Lebensretter aus Neuhaus : „Wir hätten gern mehr Patricks“

Mit einer Urkunde wurde Patrick Schulz (r.) mit DRK-Chefin Sabrina Weinmann von Landrat Manfred Nahrstedt für sein Ehrenamt ausgezeichnet.
Mit einer Urkunde wurde Patrick Schulz (r.) mit DRK-Chefin Sabrina Weinmann von Landrat Manfred Nahrstedt für sein Ehrenamt ausgezeichnet.

Jugendlicher engagiert sich für den Katastrophenschutz des DRK und rettet einem Menschen bei einem Badeunfall das Leben

svz.de von
09. Januar 2018, 12:00 Uhr

Unvergessen ist für Patrick Schulz der schreckliche Unfall an einem heißen Spätsommertag 2016 am Neuhauser Badesee: „Ich war gemeinsam mit zwei Kumpels im Wasser, als Jakob dazu kam und mit einem Köpper reinsprang“, erzählt der 17-jährige Patrick, „Erst dachten wir, Jakob taucht, denn er kam gar nicht mehr hoch. Als wir angefangen haben, ihn zu suchen, hat Jakob laut um Hilfe geschrien.“

Den drei Jugendlichen ist sofort klar, dass sie etwas unternehmen müssen. „Ich hatte gar keine Angst, sondern das war Adrenalin pur“, erinnert sich Patrick, „Einfach machen, dachte ich, ich hatte einen richtigen Tunnelblick: Jakob muss unbedingt ans Ufer, um zu überleben, sonst wäre er ertrunken.“ Zunächst versuchen sie Jakob an Kopf und Füßen aus dem Wasser zu ziehen. Damit es schneller geht, nimmt Patrick den damals Dreizehnjährigen auf die Arme und trägt ihn ans rettende Ufer. Zum Glück engagiert sich Patrick für das DRK in Neuhaus und weiß genau, was in einem solchen Moment zu tun ist. „Wir haben Jakob in die stabile Seitenlage gebracht, falls er Wasser geschluckt hat. Zwei Mütter haben Sonnenschirme aufgebaut, und weil es so heiß war, haben wir ihn mit Handtüchern abgedeckt.“ Dann heißt es warten auf den Rettungswagen, „Das war nervenaufreibend, weil die Zentrale nicht verstanden hat, wo wir sind“, beklagt Patrick, der gemeinsam mit seinen Kumpels auch noch einen großen Stein aus der Zufahrt räumen muss, damit der Krankenwagen direkt an die Unfallstelle heranfahren kann.

 

„Wir hätten gerne mehr Patricks im Team“, schwärmt DRK-Chefin Sabrina Weinmann, „Patrick packt echt an und ist immer dabei. Er hat in der kurzen Zeit, in der er bei uns ist, wirklich viel geleistet. Zwar sind wir mittlerweile zwischen 18 und 20 Menschen in unserer Bereitschaft, aber so junge Leute wie Patrick könnten wir noch gebrauchen.“ Ein Grund mehr für den DRK-Ortsverein, den Schüler der 10. Klasse der Neuhauser Oberschule zur Auszeichnung am Tag der Ehrenamtlichen des Landkreises vorzuschlagen. Auch Landrat Manfred Nahrstedt zeigt sich von Patrick beeindruckt: „Sie wirken sehr motivierend und bringen sich mit Ihrer fröhlichen und aufgeschlossenen Art tatkräftig mit ein. Mit gerade mal 17 Jahren haben Sie bereits an die 15 Erste-Hilfe-Kurse besucht und als Ausbildungshelfer betreut. Ihr fachliches Wissen haben Sie im letzten Sommer unter Beweis gestellt und etwas ganz Besonderes geleistet: Sie haben einem anderen Menschen das Leben gerettet. Machen Sie bitte weiter so und motivieren Sie auch andere junge Menschen dazu, sich zu engagieren.“

Patrick hat die Feierstunde Anfang Dezember gut gefallen: „Das war interessant zu sehen, wo man sich überall engagieren kann. Und mein Vater meinte, ich hätte den längsten und kräftigsten Applaus bekommen. Das habe ich selbst gar nicht so gemerkt.“ Durch Zufall ist Patrick vor zwei Jahren zum DRK gekommen, indem er einfach einen Freund zu einem Gruppentreffen begleitet hat. Seitdem ist Patrick festes Mitglied der Gruppe, bei vielen Einsätzen dabei gewesen und bildet sich immer weiter fort. „Ich mag das Team und das menschliche Zusammensein, die Ausrüstung ist faszinierend und helfen zu können ist natürlich eine gute Sache“, findet Patrick gerade auch nach dem Badeunfall, „Dieses Erlebnis hat zu mir gesagt: Mach das weiter!“ Dass auch ein Beruf aus seinem ehrenamtlichen Engagement werden könnte, möchte Patrick nicht ausschließen: „Erst einmal möchte ich Zimmermann lernen. Die Lehrstelle muss natürlich in der Nähe sein, damit es beim DRK weitergehen kann. Und dann mal sehen.“

Sabrina Weinmann weiß, womit sie Patrick locken kann, vielleicht auch beruflich beim DRK weiterzumachen: „Es gibt die Lkw für den Sanitätsdienst, die als Sondereinheiten für große Einsätze gebraucht werden und sehr viel Technik an Bord haben. Patrick mag diese Fahrzeuge sehr. Schließlich kommt er als einziger ohne Tritt an die obersten Schubladen ran. Wenn so ein Gerätewagen vorfährt, bekommt Patrick strahlende Augen.“

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