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Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 21:35 Uhr

Hagenow : „Wir fahren sehr gerne langsam“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Yvonne und Marko Schomann haben nun die Verantwortung für die Traditions-Fuhrunternehmen „Wilck“ übernommen

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Es gibt die unauffälligen, bescheidenen Unternehmen, die kaum sichtbar sind, deren Mitarbeiter dennoch täglich Großes leisten. Der Taxibetrieb Wilck ist so eine Firma. Werbeschilder gibt es so gut wie nicht, und richtige Taxis, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, gibt es im Moment auch nur zwei. Das liegt daran, dass die fast 20 Fahrer tagtäglich Schüler und Behinderte von den Wohnorten zu den Schulen oder Kindergärten fahren und auch wieder abholen. Die Kleinbusse sind mit Absicht unauffällig gehalten, und sie sind langsam aber auch sehr sicher auf den Straßen der Region unterwegs.“ Darauf ist Marko Schomann (39) auch besonders stolz. Der junge Mann, der auch mal als Drucker gearbeitet hat, führt zusammen mit seiner Frau Yvonne Schomann (39) seit kurzem das Unternehmen. „Für uns steht Sicherheit mit Blick auf unsere Fahrgäste wirklich an erster Stelle. Da nehmen wir auch gern in Kauf, dass wir auf den Straßen auch mal angehupt werden.“

Es ist die Geschichte einer reibungslosen Firmenübernahme, die über Jahre vorbereitet und jetzt vor wenigen Wochen vollzogen wurde.“ Beide Schomanns übernahmen die Geschicke des Fuhrbetriebes aus den Händen Wilfried Wilck (65) und seiner Frau Edith, es sind die Eltern von Yvonne Schomann. Doch lange Zeit war überhaupt nicht klar, dass die Tochter mal den elterlichen Betrieb mit ihrem Mann übernehmen würde: Denn die gelernte Bürokauffrau war lange das, was man eine Pendlerin nennt. Ihr früherer Arbeitsplatz war in Hamburg City bei einem großen Einzelhandelsunternehmen. Doch die Heimat zog, zumal Yvonne Schomann lange Autofahrten eigentlich nicht mag. Und zusammen mit Ehemann Marko reifte dann die Idee, die Verantwortung für das elterliche Unternehmen zu übernehmen. Marko selbst stieg vor mehr als sechs Jahren ein. „Jetzt kann ich wirklich sagen, dass wir wissen, worauf wir uns einlassen. Wir beide kennen das Geschäft, die Risiken, wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter und wir sehen eine Perspektive.“

Dabei hängt das Wohl und Wehe entscheidend an den Beförderungsverträgen, die beispielsweise mit dem Landkreis abgeschlossen werden. Pünktlichkeit, saubere und sichere Autos und eine verantwortungsvolle Fahrweise gehören nicht umsonst zu den Fundamenten der Firma. Die stützt sich nicht zuletzt auf erfahrene Kollegen, die in den meisten Fällen nicht als Vollzeitkräfte beschäftigt sind, sondern eher verlässliche Nebenverdienste suchen.

Vater und Firmengründer Wilfried Wilck ist nicht nur in der Trecker- und Oldtimerszene der Region bekannt wie ein bunter Hund. Und Wilck war schon zu DDR-Zeiten einer der wenigen, die auf Selbständigkeit setzten. Seit 1981 habe er darauf gewartet, erinnert er sich. Doch der Staat wollte damals nicht so recht, erst am 6. Dezember 1986 konnte er nach Genehmigung des Rates des Kreises sein Gewerbe anmelden. Der Leitspruch „Wir fahren immer“ galt dann auch in den kommenden Jahren. Zunächst war der reine Taxibetrieb natürlich der Umsatzbringer, weil Taxen damals selten waren, zumal im ländlichen Bereich. Jetzt, da die Bevölkerung im wesentlichen motorisiert ist und die Kosten von Taxi-Fahrten meist scheut, hat sich das Geschäft gewandelt. Das reine und recht kleine Taxigeschäft lebt ganz wesentlich von Dauerkunden, z. B. Dialysepatienten, die regelmäßig zur Klinik gefahren werden müssen. Die Kosten dafür tragen die Kassen. Edith und Wilfried Wilck sind derweil froh, ihr Lebenswerk in guten Händen zu wissen.

Wilfried Wilck hingegen will nicht die Hände in den Schoß legen, hin- und wieder will er auch noch am Steuer sitzen, während die Verantwortung nun bei Tochter- und Schwiegersohn liegt.

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