Feuerwehr Wittenburg : „Wir stehen ganz auf Stefans Seite“

Viele Kameradinnen und Kameraden der Wittenburger Wehr hätten gestern ebenfalls gern ihre Meinung zu den Vorgängen um Stefan Schwarz geäußert, mussten aber arbeiten.
Viele Kameradinnen und Kameraden der Wittenburger Wehr hätten gestern ebenfalls gern ihre Meinung zu den Vorgängen um Stefan Schwarz geäußert, mussten aber arbeiten.

Etwa 50 von 78 Mitgliedern der Wittenburger Wehr wehren sich gegen den Stadtvertreterbeschluss, Kamerad aus der Wehr zu werfen

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12. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Der Unmut unter einem Großteil der Kameraden der Wittenburger Wehr wird immer größer. Seit sie erfahren haben, dass ihr ehemaliger Ortswehrführer Stefan Schwarz, der von der Stadtvertretung jüngst aller Ämter enthoben wurde, (wir berichteten) nun auch noch per Beschluss am Mittwoch aus der Wehr geworfen werden soll, regt sich Widerstand.

„Es ist uns allen unklar, wie eine Stadtvertretung einfach unsere Satzung aushebeln will. In der ist nämlich eindeutig festgelegt, dass der Ausschluss eines Kameraden nur auf einer Vollversammlung der Wehr möglich ist. Dafür müsste es aber auch eine Zweidrittel-Mehrheit geben“, betont Marcel Tapken von der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. Wenn die Satzung so einfach zu umgehen sei, sei sie das Papier nicht wert, auf dem sie stünde, sagt der 31-Jährige gestern im SVZ-Gespräch. Im übrigen sei er sehr enttäuscht, dass ein Mensch von gewählten Mandatsträgern so fertig gemacht werde, dass er offensichtlich kein Bein mehr auf den Boden bekommen solle.

Wehr ist genervt von Anschuldigungen

„Diese Geschichte zehrt allmählich an unseren Nerven, die Wehr leidet“, bekräftigt auch Jasmin Pagels. Sie gehört zu der Truppe, die gestern um ein Gespräch mit der Redaktion bat. „Weil man uns bei der Stadt ja kein Gehör schenkt.“ Ähnlich frustriert ist auch Marcus Wedow: „Morgen auf der Stadtvertretung wird uns dann wohl wieder der Mund verboten, wie immer, wenn wir zu diesem Thema Stellung beziehen wollen.“ Das sei schlimm, denn mindestens 50 der insgesamt 78 Kameraden sowie viele Bürger der Stadt stünden immer noch hinter Stefan Schwarz, findet Andreas Schwarz, der Bruder des geschassten Wehrführers. „Wir stehen voll und ganz auf Stefans Seite“.

Dass das Protokoll einer Mitgliederversammlung vom November, in der sich alle 50 Anwesenden einstimmig für den Verbleib von Stefan Schwarz als Ortswehrführer ausgesprochen hätten, einfach von der Bürgermeisterin ignoriert worden sei, empfindet die gestrige Runde empört „als skandalös.“ Man könne einfach nicht verstehen, dass die Meinungen der Kameradinnen und Kameraden nicht ernst genommen würden. Dass ihre ehrenamtliche Arbeit von der Politik mit Füßen getreten werde, bezeichnet Manuel Pey als geradezu „unerträglich“.

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Als Rechtslage für den morgigen Beschluss wird das Gesetz über den Brandschutz und die Technischen Hilfeleistungen durch die Feuerwehren für M-V sowie die Kommunalverfassung für das Land ins Feld geführt.

„Die Wehr ist eine gemeindliche Einrichtung und kein freischwebender Verein“, betont gestern auf SVZ-Nachfrage Wittenburgs Bürgermeisterin Margret Seemann und beruft sich dabei auf Paragraf 9 des Landesbrandschutzgesetzes. „Die Satzung der Feuerwehr gilt nur für den Innenbereich.“

Und in der Anhörung im November dieses Jahres sei es lediglich darum gegangen, ob die Vorwürfe gegen den Feuerwehrchef ausgeräumt werden könnten, oder nicht. „Es ging nicht um eine Abstimmung, ob Herr Schwarz im Amt verbleiben sollte.“

Was dem Wehrführer konkret vorgeworfen wird

Die Liste der Vorwürfe an den Ex-Wehrführer ist ist lang.:

  • Fahren von Dienstfahrzeugen in privater Nutzung
  • er soll persönlichen und fachlichen Anforderungen als Ortswehrführer  und  stellvertretender Gemeindewehrführer nicht mehr gewachsen sein
  • fehlerhafte Führung von Fahrtenbüchern
  • Kompetenzüberschreitung bei eigenmächtiger Anschaffung  feuerwehrtechnischer Geräte
  • Zwangsbeurlaubungen von Kameraden
  • der Versuch, die Planungen für das neue Feuerwehrgerätehaus zu verhindern
  • Fehlerhafte Brand- und Hilfeleistungsberichte
  •  Beleidigung von Dienstvorgesetzten

Nötige Konsequenz oder bewusste Zerstörung?

Entlassen als Wehrführer und als öffentliche Person in Wittenburg eigentlich zerstört. Stefan Schwarz ist von der Stadtvertretung seiner Ämter enthoben worden. Jetzt droht nach ein paar aufgedeckten Verfehlungen sogar der rigorose Rausschmiss aus der Feuerwehr. Ist das nun gerechtfertigt oder nicht?

Pro

Es ist hart, es ist aber auch konsequent. Denn am Ende der Reise geht es gar nicht so sehr um die Person des Wehrführers, es geht um das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der Bürgermeisterin. Und das ist wohl komplett zerstört. Da hilft nur Trennung. Und vor allem ein Neuanfang. Der geht nur mit einer neuen Feuerwehr, die mit einer Mischung aus jungen und erfahrenen Kameraden an den Start gehen muss. Die Bürgermeisterin ist laut Gesetz für die Organisation des Brandschutzes zuständig, der Wehrführer ist nur beauftragt. Und wenn es eben nicht mehr geht, dann muss man sich trennen. Und offenkundig ist die Bürgermeisterin zu dem Schluss gekommen, dass es so nicht mehr geht. Das ist zu akzeptieren.
Mayk Pohle

Kontra

Was kommt nun als nächstes? Wird Stefan Schwarz jetzt noch geteert,  gefedert und mit  Schimpf und Schande aus der Mühlenstadt gejagt? Er hat bereits seinen Job beim städtischen Wohnungsbau verloren und  ist aus seinen Ämtern entlassen worden. Jetzt will man ihm morgen  noch die Mitgliedschaft in der geliebten Feuerwehr nehmen. Hartherziger und unmenschlicher geht es wohl kaum noch. Langsam ist jetzt mal genug, denn der geschasste Wehrführer  ist kein Schwerstkrimineller. Stimmen gegen die plötzlich im ungewohnten Schulterschluss vereinte Stadtvertretung werden lauter in der Motelstadt. Und die Auffassung vieler Wittenburger, es handele sich hier wohl eher um einen  Rachefeldzug der Bürgermeisterin.
Thorsten Meier

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