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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 05:38 Uhr

"Wir haben verdientes Glück gehabt"

vom

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erstellt am 19.Jun.2013 | 08:56 Uhr

Boizenburg | "Wir haben unwahrscheinliches Glück gehabt, andere hingegen riesiges Pech." So lautet kurz und knapp das Resümee des Bürgermeisters nach 14 kritischen Tagen. Boizenburg konnte einmal mehr erfolgreich eine Jahrhundertflut abwehren. Zum vierten Mal herrschte nach 2002, 2006 und 2011 Katastrophenalarm, in diesem Jahr galt dieser in der Zeit vom 4. bis zum 17. Juni. "Zum vierten Mal standen hier die Menschen auf eine unglaublich beeindruckende Weise zusammen und kämpften aufopferungsvoll gegen die drohende Flut", sagte Harald Jäschke gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit Erfolg, das Glück ist verdient.

815 Zentimeter lautete anfangs die Prognose für den Höchststand des Hochwasser am Pegel in Boizenburg. 125 mehr, als im Januar 2011, wo die Deiche 690 Zentimetern trotzten. Mehr als acht Meter wären zu viel gewesen. Um ein mögliches Überlaufen zu verhindern erfolgte eine so genannte Aufkadung der Hochwasserschutzanlagen. Auf einer Länge von etwa elf Kilometern erhöhten freiwillige Helfer zeitweilig die Deichkronen um 30 Zentimeter. Es brauchte einen enormen Kraftakt, die dafür benötigten rund 350 000 Sandsäcke zu füllen und zu verbauen.

Am 12. Juni erreichte die Scheitelwelle Boizenburg. Dass der Pegel da "nur" 732 Zentimeter anzeigte, resultierte auch von den Deichbrüchen bei den Oberliegern, wie bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt sowie von der erfolgreichen Havelpolderflutung. Dass die Stadt trocken blieb, war, ist und bleibt dem Leiter des Hochwasserabwehrstabes als ein Erfolg ganz vieler Väter und Mütter in bester Erinnerung. "Jeder hat sich da auf seine Art eingebracht", sagte Harald Jäschke. Als Beispiele einer sehr erfreulich langen Liste nannte er 250 freiwillige Feuerwehrleute aus der Stadt und dem Amtsbereich, die bis zu 200 Soldaten der Patenkompanie aus Hagenow und der Flugabwehrraketengruppe 24 aus Bad Sülze sowie die Kräfte von THW und Polizei, die Seite an Seite mit ziviler Unterstützung in den Kieskuhlen und an den Deichanlagen alles gaben. ASB und DRK kümmerten sich um die medizinische Betreuung und Verpflegung, die u.a. Wesergold aus Dodow, der Sky-Markt am Bahnhof, der Erdbeerhof Glantz in Hohen Wischendorf sowie die Mecklenburger Backstuben bereicherten. Beim Sandschippen in sengender Hitze brachten Base-Caps und Arbeitshandschuhe von Mewa aus Lauenburg ein wenig Erleichterung.

Das Hochwasser 2013 ist vorüber. Langsam, aber sicher kehrt der normale Alltag wieder in die Stadt zurück. Harald Jäschke ist sich absolut sicher, nicht zum letzten Mal vor so einer Herausforderung gestanden zu haben. "Die nächste Jahrhundertflut kommt bestimmt. Ich meine, dass es eine bundesweite Lösung braucht", erklärte er. Vor Ort möchte er die Kommunikation zwischen Stadt, Amt und Landkreis verbessern, wobei er als persönliche Erfahrung vor allem auch umfangreichere und schnellere Informationen für die Bürger mit einbezieht.

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