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„Wir sollten den HVV-Verbund zügig bis nach Brahlstorf holen“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt erwartet bis Mitte 2015 solide Zahlen und Beschlüsse zur geplanten Elbbrücke bei Darchau

von
erstellt am 29.Dez.2014 | 21:33 Uhr

Wunderschön, reich an einzigartiger Natur, aber arm an Geld und Menschen. Und auch 25 Jahre nach dem Fall der Grenzen hat das Amt Neuhaus immer noch keine feste Verbindung zum Mutterkreis Lüneburg. SVZ-Regionalchef Mayk Pohle sprach mit Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) zum Jahreswechsel über die Perspektiven für den Landstrich, der lediglich von 4900 Menschen bewohnt wird.

Frage: Herr Nahrstedt, wie steht es denn nun am Wechsel zu 2015 konkret um die Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau?

Nahrstedt: Uns ist es immerhin gelungen mit dem Kreis Lüchow-Dannenberg und den Gemeinden auf eine gemeinsame Vorgehensweise zu einigen. Leider gibt es nun wieder Verzögerungen, die auch mit dem letzten Hochwasser zu tun haben.

Frage: Woran und an wem liegt es denn dieses Mal?

Nahrstedt: Es geht darum, ob die Brücke auf oder über den Deich gebaut werden kann. Die Deichsicherheit hat oberste Priorität, der Bau der Brücke darf da keine Schwachstelle schaffen. Und es geht auch darum, dass der Kreis Lüchow-Dannenberg Sorgen hat, dass die Brückenpfeiler bei Eisgang zu einer hochgradigen Gefährdung der Deiche führen könnten. Das müssen wir jetzt durch ein 2-D-Modell ausräumen und dafür ein Fachbüro beauftragen. Zudem hat der Nachbarkreistag alle Entscheidungen zur Brücke an sich gezogen. Diese zeitliche Verzögerung haben wir wirklich nicht zu vertreten, es gibt aber keinen anderen Weg.

Frage: Bedeutet das, dass im Jahre 2015 wieder nichts passieren wird?

Nahrstedt: Nein das bedeutet es überhaupt nicht. Wir lassen ein Bodengutachten machen, ob der Deich an der Brückenbaustelle tragfähig ist. Dann folgt die landesplanerische Feststellung und danach werden wir sehen, was die Brücke kostet. Sie können mir glauben, dass ich mir das auch alles deutlich schneller wünsche. Doch ich habe diese äußerst vertrackte Lage rund um die Brücke als Landrat geerbt, und wir arbeiten nun die Fehler von damals ab.

Frage: Wann liegen nach Ihrer Meinung endlich solide Kostenschätzungen für die Brücke auf den Tisch?

Nahrstedt: Ich möchte am liebsten im ersten Halbjahr 2015 diese Zahlen haben, damit der Kreistag entscheiden kann. Ich habe immer gesagt, dass ich klar für die Brücke bin, aber nicht für jeden Preis.

Frage: Wann ist aus Ihrer Sicht Schluss?

Bei zehn Millionen, die unser Kreis zahlen müsste. Derzeit liegen die Schätzungen bei 9,5 Millionen Euro.

Frage: Viele halten das für eine geschickte Ausrede, um die Brücke trotz des klaren Votums der Bevölkerung doch nicht bauen zu müssen.

Nahrstedt: Nein, das ist ganz und gar keine Ausrede, denn das sage ich bereits seit mehr als zehn Jahren. Ich werde ja z. B. auch vom Brückenverein kritisiert. Doch im Gegensatz zur A 39 oder zum Schiffshebewerk ist die Brücke leider kein Projekt überregionaler Bedeutung. Viele vergessen, dass wir die Straße von einer überregionalen Landesstraße zur Kreisstraße herabgestuft haben, damit es überhaupt weitergehen konnte und GVFG-Mittel fließen.

Frage: Fühlen Sie sich in Sachen Brücke oft ungerecht behandelt?

Nahrstedt: Aber sicher. Ich fühle mich in dieser Frage von einigen Brückenbefürwortern ungerecht behandelt. Als ich 1996 in den Kreistag gewählt wurde, war die Sache doch schon beschlossen. Der Fehler war, aus heutiger Sicht betrachtet, die Brücke ausgerechnet an die Grenze zweier Kreise zu planen und die Landesstraße herabzustufen. Sonst stünde die Brücke schon.

Frage: Aber an der Geldfrage führt kein Weg vorbei.

Nahrstedt: Das ist so, wir reden derzeit von 45 Millionen Euro. Wir haben der neuen Landesregierung abgerungen, dass sie bei 75 Prozent zugesagter GVFG-Mittel bleibt, leider festgefroren bei 45 Millionen Euro. Alles, was zusätzlich an Kosten kommt, geht zu Lasten des Landkreises. Und unser Haushalt kann nicht endlos strapaziert werden, auch nicht für diese Brücke. Und auf Mittel aus dem Solidarpakt brauchen wir derzeit nicht zu hoffen, das Amt Neuhaus gehört nicht zu den neuen Bundesländern.

Frage: Angenommen, die Brücke kommt nicht, wovon die Mehrheit im Amt Neuhaus derzeit ausgeht, wie kann man dann helfen?

Nahrstedt: Da mache ich mir erst dann vertiefte Gedanken, wenn es soweit kommen sollte. Man muss dann sicherlich gucken, wie stärke ich die Fähren, wie entlaste ich die Bürger, z. B. bei Monatskarten. Wir tun da jetzt schon einiges. Im aktuellen Haushalt sind da 120 000 Euro eingestellt und wir haben gerade beschlossen, dass wir Haushaltsreste in Höhe von weiteren 30 000 Euro zusätzlich dafür einsetzen können, dass die Fährpreise bezahlbar bleiben.

Frage: Auch ohne das Dauerthema Brücke hat es die Gemeinde Amt Neuhaus schwer genug. Die Finanzlage ist desaströs und wird nicht besser. Kann der Landkreis seiner finanziell schwächsten Gemeinde beispringen?

Nahrstedt: Der Landkreis ist nicht in der Lage einzuspringen, das gibt unser Haushalt nicht her. Schulden dürfen wir nicht mehr machen, die Schlüsselzuweisungen sind gesunken, dazu kommen die gewaltigen Ausgaben für die Flüchtlinge. Da gehen wir derzeit von Ausgaben von gut 4,5 Millionen Euro an Eigenmitteln aus. Dennoch haben wir auch viel für die Gemeinden getan.

Frage: Was denn?

Nahrstedt: Die Kreisumlage ist um 1,5 Punkte auf jetzt 53 Prozent gesunken, das hilft vielen. Zudem geben wir zusätzlich 1,6 Millionen Euro für Kindertageseinrichtungen aus. Dazu kommt, dass viele Kosten des Hochwassers schlicht beim Landkreis hängen geblieben sind. Also, wir tun was wir können, aber grundsätzlich helfen können wir der klammen Gemeinde derzeit auch nicht.

Frage: Die mal angedachte Fusion mit Dahlenburg und Bleckede ist vor Jahren gescheitert. Sollte das Amt nicht einfach zu Mecklenburg zurückkehren.

Nahrstedt: Warum? Neuhaus hat jahrzehntelang zu Hannover gehört, zum Landkreis Lüneburg, das sind Niedersachsen. Ich hatte die Idee der Fusion auch charmant gefunden, sie ist am Widerstand der Bleckeder gescheitert. Für eine Neuauflage der Idee sehe ich derzeit keine Basis. Doch das Amt hat Entwicklungsmöglichkeiten. Und die sehe ich klar im touristischen Bereich.

Frage: Der Tourismus ist doch eher ein zartes Pflänzchen im Amt.

Nahrstedt: Die Frage ist doch: Wie bekomme ich Leute her, die hier Geld lassen und gern wiederkommen? Wir haben mit Konau das letzte Marschhufendorf in Deutschland, wir haben die Elbe, das Grüne Band, die Biosphäre und die Arche-Region, die Nähe zu Hamburg. Man muss aber auch deutlich sagen, dass hier noch viel mehr passieren muss. Wenn ich daran denke, wo Besucher im Amt Neuhaus übernachten können, da fällt mir nur wenig ein. Und Stiepelse und Neuhaus, wo es gut läuft, ist nicht überall.

Frage: Was können Sie als Landrat tun, damit der Tourismus floriert.

Nahrstedt: Ich kann mich gemeinsam mit den anderen Beteiligten um die Rahmenbedingungen kümmern. Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Hamburger Verkehrsverbund HVV mindestens bis nach Brahlstorf, dem Biosphärenbahnhof, kommt. Von dort aus können wir die Besucher problemlos ins Amt Neuhaus bringen.

Mitte Januar haben Landrat Rolf Christiansen und ich einen Gesprächstermin vereinbart, um gemeinsam zu schauen, was wir für die Region tun können.

Frage: Das wird aber alles Geld kosten?

Nahrstedt: Ganz sicher wird es das. Wir haben auf der anderen Elbseite es doch auch vor zehn Jahren hinbekommen, das der HVV bei uns fährt. Warum soll das nicht auch anderswo klappen? Schließlich gehören wir alle zur Metropolregion Hamburg. Über die Kosten muss man reden. Aus reiner Menschenliebe wird der HVV natürlich nicht herkommen. Andere Themen sind die Häfen, die Schifffahrt und die Vermarktung von Arche-Produkten (aus der Region für die Region) und auch die ehemalige Grenze.

Frage: Warum die frühere Grenze an der Elbe?

Nahrstedt: Diese Grenze hat die Region jahrzehntelang geprägt. Bis auf ein paar kümmerliche Reste haben wir den nachfolgenden Generationen aber nichts mehr zu zeigen. Wie wollen wir vermitteln, wie es einst aussah? Aber das muss auch gewollt sein. Das gilt es zu klären.

Frage: Wären Sie dafür, die Anlagen an ausgewählten Stellen neu zu bauen.

Nahrstedt: Zumindest muss man darüber nachdenken, ob man nicht an einigen Stellen etwas Realistisches zu zeigen hat. In Popelau -Konau kann ich mir so etwas rund um den noch vorhandenen Grenzturm vorstellen. Den müsste man begehbar gestalten, mit einer außen angebauten Treppe. Aber das ist nur eine Idee, die man zum Beispiel mit Drittmitteln angehen könnte.

Frage: Wo steht das Amt in einigen Jahren?

Nahrstedt: Das Amt wird künftig besser dastehen. Ich bin guter Hoffnung, dass beispielsweise nach dem Jahr 2019 Mittel aus dem Solidarpakt kommen könnten, auch die Möglichkeiten der neuen Förderperiode der EU müssen wir nutzen. Dazu werden wir gemeinsam mit MV das Grüne Band in Stützpunkten entwickeln. Wir werden viele Touristen und stabile Verbindungen über den Fluss bekommen, wenn wir unsere Chancen in Zukunft denn nutzen.

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