Gösslow : Wo Stille zur Sucht werden kann

Silke Maahn und Michael Strassner sind vor sieben Jahren nach Gösslow gezogen. Das Haus, in dem sie wohnen und arbeiten, sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, betonen beide.
Silke Maahn und Michael Strassner sind vor sieben Jahren nach Gösslow gezogen. Das Haus, in dem sie wohnen und arbeiten, sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, betonen beide.

Silke Maahn und Michael Strassner haben in Gösslow ihr privates wie auch berufliches Glück gefunden

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13. Mai 2017, 12:00 Uhr

Bei Silke Maahn und Michael Strassner scheint die Zeit im Gut Gösslow stehen geblieben zu sein. Zumindest auf der großen Bahnhofsuhr an der alten Ziegel-Wand. Die steht am späten Vormittag auf 4.26 Uhr. Ihre Zeiger rücken kein Stück weiter. „Och, das ist die Geburtszeit meiner Tochter. Die Uhr selbst hat kein Innenleben mehr“, erklärt der einst in Münster Geborene. In Gösslow leben er und seine Partnerin seit sieben Jahren. Die Landschaft, das Flache und die Ruhe hätten sie beide damals gleich in den Bann gezogen, gesteht das Pärchen, das nur wenige Kilometer weiter in Ramm, auf einem rustikalen Hof ein Ferienhaus betreibt. Jeder kenne hier jeden, das habe Charme und sei für einstige Großstädter wie sie, von besonderer Bedeutung.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantworten die 54-Jährige und der 57-Jährige gemeinsam die Fragen zum Wochenende. Im Foyer, beim Pott Kaffee, unter der handbemalten alten Holzdecke, deren genaues Alter eigentlich keiner so recht weiß.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Leben und genießen. Wer nicht genießt, wird ungenießbar. (beide)

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Auf dem Hof in Ramm, mehr Ruhe geht nicht. (Silke)

Im Foyer des Gutes Gösslow, da kann ich herrlich entspannen. Und natürlich in der Küche, ich koche nämlich sehr gern. (Michael)

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe das Auto meines Vaters geputzt. Da habe ich eine Mark bekommen. (Silke)

In den Sommerferien habe ich bei Brillux am Fließband gearbeitet. (Michael)

Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für Eis, ich war damals acht oder neun Jahre alt. (Silke)

Ich habe mir ein Mofa gekauft, das war mein großer Traum damals. (Michael)

Wo findet man Sie am ehesten?
Entweder Zuhause in Gösslow oder in der Toscana. Italien ist unser beider Traumland.

Was stört Sie an anderen?
Unehrlichkeit und Dummheit im Mix mit Überheblichkeit. Das ist das schlimmste Gift im Zusammenleben.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Mahatma Gandhi, er kämpfte ohne Waffen und Gewalt für den Frieden seiner indischen Landleute. Widerstand durch Friedfertigkeit, das war sein Motto. (Michael)

Meine Eltern, weil sie aufgegeben haben. (Silke)

Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Dass wir uns beide haben.

Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Eher Kopfmenschen, das liegt wohl aber am Alter. Obwohl das Ursprungsgehirn im Bauch sitzt, das haben wir kürzlich in einer Reportage gesehen. Das war sehr interessant.

Wonach suchen Sie im Leben?
Wir suchen nichts mehr, wir haben alles gefunden, sind angekommen in unserem Leben und bei uns.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Weißwein und Rohmilchkäse. Im Tiefkühler liegt immer ein gutes Stück Wild.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich hätte gern noch ein schönes altes Cabrio, um mit einer Lederkappe auf dem Kopf durch die Lande zu fahren. (Michael)

Ich bin wunschlos glücklich. (Silke)

Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?
Den neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron, um mit ihm darüber zu sprechen, wie es mit der EU weitergehen soll. Wir denken, man sollte diesem Staatenbund einfach mehr Zeit geben, sich zu entwickeln.

Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
anstrengend (Silke)

emphatisch (Michael)

Wo ist für Sie Heimat?
In Gösslow.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Eine wirklich wundervolle Reise ans Mittelmeer nach Italien. (Silke)

Über ein Interrail-Ticket bin ich als Jugendlicher vier Wochen lang kreuz und quer durch Europa gereist. Das war toll, so etwas vergisst man nie wieder. (Michael)

Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich liebe französische, elsässische und asiatische Küche. (Michael)

Die japanische Küche finde ich einfach nur wundervoll, besonders Sashimi, den roh zubereiteten Fisch. Wir beide lieben aber auch Wild in jeder Form. Michaels Sparribs vom Wildschein sind phänomenal. Er kann traumhaft gut kochen. In der Küche macht ihm keiner so schnell was vor. (Silke)

Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Wir auf uns.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
In Gösslow, hoffentlich noch nicht auf dem Friedhof.

Wem sollen wir ebenfalls diese Fragen stellen?
Vita Adam, sie arbeitet in der Linkenfraktion im Bundestag und hat sich in Vielank einen alten Hof gekauft. Sie ist eine lustige und weltoffene Frau. Es macht Spaß, mit ihr zu plaudern.

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