Feuer nach Blitzeinschlag in Hagenow : „Wir heulen jeden Tag ein Mal“

Blitz, Feuer und Löschwasser haben den Boden und die mittlere Etage des Hauses komplett ruiniert.
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Blitz, Feuer und Löschwasser haben den Boden und die mittlere Etage des Hauses komplett ruiniert.

Die Geschichte hinter der Meldung: Hagenower Ehepaar über den Blitzeinschlag im eigenen Haus und die schlimmen Folgen.

svz.de von
29. Mai 2017, 06:00 Uhr

„Da braut sich etwas zusammen“, denkt Bernd Paetow noch an jenem Abend, der sein Leben und das seiner Frau ändert. Es ist Donnerstagabend und morgen sollen die Enkelkinder zu Besuch kommen. Endlich! Sie sind das Ein und Alles des Senioren-Paares in der Schweriner Straße in Hagenow. Doch dann passiert etwas, das nicht viele Menschen in der Region erleiden müssen - ein Blitzeinschlag ins eigene Haus (SVZ berichtete). Was jedoch für eine Geschichte hinter der Meldung steckt, wollen wir Ihnen mit Hilfe der Paetows gern beschreiben.

Bernd Paetow und seine Frau sitzen an diesem Abend wie so oft in ihrem Wintergarten mit Blick Richtung Wasserturm. Erst ein Jahr alt ist das Konstrukt aus Glas und Metall, das direkt an die Hauswand des Eigenheimes gebaut ist.

Ulrike Paetow ist unruhig, anders als bei anderen Gewittern. Sie fühlt sich unwohl, schaut immer wieder nach draußen. Es donnert und regnet. Blitze können beide nicht erkennen. Doch wie aus dem Nichts gibt es urplötzlich einen ohrenbetäubenden Knall, beschreibt Ulrike Paetow und hält sich demonstrativ noch einmal beide Hände über die Ohren. „Das war unvorstellbar laut. Wir waren in Schockstarre. Mein Mann sagte noch, dass das wohl bei uns war.“

Beinahe im selben Moment sehen beide schon wie die Nachbarn die Fenster öffnen und ihnen zurufen: „Bei euch brennt es!“ Tatsächlich - ein Kugelblitz hat in den Dachstuhl des Hauses eingeschlagen. Bernd Paetow hat gerade die Blumen gegossen und die Kanne noch in der Hand. Wie benebelt rennt er die Treppen hoch und will löschen. „Das war natürlich totaler Quatsch. Die Flammen schlugen mir bereits entgegen“, so Paetow.

Bernd Paetow an der Stelle des Hauses, an der der Kugelblitz einschlug.
Foto: Mario Kuska
Bernd Paetow an der Stelle des Hauses, an der der Kugelblitz einschlug.
 

Der Anruf bei der Feuerwehr war ein paar Momente lang nicht möglich. Nachbarn hatten bereits zum Hörer gegriffen und Alarm geschlagen. „Schön, dass die Helfer so schnell da waren. Trotzdem kommt einem das natürlich vor wie eine Ewigkeit, wenn man an seinem brennenden Haus steht“, sagt Ulrike Paetow. Ihr Mann hatte sie nach draußen gebracht. Er selbst steht in Socken und Unterhemd vor dem flammenden Inferno. Mehr als 20 Feuerwehrleute gehen jetzt zum Löschangriff über. Wassermassen dringen in den Dachstuhl. Was das Feuer nicht ruiniert hat, erledigt jetzt das Wasser. So viele Wertsachen und Erinnerungsstücke sind auf einen Schlag weg. „Wir heulen jeden Tag ein Mal“, sagt Bernd Paetow. „Als der Schock nach ein paar Tagen weg war, haben wir realisiert, was da alles passiert ist - unvorstellbar für viele. Aber ohne Wasser kann man eben nicht löschen. Und wir sind sehr dankbar, dass die Feuerwehr so schnell hier war und uns geholfen hat. So dankbar, dass wir bei den Kameraden direkt in ihre Kasse gespendet haben“, sagt Ulrike Paetow. Es sei ja bei freiwilligen Feuerwehrleuten nicht selbstverständlich, dass sie so engagiert zu Werke gehen.

Oben im Dachstuhl kämpft Bernd Paetow mit den Tränen. Nichts als Ruß und Brandrückstände. Wo einst die Weihnachtssachen lagerten, ist nichts zu sehen außer pechschwarzen Balken und Dämmmatten. Nur geschmolzene Glaskugeln deuten daraufhin, was hier feinsäuberlich gestapelt war.

„Der Boden ist abgebrannt und die zweite Etage, mit Schlafzimmer und Kinderzimmer für die Enkel, ist vom Wasser überflutet worden. Es ist einfach traurig“, sagt Paetow mit einem dicken Kloß im Hals. Seine Frau hofft, dass mit Hilfe der Versicherung und der vielen fleißigen Helfer an Weihnachten alles wieder bewohnbar ist. Aber das stehe noch in den Sternen.

„In erster Linie sind wir froh, dass wir hier heil heraus gekommen sind. Wer überlebt schon einen Blitzschlag. Nicht auszudenken, wenn ich als Gehbehinderte im Schlaf erwischt worden wäre und es gebrannt hätte. Ein bisschen Glück war bei all dem Pech eben auch dabei.“

Und Glück ist auch, wenn man so tolle Nachbarn hat. Jeder bot dem Ehepaar einen Schlafplatz an. Doch die Beiden zogen es vor bei den Eltern von Bernd Paetow zu übernachten. Ein Nachbar fuhr beide, die nachts noch unter Schock standen.

Wie es von der Kripo und der Polizei hieß, hätte auch ein Blitzableiter, der hierzulande nicht vorgeschrieben ist, das Ehepaar nicht vor dem Unglück gerettet. Das Eigenheim war vorschriftsmäßig geerdet. Und die Versicherung kommt für den Schaden auf. 100000 Euro hieß es in der ersten Polizeimeldung.

Bis das Haus allerdings wieder ein komplett neues Dach hat, neu eingezogene Decken, Strom- und andere Leitungen wird noch etwas Zeit ins Land gehen. Erst einmal sind viele Dinge nur Notbehelf. „Aber wir sind froh, dass so viele uns unterstützen“, so Bernd Paetow.

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