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Bauernverband tagt in Vielank : „Wir sind nicht die Dödel der Nation“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Versammlung des Bauernverbandes in Vielank von Diskussion um geplante Beitragserhöhungen geprägt

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Eigentlich haben die Bauern im Altkreis Ludwigslust schon genug Probleme am Hals. Trotz guter Erträge sind die Erzeugerpreise im Keller, die Milchbauern taumeln erneut am Rande des Ruins, die neue Förderperiode der EU verheißt neue Sorgen und Bürokratie. Und doch wurde die gestrige regionale Mitgliederversammlung des Bauernverbandes von einer internen Diskussion überlagert. Es geht um deutlich höhere Mitgliederbeiträge, die an den Landesverband abgeführt werden sollen. Und es geht um die Angst, dass viele Mitglieder dann kündigen werden. Dietrich Groth, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, sprach gestern auch von der Gefahr, dass der regionale Verband dann auseinanderfallen könnte.

Beim Bauernverband wird der Beitrag nach Flächen der Mitgliedsbetriebe und so genannten Großvieheinheiten berechnet. Bisher sind es zwei Euro pro Hektar, die Summe könnte nach den bisherigen Plänen um 50 Cent erhöht werden, landesweit. Klingt wenig, trifft die meisten Bauern aber schmerzhaft. Allein die gut 220 Mitglieder im Ludwigsluster Kreisverband bringen gut 60000 Hektar Fläche ein. Hintergrund der neuen Beitragspläne ist ein seit Monaten vorbereiteter Strategiewechsel beim Verband im Land. Stark und neu aufstellen wolle man sich, agieren statt reagieren, die Medienarbeit dramatisch verbessern, sich zur Wehr setzen gegen Anfeindungen z. B. aus dem Umweltverbänden. Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl, der gestern in Vielank vor 63 anwesenden Mitgliedern, die Pläne sehr ausführlich erläutern konnte, wurde drastischer. „Wir dürfen uns von denen, die keine Ahnung haben, nicht mehr vorschreiben lassen wie wir zu arbeiten haben, wie unsere Ställe aussehen müssen. Wir müssen uns zur Wehr setzen, wir sind nicht die Dödel der Nation.“ Die Umweltverbände wollten zurück ins 14. Jahrhundert. Der Bauernverband müsse und wolle dem entgegenwirken, das sei aber mit den jetzigen Strukturen nicht mehr möglich. Und das koste Geld.

Da waren aber viele Mitglieder des Bauernverbandes im Saal ganz anderer Meinung. Ein Bauer meinte, es wäre doch besser mehr Geld über mehr Mitglieder reinzuholen. Mit seiner derzeitigen Mitgliederzahl erreicht der Bauernverband derzeit gerade einmal 47 Prozent der möglichen Mitglieder. Roswitha Beu aus Lübtheen und Peter Guhl aus Vorderhagen forderten den Landesverband mehr oder weniger direkt auf, doch erst einmal die eigenen Sparpotentiale zu nutzen oder auf die eigenen Rücklagen zurückzugreifen. Am Ende wurde in dieser Frage nichts entschieden. Doch die Diskussion geht weiter, auch im Kreisverband. Jedes Mitglied wird nun noch einmal schriftlich informiert, am 20. März soll es eine erneute Mitgliederversammlung geben. Groth, selbst Mitglied im Landesvorstand, will mit einer klaren Aussage seiner Mitglieder vor den Landesverband treten. In der Vergangenheit hatten selbst kleinere Beitragserhöhungen zu Austritten geführt. Und selbst bei stabilen Beiträgen kehren die Mitglieder dem Verband oft genug den Rücken. So geschehen jüngst in Picher und Bresegard, wo Betriebe austraten, um Kosten zu sparen. Bilanz in 2014: neun Betriebe mit einer Fläche von 2031 Hektar traten aus dem Kreisbauernverband aus, 15 mit insgesamt 1817 Hektar kamen als neue Mitglieder nach einigem Werben hinzu.

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