Seit Wochen ohne Telefon : Zerfetzte Telefonleitungen: Vom Kampf der Monteure

Hier hängt Thomas Hansen eine Leitung wieder im Mast ein.
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Hier hängt Thomas Hansen eine Leitung wieder im Mast ein.

Reparaturteams im Auftrag der Telekom führen angesichts der Schäden einen harten Kampf um jede Leitung

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05. November 2017, 20:45 Uhr

Es ist die späte Rache des Sturmtiefs „Xavier“, die die Oberleitungsbauer um ihren Chef Olaf Knopp seit Wochen nicht zur Ruhe kommen lässt. Die Mannschaft der niedersächsischen Firma „Gast & Stassen GmbH“ kommt aus Meyenburg und soll im Auftrag der Telekom die zerrissenen Leitungen reparieren. Angesichts der Vielzahl der Fälle eine Sisyphusarbeit. „Seit dem 6. Oktober haben allein wir bis zu 250 Schadensfälle bearbeitet, das ist zu normalen Zeiten die Arbeit von drei Monaten. Und schon jetzt ist klar, dass es in Einzelfällen auch noch bis Weihnachten dauern kann“, berichtet Olaf Knoop, der Niederlassungsleiter, der in seinem mehr als 20 Jahren eine derartige Fülle von Schäden noch nie erlebt hat.

Was vor den Stürmen nur wenige wussten, gerade in ländlichen Gegenden verlaufen viele Telefonleitungen zwischen den Ortschaften noch oberirdisch, altmodisch in dicken Kupferkabeln, die von Holzmasten getragen werden. Doch die sind reihenweise von umstürzenden Bäume umgerissen worden. Knopp: „Wir können erst etwas machen, wenn die Bäume geräumt sind. Wir selbst dürfen das gar nicht. Und oft ist gar nicht klar, wer das machen muss. Über die Ämter versuchen wir, die Waldbesitzer ausfindig zu machen. Doch das dauert. Die Leidtragenden sind die Kunden. Und meine Leute werden dann auf das übelste beschimpft, dabei tun wir wirklich was wir können.“

Insgesamt 19 Mann hat Knopp mit Sitz im brandenburgischen Meyenburg zur Verfügung, derzeit ist alles den Reparaturen untergeordnet. Doch das Gebiet ist riesig, es reicht bis nach Wismar und umfasst fast den ganzen Kreis Ludwigslust-Parchim, große Teile Nordwestmecklenburgs und auch Gebiete in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen.

Ortstermin an der Kreisstraße zwischen der B 5 und dem Ludwigsluster Ortsteil Hornkaten: Entlang der Straße sind auf mehreren Hundert Metern Holzmasten wie Streichhölzer von umstürzenden Bäumen geknickt und die beiden Telefonleitungen mit mit 50 und 30 Aderpaaren zum Teil zerfetzt worden. Schon auf den ersten Blick sieht man, das ist etwas für Spezialisten. Während Sven Millies und René Schulz mit ihrem Kran vom Lkw die abgebrochenen Stümpfe aus der Erde ziehen und neue Holzmasten setzen kümmern sich Thomas Hansen und Christian Newe schon um die Verbindungen zweier Enden der neuen Leitung. Denn alle 250 Meter muss dann ein Kasten gesetzt werden. In dem werden, Paar für Paar, die Kabel geklemmt und gesichert. Das alles passiert in vier bis fünf Metern Höhe, während Monteur Thomas Hansen mit Steigeisen oben im Mast steht. Ein Fehler reicht, der Kunde kann sein Telefon oder seine Internetverbindung vergessen. Aber auch das Setzen der speziell imprägnierten Holzmasten ist harte Arbeit und das bei fast jedem Wetter. Wenn die Leitung wieder aufgehängt und verbunden ist, die Masten wieder stehen, dann schauen die Monteure auch bei den Kunden vorbei und prüfen, ob alles wieder funktioniert. In den vergangenen Wochen sind sie da nicht immer freundlich empfangen worden.

Den Betroffenen, meist wohnen sie abgelegen oder in kleinen Ortsteilen, ist mit ihrer Telefonleitung aber schon längst der Geduldsfaden gerissen. „Bei uns klingelt seit dem zweiten Oktober, seit Xavier, kein Telefon mehr. Der Hausnotruf unserer 89- jährigen Oma funktioniert nicht mehr. Der Notruf der Biogasanlage geht seit dem nicht mehr. Unser Handyempfang ist auch sehr bescheiden, zum telefonieren müssen wir das Handy an das Wohnzimmerfenster halten, oder nach draußen gehen. Was machen wir, wenn wir einen Notfall haben?“, schrieb uns Familie Brandes aus Briest, einem Ortsteil Lübtheens. Rosemarie Nagel aus Langenheide bei Lübtheen erzählte ähnliches. Sie nervt, dass man ja auch nicht wisse, wann man wieder telefonieren könne. Dazu kommt, dass die Betroffenen schon Nachrichten von der Telekom erhalten haben, alles sei repariert. Was nicht stimmte. Evelin Bohnstädt aus Möllenbeck nahe Grabow erlebt gegenwärtig derartiges. Eine ähnliche Klage kam von Eckhard Neumann aus dem Möllenbecker Ortsteil Horst. Georg von Wagner, Telekomsprecher, kennt inzwischen all diese Fälle. „Diese Mails, die von uns kamen, obwohl nicht repariert wurde, sind natürlich blöd und wir arbeiten da auch intern an der Fehlersuche. Aber es bleibt insgesamt schwierig, weil wir noch immer nicht an viele Störstellen herankommen. Wir hatten ja auch schon Fälle, wo repariert wurde, und dann wurden die Leitungen bei den Aufräumarbeiten erneut zerrissen.“ Der Telekomsprecher will nun jedem der Betroffenen, die sich an die Zeitung gewandt haben, einen verbindlichen Reparaturtermin zusichern.

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