Besitz : Wild West beim Viehtrieb

Ein unglaubliches Spektakel für Reiter und Pferd: Das Zusammentreiben der Herde.
Ein unglaubliches Spektakel für Reiter und Pferd: Das Zusammentreiben der Herde.

Zehn Reiter trieben Tiere eines Landwirtschaftsbetriebes artgerecht und ohne großen Stress von den Weiden

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17. April 2018, 05:00 Uhr

Ein Hauch von Wild-West-Romantik und Cowboy-Feeling, und das mitten im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Genau genommen in der Gemeinde Besitz, in der Tanja Köhler gemeinsam mit ihrem Mann Norbert nach dem Wegzug aus dem baden-württembergischen Tübingen vor vier Jahren ihre neue Heimat gefunden hat. Direkt vor ihrem Haus in der Besitzer Kurt-Bürger-Straße, in der die 47-Jährige unter anderem die Pferdepension „Kastanienhof“ betreibt, parkten am vergangenen Sonntag eine ganze Reihe von Geländewagen samt Trailer, die zum Teil schon Tags zuvor Pferde von befreundeten Reitern auf das weitläufige Areal des „Kastanienhofes“ transportierten. „Wir wollen heute gemeinschaftlich etwa achtzig Rinder des Landwirtschaftsbetriebes MAM Nord von ihrem Winterquartier hier in Besitz in das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe nach Blücher umtreiben“, berichtet Tanja Köhler im Gespräch mit der SVZ.

„Ursprünglich wurden unsere Tiere mit Traktoren auf dem etwa achtzig Hektar großen Gelände zusammengetrieben und anschließend zu sechst und siebt auf Wagen verladen“, erinnert sich Toralf Pfohl, Geschäftsführer der MAM in Besitz. Das habe viele Stunden in Anspruch genommen, zudem sei es für die Tiere eine außerordentliche Stresssituation gewesen. „Die Idee für diesen Viehumtrieb ist durch das Kennenlernen von Oliver Kraft aus Gülzow aus der Nähe von Geesthacht entstanden“, erinnert sich Tanja Köhler an die Anfänge vor zwei Jahren. Der 47-jährige selbstständige Trainer für Ranch- und Westernpferde reitet von Kindesbeinen an und hilft schon seit vielen Jahren Landwirten bei der Rinderarbeit auf Naturschutzgebieten. „Dazu gehört unter anderem auch das Zusammentreiben der Rinder für anstehende Blutuntersuchungen oder das Einsetzen der Ohrmarken für die Kälber“, erzählt uns Oliver Kraft, bevor der Pferdetrainer bei strömendem Regen das zehnköpfige Reiterteam noch einmal kurz vor dem Umtrieb einweist. Aber auch Gewöhnungskurse für Pferde, um ihre natürliche Angst vor Rindern zu verlieren, sowie die Schulung von Vielseitigkeits- und Freizeitreitern gehöre zu den Hauptbeschäftigungsfeldern des Pferdetrainers.

„Die besondere Schwierigkeit beim heutigen Umtrieb der beiden Rinderherden besteht darin, dass sich schon im vergangenen Jahr eine Milchkuh schwimmender Weise durch die Sude zu den Rindern gesellt hat und sich seitdem dort sehr wohl fühlt. Vielleicht fand sie ja den Bullen so toll“, sagt Tanja Köhler schmunzelnd. Ganze vier Versuche hat es am vergangenen Sonntag bedurft, bis die einzelne Milchkuh gemeinsam mit den Rindern zusammengetrieben und schließlich von Toralf Pfohl auf dem bereitgestellten Anhänger verladen werden konnte. „So, jetzt ist sie vorbei die Love-Story von Romeo und Julia“, sagt Tanja Köhler erleichtert auf ihrem Pferd sitzend. Nun stand der planmäßigen Umsiedlung der 80-köpfigen Rinderherde nichts mehr im Weg. Ein atemberaubendes Spektakel für Reiter und Pferd, das von einigen neugierigen Zaungästen mit Staunen und großer Freude beobachtet und fotografiert wurde.

 

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