Aktion Rote Laterne : Zaghafter Protest gegen Südbahn-Verlust

Mahnwache am Stadtbahnhof mit wenig Resonanz/Teilnehmer sehen auch Strecke Parchim-Hagenow in Gefahr

svz.de von
02. Dezember 2013, 17:51 Uhr

Die Hagenower mischen mit für den Erhalt ihrer Südbahn. Wenn auch leise und in kleiner Runde. Weil viele glauben, „es betrifft uns ja nicht“, meint Hannelore Kryzak, Stadtvertreterin der Linken und aktive Bahnfahrerin. Denn zunächst soll ab 2015 lediglich die Teilstrecke zwischen Parchim und Malchow vom Landesverkehrsministerium dicht gemacht werden. Doch das sei erst der Anfang und zu kurz gedacht, sagen Hagenower Unterstützer. Denn dieser Einschnitt mache die Verbindungsstrecke nach Hamburg unattraktiver und könnte in wenigen Jahren das Aus für die anderen Teilabschnitte, auch nach Hagenow, bedeuten.

Deshalb will die Initiative „ProSchiene Hagenow – Neustrelitz“ weitere Zeichen setzen. Jeden letzten Freitag im Monat soll nun bis zur endgültigen Entscheidung der Regierung eine Mahnwache an den Stationen zwischen Hagenow und Neustrelitz stattfinden – die Protestaktion „Rote Laterne“. Und es ist eine zweite Demo am 10. Dezember vor dem Landtag in Schwerin geplant. „Ich wünsche mir, dass wir uns solidarisch zeigen und für den Erhalt der ganzen Strecke einsetzen“, sagt Hannelore Kryzak, die bislang immer dabei war. Denn wenn erstmal ein Abschnitt dicht sei, gehe es Schritt für Schritt weiter. „Es kann also auch uns schnell treffen.“ Und die Bahnfahrerin weiß, dass viele Studenten, Berufsschüler und Pendler die gesamte Strecke nutzen, bis nach Hagenow fahren und von dort weiter nach Hamburg unterwegs sind.

Ursula Hase von der SPD-Fraktion und aktiv im Senioren- und Behindertenbeirat, ist „entsetzt“ darüber, dass das Ministerium den Abschnitt schließen will. „Rentabilität hin oder her“, sagt sie. Man könne sich nicht aus der Fläche zurück ziehen. Weil die erste Mahnwache am letzten Freitag zu kurzfristig und nicht öffentlich angekündigt wurde, sei sie selbst nicht dabei gewesen. Sie appelliert aber, dass sich alle Stadt-Fraktionen beteiligen sollten. Auch wenn Hagenow selbst erstmal nicht betroffen sei, „wir dürfen nicht schlafen“ und „müssen auch überregional“ denken. Viele seien darauf angewiesen in Hagenow, auch Senioren und Behinderte. Bis zur nächsten Mahnwache will sie ihre Fraktion, den Senioren- und Behindertenbeirat und die Lebenshilfe zum Mitmachen mobilisieren.

„Oft sind die Züge voll“, weiß auch Viel-Bahnfahrer und Protestteilnehmer Thomas Rehbein. Gerade zu den Stoßzeiten. Es wäre ein Verlust, wenn die Teilstrecke wegfalle. Und „eine Bedrohung für die bleibenden Teilstrecken“. Wer glaubt, Hagenow ist nicht betroffen, denke zu kurz. Denn ein ausgedünntes Netz werde unattraktiver, schrecke Fahrgäste ab, was sich auf die nächste Verkehrszählung auswirken dürfte. Wenn dann zwischen Parchim und Hagenow kein Zug mehr verkehren sollte, würde zwar eventuell ein Bus als Ersatz eingesetzt. Das aber mit zeitlichen Einbußen für die Gäste.

Aus dem Hagenower Rathaus ist bislang niemand zum öffentlichen Protest angerückt, die Stadt setze sich aber für den Erhalt der Südbahn ein, sagt Bürgermeisterin Gisela Schwarz. Im „Arbeitskreis Südbahn“, dem betroffene Städte und Landkreise angehören. Gemeinsam wolle man eine Erklärung ans Ministerium auf den Weg bringen. „Wir sind in dieser Sache unterwegs.“ Aber auch die Bürger seien gefragt.

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