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Landkreis Ludwigslust-Parchim : Wirtschaft beklagt Fachkräftemangel

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Viele Firmen würden ihr Personal lieber gestern als heute aufstocken. Was immer wieder zur Sprache kommt, ist der akute Fachkräftemangel. In Westmecklenburg nimmt der Mangel dramatische Formen an.

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erstellt am 17.Aug.2012 | 11:03 Uhr

Ludwigslust/Hagenow | Viele Firmen würden ihr Personal lieber gestern als heute aufstocken. Was immer wieder in Chefetagen und auf Unternehmerstammtischen zur Sprache kommt, ist der akute Fachkräftemangel. Gerade die Unternehmen im Landkreis Ludwigslust-Parchim spüren ihn als zweites wahrnehmbares Zukunftsrisiko nach den hohen Energie- und Rohstoffpreisen. Und so wird die Frage nach vorhandenen Potenzialen, nach qualifizierten und gut ausgebildeten Arbeitnehmern immer drängender. Einig sind sich alle, was den hohen Stellenwert der Ausbildung zur Sicherung der Unternehmenszukunft angeht.

"Die Hälfte der zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze in Westmecklenburg für dieses Jahr sind besetzt und abgesichert. Die andere Hälfte sucht dringend noch Lehrlinge", weiß Wolfgang Reiner Hildesheim zu berichten. Der 65-Jährige steht dem Unternehmerverband Westmecklenburg e. V. vor, in dem sich bisher 86 Firmen zusammengeschlossen haben. Bis Jahresende sollen es gar 100 werden.

Die schulischen Leistungen lassen oft zu wünschen übrig

"Was es früher an einem Zuviel an Lehrlingen gab, gibt es heute zu wenig. Wir haben im Land bereits einen demografischen Notstand", betont der Regionalleiter weiter, der in Ludwigslust ein gleichnamiges Autohaus betreibt. Hätten sich vor Jahren noch 15 Auszubildende bei ihm beworben, so seien es jetzt gerade mal vier bis fünf pro Jahr. "Und die schulischen Leistungen lassen oft zu wünschen übrig", kritisiert der Firmenchef. "Entscheidende Hemmnisse bei einem erfolgreichen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt bleiben die unzureichende Ausbildungsreife und die fehlenden sozialen Kompetenzen vieler Jugendlicher", bedauert Hildesheim. Ebenfalls problematisch sei das schlechte Auftreten und Erscheinungsbild vieler Schulabgänger. Vielen Bewerbern fehle es an Motivation, Durchhaltevermögen und Interesse am Beruf. "Deshalb müssten die Bemühungen deutlich intensiviert werden, ein zielgerichtetes Übergangsmanagement zwischen Schule, Elternhaus und Ausbildung auf die Beine zu stellen." Eltern müssten begreifen, dass Erziehung und Bildung eine Einheit seien, die von allen mit Leben zu erfüllen sei. Hildesheim: "Alle müssen gemeinsam an einem Strang in eine Richtung ziehen." In seinem Unternehmen werde dies über ein Praktikum geregelt. Um sich kennenzulernen. "Wenn die Chemie stimmt, haben wir die Basis bei der Suche nach einem Ausbildungsweg. Dann werden Eltern und Klassenleiter mit eingebunden und wir reden Tacheles. Es gibt Regeln und Grenzen und viele Eltern verstehen das. Der Jugendliche selber kann dann niemanden mehr austricksen."

Besonders schwierig ist in M-V die Suche nach Azubis für Handwerker sowie Hotellerie und Gastronomie. In diesen Branchen haben rund die Hälfte der Betriebe Schwierigkeiten, neue Lehrlinge zu finden. Weniger kritisch ist die Situation dagegen derzeit in der Industrie, wo nur knapp ein Drittel über Besetzungsprobleme klagen. Bei Dienstleistern und Freiberuflern sowie im Einzelhandel haben über 40 Prozent der Betriebe Sorgen. Bei den Unternehmensgrößen klagen die Betriebe zwischen fünf und neun Mitarbeiter am meisten, ihre Lehrstellen nicht oder nur mit Schwierigkeiten besetzen zu können. Viele Lehrstellen bleiben hier allzu oft Leerstellen.

Das sei bitter, meint Hildesheim, dennoch befürworte er nicht den Weg, die Jugendlichen mit Prämien, Vergünstigungen sowie das Herabschrauben von Anforderungen zu ködern. "Lehrjahre sind nun mal bekanntlich auch keine Herrenjahre. Das war schon immer so. Und wenn sich beispielsweise ein Auszubildender weigert, die Werkstatt zu fegen, die er mit dreckig gemacht hat, und selbst die Eltern das genauso sehen, dann führt so etwas zwangsläufig zu einem Aufhebungsvertrag. Solche Leute können wir hier leider bei uns nicht brauchen."

Aus regelmäßigen Gesprächen mit anderen Firmenchefs aller Branchen wisse er, Hildesheim, dass knapp die Hälfte der Unternehmen bei den Bewerbern Leistungsbereitschaft und Disziplin vermissten. Belastbarkeit und Umgangsformen ließen ebenfalls oft zu wünschen übrig.

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