Unfallbilanz Ludwigslust-Parchim : Wild wird zur größten Gefahr

Viele Wildunfälle könnten durch Wildzäune vermieden werden, heißt es von der Landesverkehrswacht.
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Viele Wildunfälle könnten durch Wildzäune vermieden werden, heißt es von der Landesverkehrswacht.

Polizei schlägt Alarm: In vielen Regionen machen Zusammenstöße mit Wild 50 Prozent aller Unfälle aus. Landesverkehrswacht fordert jetzt Wildzäune.

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26. April 2017, 05:00 Uhr

 

Die größte Gefahr für den Straßenverkehr in unserer Region lauert im Wald und auf dem Feld. Denn die Zahl der Wildunfälle steigt und steigt. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei einen Zuwachs von 20 Prozent. Damit hatten 41,2 Prozent aller Unfälle mit Wild zu tun. Und diese Tendenz setzt sich in diesem Jahr weiter fort. Nicht nur die Polizei will mit der Jagdbehörde und anderen Verantwortlichen über neue Maßnahmen reden. Hans-Joachim Hacker, der Präsident der Landesverkehrswacht, forderte gestern angesichts der Zahlen den schnellen Bau von Wildzäunen. Zumindest an Schwerpunktstrecken müsse das möglich sein, nicht nur an Autobahnen. Hier gehe es um Leben und Gesundheit der Menschen.

Hans-Joachim Hacker (SPD)
Hans-Joachim Hacker (SPD)

Im vergangenen Jahr gab es bei Wildunfällen 34 Verletzte, drei davon erlitten schwere Verletzungen.

An sehr hohe Zahlen von Wildunfällen ist die Polizei seit Jahren gewöhnt, doch die Dynamik der jüngsten Zahlen hat selbst die Experten überrascht. Eine Zunahme auf 3226 Unfälle im Jahr sei doch außergewöhnlich, erklärte Polizeidirektor Hans-Peter Günzel, Chef der Polizeiinspektion Ludwigslust, im gestrigen Pressegespräch. Er könne bestätigen, dass sich die Tendenz zu steigenden Wildunfällen in den ersten Monaten dieses Jahres noch mehr verstärkt habe. „Dieses Thema bereitet uns derzeit richtig Probleme. Wir werden die Zahlen zum Anlass nehmen, mit allen Beteiligten nach Lösungen zu suchen.“

Gemeint ist damit auch und vor allem die Untere Jagdbehörde des Kreises. Deren Chef, Christopher Pöschke, gab sich überrascht ob der Entwicklung. Die ihm vorliegenden Zahlen würden eher das Gegenteil aussagen. Wenn die Polizei aber neue Zahlen habe, so sei seine Behörde natürlich gesprächsbereit. Wenn etwas getan werden könne, um die Situation zu entschärfen, dann werde man das tun. Es sei aber in jedem Fall nicht so, dass die Jäger zu wenig Abschüsse hätten.

Es gibt bei den Wildunfällen große regionale Unterschiede. In den Regionen Sternberg, Plau und Boizenburg lag der Anteil dieser Unfälle sogar bei 50 Prozent. Am wildesten ging es auf der B 321 zwischen Viez und Bandenitz zu, dort gab es 30 Wildunfälle, das sind acht pro Kilometer. Nicht viel besser sah es an der B 5 nahe Kremmin oder Horst aus.

Doch auch auf den vermeintlich sicheren Autobahnen krachte es zwischen Autofahrern und Wild am laufenden Band. Im Bereich des zuständigen Stolper Reviers gab es 217 Unfälle, 17 mehr als im vergangenen Jahr.

Für Fachleute wie den Polizeihauptkommissar Ulf Znoyek kein Wunder. Denn Wildzäune gibt es im Mecklenburger Teil an der A 24 immer nur stückchenweise. Auf gut 55 Kilometern gibt es gar keinen Wildzaun. Das sieht im nahen Schleswig-Holstein schon ganz anders aus.

Die Ursachen für das Problem sieht man bei der Polizei vielfältig. So reichten Bäume und Bewuchs oft bis dicht an die Straßen heran. Ein Problem seien auch die großen Maisschläge. Die würden zum einen den Tieren erst Unterschlupf und Nahrung bieten. Dann würden sie radikal abgeerntet und die Schläge umgebrochen. Dann finde das Wild keine Nahrung mehr und komme in Bewegung. Eigentlich, so Polizeichef Günzel, müsste man das Wild direkt an der Straße jagen, um es zu vergrämen. Doch das sei gefährlich und gar nicht so einfach. Günzel ist selbst Jäger. Man werde auch mit der Jagdbehörde sprechen müssen, ob die Zahlen zum Thema Wild im Kreis denn stimmig wären. Schnelle Lösungen wird es bei dem Thema jedoch nicht geben.

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