Landwirte : „Wir wollen nicht ewig in der Heulsusen-Ecke stehen“

Die Landwirtschaft brauche Wertschöpfung und Wertschätzung, so Agrarminister Till Backhaus in Vielank.  Fotos: Thorsten Meier
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Die Landwirtschaft brauche Wertschöpfung und Wertschätzung, so Agrarminister Till Backhaus in Vielank. Fotos: Thorsten Meier

Unternehmer und Bauern proben den Schulterschluss. Milchkrise eines der drängenden Themen in Vielank

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17. Juni 2016, 21:00 Uhr

Wertschöpfung und Wertschätzung – die Landwirtschaft brauche beides, betonte MV’s Agrarminister Till Backhaus auf einem Diskussionsabend am Donnerstag im örtlichen Brauhaus vor Bauern und Unternehmern. Im Spannungsfeld aller Anforderungen sei es enorm, was die Landwirte tagtäglich leisteten. „Doch die Wertschätzung dafür müssen sie sich immer noch hart erkämpfen.“

Eingeladen hatten zu diesem Gedankenaustausch über Entwicklungstendenzen in der Wertschöpfungskette von Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel der Unternehmerverband West–Mecklenburg e.V. und der regionale Bauernverband Ludwigslust e.V. Deshalb forderte Wilhelm Schefe auch, Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfung weiter zu fördern. „Wir wollen auch weiterhin eine heimatnahe Ausbildung der Lehrlinge.“ Und es müsse gelingen, neue Märkte zu erobern sowie Marktanteile an hochwertigen regionalen Produkten aus dem Land zu erhöhen. „Das Konzept, das bis 2030 gelten soll, muss so aufgelegt werden, dass es die Handschrift der Agrarwirtschaft und der mittelständischen Unternehmen trägt.“

Mit dieser Forderung sah sich Schefe eins mit Minister Backhaus. Diese Hürde könne man nur Mithilfe leistungsfähiger, wettbewerbsorientierter, innovationsfreudiger und zukunftsorientierter Betriebe gewinnen. „Wir haben eine tolle, hochproduktive Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft in M-V. Beide müssen näher zusammenrücken.“

Milchbauer Peter Guhl vom Hof Weitenfeld nannte das Desaster um die Milch eine anständige Krise. „Wir Landwirte sind ja auch nichts anderes als Unternehmer. Aber wir haben es nicht geschafft, uns als solche auch in der Wertschöpfungskette zu positionieren. Viel zu lange haben wir stillgehalten. Wir brauchen endlich verbindliche Kaufverträge, für eine Vertragsproduktion als beste Gewähr für bedarf- und marktgerechte Produktion. Und wir wollen verkürzte Kündigungsfristen, statt der üblichen zwei Jahre. „Wir wollen ja schließlich auch nicht ewig in der Heulsusen-Ecke stehen.“

Backhaus nickte zustimmend und versprach, dass es bereits ein Signal an die Molkereien gebe, dass die Politik eingreifen werde. Denn auch er sähe sich von den Molkereien getäuscht, die einst versprachen, Bestpreise zu zahlen. „Wir brauchen alternative Modelle, kleinere Strukturen oder Zusammenschlüsse.“ Der Sozialdemokrat bemerkte weiterhin in die Runde, dass Mecklenburg-Vorpommern kein Billiglohnland mehr sei. Das hätte ein Großteil der Arbeitgeber bitteschön endlich zur Kenntnis zu nehmen. „Regionalität, Qualität, Saisonalität, Vertrauen und eine stärkere Sensibilität sind vonnöten, um die Wertschöpfung gelingen zu lassen.“

Dietrich Groth, Vorsitzender des Bauernverbandes, mahnte die Runde, dass ohne Landwirtschaft der ländliche Raum sterben werde. Auch Groth beschwor eine Verzahnung bei der Zusammenarbeit beider Verbände.

Unternehmer Gerhard Klinkmann bezeichnete die örtliche Wirtschaft als Rückgrat der Region. „Doch der Bürokratieabbau ist noch lange kein Grund für Beifall“, bemerkte er lakonisch.

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