zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

17. Oktober 2017 | 07:46 Uhr

Picher : Windkraftpläne leben wieder auf

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ein Energieunternehmen will ein neues Naturschutzgutachten erstellen lassen. Die Gemeindevertretung offen gegenüber einer Zusammenarbeit.

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Der Plan war eigentlich schon gestorben. Ein Naturschutzgutachten hatte die Träume einiger Energieunternehmen zerstört – aber eben nicht aller. Und darum kommt neuer Schwung  in die Diskussion um Windräder auf dem Gebiet der Gemeinde Picher. Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend waren die Windkraftanlagen das bestimmende Thema. Bürgermeister Detlef Christ hatte dazu Rico Grambow von der VSB Holding GmbH eingeladen, einem Unternehmen, das sich auf Windkraft spezialisiert hat.

„Wir wollen die Gemeindeflächen für einen Windpark nutzen. Es geht um vier Windräder, die hier Platz hätten“, so Grambow. Allerdings gebe es ein nicht unerhebliches Problem. In dem potenziellen Windenergiegebiet siedeln laut Naturschutzgutachten Schwarzstörche. „Im Moment ist deshalb der Bau von Windrädern dort nicht möglich. Wir wollen das Schwarzstorchaufkommen allerdings noch einmal überprüfen und hinterfragen lassen.“ Die Gemeinde müsse es aber auch wollen.

Und da es um viel Geld geht, das die Gemeinde allein durch die Verpachtung der Flächen einnehmen könnte, scheint sie  nicht abgeneigt. „Es wäre jährlich schon eine stattliche Summe“, sagte uns Bürgermeister Christ. Klar sei auch, dass ein Windpark die finanziellen Sorgen der Gemeinde schmälern würde. „Besonders gut geht es uns nämlich nicht. Der große Knackpunkt ist aber das Naturschutzgutachten.“ Andere kleinere Hürden könnten dagegen schnell aus dem Weg geräumt werden.

Eine davon ist eine Beschlussfassung der Gemeindevertreter aus dem vergangenen Jahr. „Wir beschäftigen uns mit der Windenergie seit mehreren Jahren. Viele Unternehmen waren schon bei uns, unter anderem die Wemag“, erzählt Bürgermeister Christ. Auch sie habe sich für die Gemeindefläche im Ortsteil Jasnitz interessiert. Das wiederum ließ die Gemeinde Warlow, deren Gebiet an das von Picher grenzt, hellhörig werden. Man habe sich zusammengefunden und in den beiden Gemeinden den Beschluss gefasst, dass Picher und Warlow, wenn es um Windkraft geht, mit der Wemag zusammenarbeiten. „Der Beschluss würde nun aber aufgehoben werden“, so Christ. Unterschrieben habe man noch nichts.

Darauf drängt auch Rico Grambow während der Gemeindevertretersitzung. „Das ist ein hinderlicher Grund für uns. Der Beschluss müsste gekippt werden, damit  die Gemeinde mit der VSB verhandeln kann.“ Anders ginge es nicht. Und er versicherte den Gemeindevertretern, dass Picher kein finanzielles Risiko habe. „Hier waren bestimmt schon zehn  Leute von Windenergiebetrieben, die uns irgendwas erzählt haben“, so Candy Krenz.

„Alle außer Ihrer Firma sind wegen der Naturschutzbestimmungen ausgestiegen“, warf Bürgermeister Christ ein. „Die VSB ist das einzige Unternehmen, das noch mit uns spricht.“ Auch von der Wemag habe die Gemeinde monatelang nichts gehört. Und laut VSB sei  Warlow im Moment nicht interessiert.

„Das Gebiet hat von uns grünes Licht für eine Analyse bekommen. Wenn die Gemeinde zustimmt, gibt es definitiv Ende nächsten Jahres Bescheid, ob ein Bau möglich ist oder nicht“, so Grambow. Solange würde es dauern, ein weiteres Naturschutzgutachten einzuholen und zu beobachten, ob die Schwarzstörche auch wirklich noch da wären.

Dass die Gemeinde das Geld will, sei klar, meinte Volker Köhn. „Aber wir müssen auch fragen, was wir für die Einwohner tun können.“ Und auch bei diesem Thema zeigte sich Rico Grambow großzügig. „Ich sehe das Ganze mehr als Partnerschaft und nicht als Vertragsverhältnis.“ Man könne natürlich auch über Vergünstigungen beim Strompreis für Anwohner reden. Vier Cent pro Kilowattstunde stünden laut Bürgermeister in den ersten fünf Jahren zur Debatte. „Die Bürger müssen spüren, dass es ihnen was Gutes bringt“, so Christ.

Kommentar von Robert Lehmann: Fast zu gut, um wahr zu sein
Wie verzweifelt müssen die Energieunternehmen eigentlich sein? Anders ist der Auftritt der VSB in Picher kaum zu erklären. Da werden Flächen ins Visier genommen, die aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht geeignet sind. Geld für ein neues Gutachten? Kein Problem! Finanzielles Risiko für die Gemeinde? Gibt es nicht! Und was haben die Einwohner davon? Sie bekommen natürlich günstige Strompreise angeboten. Dafür müssen sie „nur“ in Kauf nehmen, dass vier gut 200 Meter hohe Windräder in der Gemeinde stehen. Das klingt doch alles schon fast zu gut, um wahr zu sein. Auf jeden Fall macht es eines deutlich: Der Profit für die Unternehmen muss enorm sein. Und wer sorgt für diesen? Wir alle mit der Stromrechnung.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen