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Sport in Hagenow : Wunsch nach Kunstrasen setzt Stadt unter Druck

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hagenower Sportverein möchte kurzfristig einen Zuschuss für einen Kunstrasenplatz. Die Stadt könnte viel Geld sparen.

von
erstellt am 29.Jun.2017 | 20:30 Uhr

Völlig überraschend steht die Stadtvertretung vor ihrer schwierigsten Entscheidung ihrer jüngsten Geschichte: Soll sie das mehrere Hunderttausend Euro teure Bauvorhaben des Sozialgebäudes für den Sportplatz an der Parkstraße fortsetzen? Oder soll sie dem Hagenower Sportverein (HSV) mit einem Zuschuss von 125000 Euro dem Bau eines Kunstrasenplatzes in Hagenow Land ermöglichen?

Es war Sven Jegminat, der Vorsitzende des 536 Köpfe zählenden HSV, der in einer flammenden Rede vor der Vertretung dieses „charmante Angebot“ unterbreitete. Das Lockmittel: Wenn die Stadt das Geld für den Kunstplatz gibt, braucht sie aus Sicht des Vereins das immer teurer werdende Sozialgebäude gar nicht zu bauen. Problematisch ist nur, dass man jetzt sehr schnell entscheiden muss. Denn die Ausschreibung für den Neubau des bereits abgerissenen Gebäudes ist nur gestoppt, nicht aufgehoben.

Sven Jegminat, der Vorsitzende des HSV, in der Vertretung.
Sven Jegminat, der Vorsitzende des HSV, in der Vertretung.
 

Die Stadtvertreter aller Fraktionen nahmen das Thema sehr ernst, sie räumten dem Vereinsvorsitzenden umfangreiches Rederecht ein. Es gab erregte Diskussionen. Doch die eigentliche Diskussion fand später im nichtöffentlichen Teil satt. Zum ersten Mal in der Geschichte dauerte diese länger als der öffentliche Teil. Im Ergebnis gibt es nun am 13. Juli eine Sondersitzung der Stadtvertretung. Bis zum 12. Juli soll der Verein ein möglichst umfangreiches Konzept vorlegen.

Das Gerüst dafür wurde bereits öffentlich diskutiert. Der Hagenower Sportverein hat sein Angebot aus ziemlicher Not unterbreitet. Aktuell steht nur der arg in Mitleidenschaft gezogene Sportplatz in Hagenow-Land zur Verfügung. Dort trainieren für den Fußballbereich derzeit alle 15 Mannschaften, die dort auch noch ihren Punktspielbetrieb abhalten müssen. Der Rasen dort ist eher ein Acker, auswärtige Mannschaften kommen derzeit nicht gern nach Hagenow. Vorteil: In Hagenow-Land gibt es in gutes Sozialgebäude mit Umkleidekabinen und Duschen.

Da aber auch der Neubau eines Rasenplatzes Hunderttausende kosten würde, kam man auf die seit Jahren schwelende Idee des Kunstrasenplatzes.

Der würde nach Rücksprache mit einem Architekten etwa 800 000 Euro kosten. Doch 500 000 sind als Förderung vom Landessportbund in Aussicht gestellt. Bedingung ist die Kofinanzierung durch die Stadt in Höhe von 125000 Euro. Den Rest würde der Verein über Eigenmittel und einen Kredit aufbringen. Auch dazu gab es schon Gespräche. Im Gegenzug müsste die Stadt den Sportplatz an der Parkstraße nur wieder zur Nutzung herrichten. Mit den sanitären Provisorien dort könnte man leben. Der Verein würde auch die Bewirtschaftung des Platzes in der Parkstraße übernehmen.

Auf die Verwaltung kommt nun einiges zu. Sie muss den seit Monaten laufenden Prozess für den Bau des neuen Sozialgebäudes ohne Schaden für die Stadt stoppen. Schließlich sollte es dafür 350 000 Euro an Förderung geben. Insgesamt könnte der Bau fast das Doppelte kosten. Nun wird abgewogen.

Kommentar von Mayk Pohle: Volles Risiko?
Die Entscheidung klingt simpel: 125 000 Euro Eigenanteil gegen 650 000 für das Sozialgebäude, das offenkundig gar nicht so dringend gebraucht wird. Doch so leicht ist es nicht, schon wegen der zahlreichen Förderungen. Dass die Jungs vom Hagenower SV so vehement für die Interessen ihrer Mitglieder kämpfen, das ist völlig in Ordnung. Doch die Vertretung muss die ganze Stadt im Blick haben. Was sagen die anderen Vereine? Hätte ganz Hagenow etwas von diesem Kunstrasenplatz? Kann das die Geburtsstunde des großen Sportzentrums sein? All das gilt es zu bedenken und dennoch lohnt sich das Risiko. Der Kampf um Abriss und Neubau des Sozialgebäudes in der Parkstraße ist doch längst zu einem bürokratischen Trauerspiel geworden. Dann lieber der Kunstrasenplatz, und in der Parkstraße kann man langfristig über Abriss und den Bau von stadtnahen Wohnhäusern reden. Das wäre doch eine Perspektive.
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