Flüchtlingshilfe : Zahrensdorf läuft dank FB-Gruppe

Die freiwilligen Helfer wollen nicht nur die existenzielle Versorgung absichern, sondern bieten Gespräche an oder spielen mit den Kindern.
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Die freiwilligen Helfer wollen nicht nur die existenzielle Versorgung absichern, sondern bieten Gespräche an oder spielen mit den Kindern.

Junge Menschen einer Facebookgruppe organisieren weitestgehend die Notunterkunft für Geflüchtete in Zahrensdorf

svz.de von
19. September 2015, 15:45 Uhr

„Ohne die freiwilligen Helfer wäre hier das Chaos ausgebrochen“, sagt die vom Landkreis eingesetzte Betreuerin der Notunterkunft für rund 60 Flüchtlinge in Zahrensdorf, die ihren Namen nicht nennen darf. Sie und ihr Kollege sind sehr froh, dass die Gruppe mehr oder weniger die Organisation des Alltags vor Ort übernommen hat. Die beiden Mitarbeiter der BBS-Start arbeiten zwar durchschnittlich 13 Stunden am Tag und überaus engagiert, aber dadurch kann nur ein Teil der notwendigen Arbeiten geleistet werden.

„Wir sind eine Gruppe von ungefähr 25 Leuten, die sich über Facebook gefunden haben“, erklärt M., Student der Erziehungswissenschaften, der der Kopf der Freiwilligentruppe ist. „Irgendjemand musste das Chaos organisieren und da hab ich es halt übernommen. Ich habe noch vorlesungsfreie Zeit.“ Zum harten Kern gehören ungefähr zehn Leute, die sich die anfallenden Arbeiten teilen, die anderen kommen zeitweise dazu. Außerdem machen noch andere freiwillige Helfer mit, die zum Teil zur Boizenburger Willkommens-Initiative gehören. Diese organisieren unter anderem täglich einen Deutschunterricht für alle Interessierten, an dem jedes Mal ungefähr 15 Syrer teilnehmen. „Ich arbeite täglich 12 bis 14 Stunden hier“, sagt M., „danach aktualisiere ich noch unsere Facebookseite.“ Allein das Management der eingehenden Kleider- und Sachspenden nimmt einen großen Teil von Zeit und Arbeitskraft in Anspruch. Die Spenden müssen ausgepackt, gesichtet, sortiert und für die Asylsuchenden zugänglich gemacht werden. Alles, was in Zahrensdorf nicht gebraucht wird, geht in die Kleiderkammern nach Hagenow, Schwerin oder Parchim, um von dort aus weiter verteilt zu werden. Die freiwilligen Helfer spielen aber auch mit den Kindern. „Abends, wenn etwas Ruhe eingekehrt ist, setzen wir uns mit den hier Untergebrachten hin und erzählen. Diese menschliche Seite ist uns sehr wichtig. Ich finde, die Syrer haben eine faszinierende Kultur, sie sind sehr höflich“, erzählt M.

In der Zahrensdorfer Notunterkunft leben mittlerweile nur noch Flüchtlinge aus Syrien, viele von ihnen sind Familien mit Kindern und Jugendlichen. Für diese Familien haben die Helfer inzwischen notdürftige Abtrennungen eingerichtet, um wenigstens ein Minimum an Privatsphäre zu ermöglichen.

Ohne es zu wissen, leisten die Jungs aus Zahrensdorf ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Integration. Sie kommen einfach vorbei, um mit den Jungs aus Syrien Fußball zu spielen. Heute ist leider niemand von ihren Altersgefährten da. „Die sind alle zu irgendwelchen Ämtern oder in die Stadt gefahren“, erklären zwei Zehnjährige enttäuscht. Demnächst müssen ihre neuen Freunde wahrscheinlich sowieso umziehen.

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