zur Navigation springen

Tag der zeitgenössischen Kunst im Picher-Eichenhof : Wo das Holzfeuer den Ton angibt

vom

Fauchend, qualmend und mit einer beeindruckenden Stichflamme empfangen zwei Holzkohleöfen die Besucher des örtlichen Eichenhofes zum 5. landesweiten Tages der zeitgenössischen Kunst.

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2012 | 11:08 Uhr

Picher-Eichenhof | Fauchend, qualmend und mit einer beeindruckenden Stichflamme empfangen zwei Holzkohleöfen die Besucher des örtlichen Eichenhofes, deren Anzahl sich bis Ende des Tages auf etwa 100 eingepegelt haben wird. Kenner und Laien gleichermaßen fühlen sich angesprochen, sich anlässlich des 5. landesweiten Tages der zeitgenössischen Kunst in den Ateliers über das Entstehen, Vermitteln und Vermarkten von bildender Kunst zu informieren. Am aktuellen Geschehen teilnehmen können an diesem Sonnabend dank dieses Ansatzes deshalb auch die Liebhaber der Keramiken, der Skulpturen sowie der textilen Objekte von Kat und Alexander von Stenglin.

Zu diesen Fans gehört jetzt auch Brigitte Trabitzsch aus Krenzliner Hütte. "Ich liebe besonders diese blaue und die naturfarbene Keramik", gesteht die 62-Jährige, die gegenüber der SVZ verrät, dass sie 1998 schon mal einen Töpferkurs mitgemacht habe. Damals hätte sie ihr Herz an Ton und Glasuren verloren. Auch ihr Gatte Wolfgang ist ganz angetan von dem, was er in den vielen Regalen der Stenglin’schen Galerie zu sehen bekommt. "Besonders das Ambiete und der Garten beeindrucken mich sehr. Diese vielen liebevollen Details auf dem gesamten Anwesen sind einfach nur schön", betont der 63-Jährige, der zusammen mit seiner Gattin das erste Mal auf dem Eichenhof weilt und unbedingt noch mal wiederkommen möchte.

"Es sind alles sehr angenehme Menschen, die uns bei diesen Aktionstagen immer besuchen kommen", gibt Kat von Stenglin das Lob an ihre Besucher zurück. Das Interesse für verschiedenste Brenntechniken sei sehr groß gewesen, sagt sie, die sich als ausgewiesene Meisterin mit Handweberei und auch Keramik gleichermaßen beschäftigt.

Doch dann lädt sie ein vor die Tür, wo kurz zuvor ein mächtiger Graupelschauer alle ins Haus jagte. Dort steht Keramiker Armin Rieger, ein befreundeter Berufskollege der Stenglins. Er dichtet die mit Drahtgeflecht fixierten Schamottsteine eines Holzkohleofens immer wieder mit einer Mischung aus Lehm, Rasenschnitt und Sand ab.

"Wir arbeiten seit fünf Jahren eng zusammen, experimentieren und gestalten zusammen Ausstellungen", erklärt der Töpfermeister aus Bergfeld in der Nähe von Teterow. Dass er auf dem Eichenhof neue Techniken vorführen dürfe, ehre ihn besonders, meint der 63-Jährige.

Die ständige Suche nach neuen Ausdrucksformen, die das Feuer auf den Glasuren hinterlässt, treibt auch Alexander von Stenglin seit vielen Jahren an. Lässt ihn immer wieder einfachste Holzöfen für seine Salzsteinglasuren bauen, in denen der Zufall nicht selten auch der gewollte Gestalter ist. "Wenn man sich als Keramiker traut, hat man die Chance, was völlig Unerwartetes zu finden", sagt der 50-jährige Töpfermeister gegenüber der SVZ. Die Wechselwirkungen von Flammen, Farben, Atmosphäre, Metallsalze und Asche führe dann als Lohn oftmals zu unglaublichen Ergebnissen.

Der Tag der zeitgenössischen Kunst gehört seit seiner Einführung für alle drei Künstler zu einem Höhepunkt ihres beruflichen Schaffen. Denn schließlich ist der Dialog mit den Besuchern etwas, dass sie in ihrer Arbeit brauchen, das sie voran- und antreibt. Alexander von Stenglin: "Zu diesen Veranstaltungen kommen Menschen zu uns, die einen tiefen Einblick in das Entstehen von Kunst wünschen, um sie und uns zu verstehen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen