Entschuldigung geschrieben. Für die Zukunft sollte in den Schulen über jüdisches Leben und über den in der Heimatgemeinde befindlichen jüdischen Friedhof vielleicht mehr aufgeklärt werden. 

Denn einer der fundamentalsten israelitischen Glaubensgrundsätze ist  die Unantastbarkeit der Totenruhe. Das heißt, dass jüdische Gräber und Grabmale über Jahrhunderte erhalten bleiben, während es auf christlichen Friedhöfen   Ruhefristen gibt  und  nach Ablauf dieser Fristen einzelne Gräber oder ganze Grabfelder geräumt werden.

Über den jüdischen Friedhof in Bleckede ist Dank der Arbeitsgemeinschaft, die sich vor der 800-Jahr-Feier der Stadt Bleckede  gebildet hatte, einiges bekannt. Er existiert seit 1752 und wurde im Jahr 1802 erweitert. Im Jahr 1935 fand die letzte Bestattung statt. Eine jüdische Überlebende des Holocaust aus Bleckede, Hedwig Stone, geb. Katzenstein, hatte  dafür gesorgt, dass der demolierte und geschändete Friedhof nach 1945 wieder in einen einigermaßen angemessenen Zustand versetzt wurde.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen