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Hagenower Kreisblatt

17. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Hagenow : Wochen ohne Strom: Mieter sind sauer

vom

Nach einem Kabelbrand im Kießender Ring in Hagenow haben die Bewohner Wochen lang keinen Strom. Angeblich gäbe es Probleme beim Materialnachschub, die eine Erneuerung der Elektroanlage verhindert.

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2012 | 06:56 Uhr

Hagenow | Drei Wochen lang ohne Strom für den Herd. Kein vernünftiges Licht, kein Telefon... Nur notdürftig versorgt ein Kabel vom provisorischen Verteilerkasten im Hausflur die Mieter Gunda und Erhard Beyer und ihre Nachbarin nach dem Brand im Kießender Ring in Hagenow mit Elektrizität. Und auch heute noch - sechs Wochen nach dem Kabelbrand auf ihrer Etage - ist die Situation für alle neun Parteien im Aufgang "nicht zufriedenstellend". Der Vermieter, das Wohnungsunternehmen Gaedeke aus Mölln, vertröste, spreche von Problemen beim Materialnachschub, die eine schnelle Erneuerung der Elektroanlage verhindere, so Erhard Beyer.

"Die halten uns nur hin", sagt Gunda Beyer verärgert. Von Brot und Tassensuppe haben sie sich drei Wochen lang ernährt. Und das kurz vor Weihnachten. Zwar funktioniere der Herd mittlerweile wieder. Und auch der 50 Meter lange Kabelsalat durch ihre Wohnung ist Vergangenheit, weil jetzt ein "besseres" Provisorium die Zimmer über den Schaltkasten der Wohnung mit Licht erhellt. Dennoch: "Auch wenn wir geduldige Leute sind", sagt Erhard Beyer, "können wir es in der heutigen Zeit nicht nachvollziehen, dass das so lange dauert mit dem Material." Wo bleibe die Fürsorgepflicht des Vermieters?, fragt er sich. "Und warum sagt man uns nichts konkretes?"

Dass es eine "schlimme Situation" ist, meint auch Mieterin Birgit Hank. Sie wohnt im Erdgeschoss. In ihrer Wohnung funktioniert die Stromversorgung zwar wie gehabt. Ihr bereitet dafür der Ausfall der Klingelanlage große Probleme. Täglich muss sie am Küchenfenster wachen, um Pflegedienst und Krankenwagen für ihre schwerkranke Mutter nicht zu verpassen, die mit im Haushalt lebt. Sie ist sauer: "Wir fühlen uns hingehalten. Die lügen doch nur rum", sagt Birgit Hank mit zittriger Stimme. Eigentlich hätte sie noch nie Probleme mit dem Vermieter gehabt. Doch jetzt würden sich die Dinge häufen. Denn zusätzlich zu den Ungereimtheiten wegen des Brandes, käme seit Monaten nur lauwarmes Wasser aus den Hähnen. "Doch wir halten zusammen", beschreibt sie entschlossen die Stimmung unter den Mietern des Hauses.

Abgesehen von den Einschränkungen im alltäglichen Leben, entstünden auch zusätzliche Kosten, so Erhard Beyer. Die Wohnungstüren sind vom Brand verzogen. "Wir heizen quasi für draußen", sagt Gunda Beyer. Telefongebühren müssen trotzdem gezahlt werden, auch wenn alles nicht funktioniert. "Das holen wir uns aber vom Vermieter wieder", sagt ihr Mann. An Mietminderung haben sie noch nicht gedacht. Sie appellieren stattdessen an die "Ehre des Vermieters", dass er selbst die Miete kürzt, weil die Anwohner den Zustand schon so lange aushalten, ohne dass etwas passiert.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Wohnungsgesellschaft hieß es, dass man gemeinsam mit den Stadtwerken Hagenow das Möglichste versuche, den Schaden zu beheben und alles wieder in Ordnung zu bringen. Erste Arbeiten hätten bereits begonnen, sagt Mitarbeiterin Claudia Lüders. Und: Eine Elektroanlage ließe sich eben nicht innerhalb von zwei Tagen erneuern. Noch in dieser Woche solle es aber losgehen.

Falls sich nichts tut, will zumindest Familie Beyer weitere Schritte gehen und einen Anwalt einschalten. Obwohl es nicht in ihrem Naturell liege. Vielleicht lässt sich so auch die Sache mit dem lauwarmen Wasser klären.

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