Jäger aus Leisterförde beunruhigt : Wilderer mit illegalen Waffen unterwegs

Zur Strecke gebracht und liegengelassen: Ein 50 Kilo schweres Rotwildkalb privat
Zur Strecke gebracht und liegengelassen: Ein 50 Kilo schweres Rotwildkalb privat

Wilderei in Pritzierer Wiesen: Jäger aus Leisterförde ist beunruhigt, nachdem jetzt ein erlegtes Rotwildkalb in seinem Revier gefunden wurde. Die Polizei ermittelt.

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13. September 2012, 09:30 Uhr

Leisterförde/Pritzier | Ärger im Revier: Weil Wilderer vermehrt zuschlagen, sind Jäger beunruhigt. Erst jetzt haben sie wieder blutige Spuren hinterlassen - in der Nacht zu Montag im Jagdrevier von Falko Steinberg aus Leisterförde. Ein 50 Kilogramm schweres Rotwildkalb liegt in den Pritzierer Wiesen. Erst erlegt, dann im Dunkeln nicht mehr gefunden, vermutet Steinberg. Ein glatter Durchschuss hat das begehrte Tier zur Strecke gebracht. Für zwei Jäger Grund genug, 1000 Euro Belohnung für Hinweise auszusetzen, die zu den Tätern führen, und Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Die ermittelt bereits erfolgreich in einem ähnlichen Fall, in dem auch illegale selbst gebaute Waffen im Spiel waren.

"Das ist nur die Spitze des Eisberges", sagt Falko Steinberg. "Jetzt haben wir endlich einen handfesten Beweis." Schon länger deute vieles auf das Treiben der Wilddiebe in der Region hin. Erst kürzlich seien Felle und Köpfe von Damwild im Raum Schwechow gefunden worden. Im Revier Gößlow habe man des nachts vermehrt Schüsse gehört und unbekannte Fahrzeuge mit Scheinwerfern vernommen.

"Ich bin beunruhigt, dass die Wilderei während der Nacht weitergeht", sagt Falko Steinberg. Dabei gehe es nicht vordergründig um den finanziellen Schaden. Etwa 120 Euro hätte das Fleisch des Rotwildkalbes auf dem Markt gebracht. Viel schlimmer sei die Unruhe im "gehegten und gepflegten Revier". Schließlich würde der Wildbestand streng durch behördliche Abschusspläne reguliert.

Falko Steinberg vermutet Kalkül hinter der Sache. "Solche Leute schießen meist nicht nur für sich, sondern verkaufen das Fleisch." Wer solches angeboten bekommt, könne es leicht erkennen und gegebenenfalls Hinweise zu den Tätern geben, so Steinberg. "Jedes Stück Wild erhält eine gelbe Ursprungsmarke mit Ursprungsschein", erklärt er. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. "Wenn beides nicht dabei ist, wachsam sein", rät Falko Steinberg. Ebenso begehrt seien Köpfe und Felle als Trophäen.

Ein Problem, das dem Kreisjagdverband Ludwigslust bekannt ist. Vor allem in den letzten zwei Jahren sei es vermehrt zu solchen Vorfällen in der Region gekommen, sagt Verbandsvorsitzender Wilfried Röpert. "Ich befürchte sogar, dass illegale Waffen mit im Spiel sind." Das bestätigt Uwe Simon, Leiter der Kripo Hagenow. Erst Anfang des Jahres sei eine selbst gebaute, abschussfähige Jagdwaffe im Landkreis beschlagnahmt worden. Zwei Tatverdächtige seien im Visier der Beamten. Je nach Ausmaß der Wilderei erwarte die Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, so Simon.

Um in Fällen wie von Jäger Falko Steinberg erfolgreich ermitteln zu können, bitten die Beamten um Mithilfe von Bürgern. Wer etwas Auffälliges beobachtet, wie Schüsse, Autos mit großen Scheinwerfern oder Restspuren von Wild, melde sich bitte in den Polizeirevieren Hagenow und Boizenburg. Auch wer illegales Fleisch angeboten bekommt. Um die Menschen für dieses Problem zu sensibilisieren, greift der Jagdverband das Thema auf den Landeswildtagen am 22. und 23. September in Ludwigslust auf.

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