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Wildwuchs in Luckwitz : „Wir wuchern hier langsam zu“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Luckwitzer greifen selbst zu Sensen und Mähen. Wittendörps Bürgermeister Bernd Ankele hat Verständnis für genervte Einwohner

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 20:30 Uhr

Beim Radfahren den Kopf einziehen oder schon gar nicht in kurzen Hosen bzw. einem Kleidchen unterwegs sein können - so stellt man sich die ländliche Tour auf dem Drahtesel ja nun wirklich nicht vor. In Luckwitz jedoch wird genau dieses Szenario gerade zur bitteren Realität. Beinahe alle Straßen und Wege des kleinen Ortes in der Gemeinde Wittendörp werden derzeit vom Grün überwachsen. „Wir wuchern hier langsam zu“, sagt Manfred Nitzsche und findet das beileibe nicht lustig. Ganz im Gegenteil. Der 64-Jährige ist genervt vom Zustand der Straßen und Wege. „Natürlich wächst jetzt im Sommer alles etwas schneller, aber man muss ja eben auch mal reagieren“, sagt der ehemalige Autoverkäufer aus Wittenburg, der nun mit Familie in Luckwitz seinen idyllischen Alterssitz gefunden hat.

Gemeint ist Bürgermeister Bernd Ankele. Das Gemeindeoberhaupt stand auch auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Luckwitz während der Bürgerfragestunde enorm unter Beschuss. „Ihr sitzt doch hier nur und hebt die Hand“, hieß es aus den Besucherreihen.

Untätigkeit jedoch wolle sich die Gemeinde nicht vorwerfen, so Ankele. „Wir haben natürlich Verständnis für den Unmut der Bürger und sehen selbst auch ein paar Missstände. Aber alle 13 Orte könne man eben nicht gleichzeitig bewirtschaften. Auch finanziell nicht. Ein externes Unternehmen versucht nach und nach dem Wildwuchs Herr zu werden.“

Das will Nitzsche nicht gelten lassen. „Wenn schön an den Seiten gemäht wird, könne man den Mulcher ja auch mal hochkant stellen und die Büsche mit beschneiden. Das kostet dann mal 3 Mark mehr, aber es wäre ordentlich gemacht“, so der Luckwitzer, der im Ort die gefährlichsten Stellen ausgemacht hat und mit ein paar Mitstreitern selbst zu Sense und Mäher greift. Denn nicht nur der kaum noch passierbare Landweg nach Dreilützow ist den Luckwitzern quasi ein Dorn im Auge. Gerade auch die Dorfstraße, also die Hauptstraße, birgt mittlerweile riesiges Gefahrenpotenzial. „Das Schild, das hier spielende Kinder zeigt, kann man als Autofahrer erst erkennen, wenn man auf der Höhe des Schildes ist. Da kann es schon zu spät sein. Oder wir beobachten auch, was passiert, wenn zwei Lkw aneinander vorbei müssen. Dann müssen die 40-Tonner nämlich auf den Rasen vor meinem Haus ausweichen und rollen über einen Kontrollschacht, den ich nun ausbessern muss. Nur weil auf der anderen Seite ein Busch nicht zurückgeschnitten wurde. Das kann doch nicht sein“, so der Luckwitzer, der immer häufiger zur Motorsense greifen muss.

Bernd Ankele hat die Vorwürfe, die er nicht persönlich nehme, notiert und wolle die schlimmsten Ecken nun in Angriff nehmen. „Gefahren müssen beseitigt werden. Das ist doch klar“, so der Bürgermeister gegenüber der SVZ. Im übrigen nehme  Ankele und auch seine Mitstreiter in der Vertretung die „Eingaben“, wie sie in der ländlichen Region aus Tradition noch immer genannt werden, allesamt sehr ernst.

„Wenn man Bürgerfragestunden veranstaltet, muss man auch damit leben, dass es Unmutsäußerungen gibt. Uns ist doch klar, dass es auch Probleme gibt. Und wir stellen uns den Einwohnern und versuchen nach allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen“, so Ankele. Hoffnung also auch für Manfred Nitzsche.

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