Bio-Trend zum Fest : Wo der Weihnachtsbraten aufwächst

Jungbauer Stephan Thal mit einer Dänen-Gans. Diese Tiere werden besonders groß, bringen fünf bis sieben Kilo auf die Waage.  Fotos: Thorsten Meier
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Jungbauer Stephan Thal mit einer Dänen-Gans. Diese Tiere werden besonders groß, bringen fünf bis sieben Kilo auf die Waage. Fotos: Thorsten Meier

Landwirtin Helene Thal ist gläserne Produktion sehr wichtig/Rund 300 Gänse und Enten zieht sie jedes Jahr in Perdöhl für die Festtage groß

svz.de von
23. Dezember 2013, 15:56 Uhr

Perdöhl Schmackhaft zubereitete Gänse und Enten sind als Festtagsbraten in den kommenden Weihnachtstagen auf den Tischen zahlreicher Familien nicht mehr wegzudenken. Sie sind eine fest verankerte Tradition. Rund 300 dieser Vögel, die morgen und übermorgen in den Küchen der Region brutzeln werden, stammen vom örtlichen Herefordhof. Rund um die Uhr hatten Chefin Helene Thal und ihr Sohn Stephan in den letzten sechs Monaten alle Hände voll zu tun. In ihrem landwirtschaftlichen Betrieb, er existiert seit 1995,  werden seit 1996 neben 150 zertifizierten Bio-Rindern auch rund 300 Enten und Gänse in ganzjähriger Freilandhaltung aufgezogen, die als drei Wochen alte Küken und Gössel angeliefert werden.

„Die erste Zeit werden  die Dänen-Gänse nur auf Gras gehalten, später wird Weizen und Hafer zugefüttert. Und jede Menge gekochter Kartoffeln, dann werden die Tiere nämlich nicht so fett, bis sie ihr Schlachtgewicht von fünf bis sieben Kilo erreicht haben“, erklärt Helene Thal. Die Muladen, ein Zwischending von Haus- und Flugente, müssten drei bis dreieinhalb Kilo auf die Waage bringen, bis sie geschlachtet und verkauft werden können. Die Landwirtin selbst isst zu Weihnachten am liebsten Ente. „Gänse sind mir zu groß. Sie schmecken zwar sehr lecker, aber ich mag nichts Aufgewärmtes. Fleisch kommt bei mir immer frisch zubereitet auf den Teller“, verrät die 62-Jährige weiter. Besonders die Muladen seien sehr geschmackvoll, nicht zu fett und nicht zu trocken. Eben genau richtig für Genießer. Die kommen in Scharen schon während der regelmäßig stattfindenden Hofveranstaltungen. „Dieses Jahr hatten wir um die 1000 Besucher, die sich persönlich über die  Haltungsbedingungen unserer Tiere informieren wollten. Bis Heiligabend werden alle Enten und Gänse geschlachtet sein und nach Absprache von den Kunden abgeholt. Sie nutzen auch oft unsere Wochenmärkte mittwochs in Boizenburg und donnerstags in Neuhaus, um ihre Bestellungen aufzugeben“, berichtet die Bäuerin weiter.  Sie selbst ist in der Landwirtschaft aufgewachsen, im rund 27 Hektar großen elterlichen Betrieb in Lehsen. Kennt sich also aus mit den Bedürfnissen der Endverbraucher.

„Seit 1998 die BSE-Krise durchs Land zog, wollen viele Kunde wissen, wie unsere Rinder  aufwachsen. Deshalb haben wir alternativ einen Mutterkuh-Betrieb aufgebaut. Die Tiere werden bei uns liebevoll behandelt, denn wir mögen keine Tierfabriken“, betont Helene Thal, die für 2014 auf Zuschüsse hofft. Denn Bio-Betriebe sollen ab kommendem Jahr gefördert werden. „Unsere Tiere stammen aus eigener Aufzucht, das ist nicht ganz billig. Aber  wir wollen die damit verbundenen Kosten nicht auf unsere Kunden in Form erhöhter Preise abwälzen.“

Auch für die Aufzucht der Jungtiere bei den Gänsen und Enten bräuchte man viel Umsicht, verrät Jungbauer Stephan Thal gegenüber der SVZ. Das wichtigste beim Wassergeflügel sei, so sagt der 27-Jährige, der seit 2008 den kleinen Familienbetrieb verstärkt, dass es besonders in Hitzeperioden, und davon hätten wir in diesem Jahr mehr als genug gehabt, reichlich zu trinken bekomme und beschattet werde. „Enten und Gänse leiden genau wie wir Menschen eben auch unter zu viel Sonne“, führt der gebürtige Lehsener weiter aus.

Für ein Foto mit einem der watschelnden Weihnachtsbraten muss er erst einmal im Gänsemarsch hinter den weiß Gefiederten hinterher. Sie sind wachsam und immer im misstrauisch äugenden Trupp unterwegs. Auch der junge Mann kann bestätigen, dass das Interesse an natürlich aufgezogenen Tieren immer weiter wächst. Und das Vertrauen der Kunden dürfe man niemals enttäuschen, weiß auch er bereits nur allzugut. Seine Mutter bringt es auf den Punkt: „Die meisten Menschen wollen heute nicht mehr Masse, sondern Klasse auf dem Teller. Das ist ein sehr guter Trend.“

Wenn die übers Jahr aufgezogenen Enten und Gänse verkauft seien, bekräftigt die gebürtige Lehsenerin, sei  Schluss für das laufende Jahr. Hinzugekauft werde nichts.

Bei Helene Thal wird morgen wie all die Jahre schon  eine knusprige Ente die Familie am Tisch vereinen. Eine mit Boskop, Backobst und Rosinen gefüllte, versteht sich. „So, wie das in Mecklenburg zu Weihnachten eben Tradition ist.“

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