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Aquaponik in Boizenburg : Wie Fisch für leckere Erdbeeren sorgt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Karpfen in Aquakultur liefern den Dünger für Pflanzen in Hydrokultur - Familie Winkler willl in Boizenburg ein neues Geschäft aufbauen

von
erstellt am 22.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Fischzucht und erdfreie Pflanzenzucht in einem fest geschlossenen Kreislauf, bio und kostenbewusst, so lässt sich die Idee des Aquaponik, mit der Peter und Daniela Winkler seit einige Jahren intensiv experimentieren, beschreiben. Inzwischen haben die beiden, die erst im Mai aus dem süddeutschen Waibstadt nach Boizenburg gezogen sind, auch schon erste Aufträge für den Bau solcher Anlagen erfolgreich umgesetzt.

Aquaponik - wie funktioniert das genau und wie kommt man auf die Idee, mit Mitte 40 noch einmal alles auf eine neue Karte zu setzen, die Zelte abzubrechen und vom Süden nach Boizenburg zu ziehen?

„Ich habe als Sozialarbeiter gearbeitet, das war sehr erfüllend, aber auch sehr fordernd“, beginnt Peter Winkler. Dann habe er von der Idee gehört, Fisch- und Nutzpflanzenzucht miteinander zu verbinden und das in seinem Büro ausprobiert. Ganz simpel. Mit einem Aquarium und zwei darüber angeordneten, mit Blähton gefüllten Körben. Das Wasser wurde vom Aquarium in den oberen Kasten gepumpt und hat den dort wachsenden Salat gedüngt. Von dort tropfte es in einen darunter liegenden Korb und sei dabei durch den Ton gefiltert worden. Im Ton selbst hätten sich Bakterien gebildet, die Ammonium und Nitrit aus dem fischkothaltigen Wasser in Nitrat, einen Dünger, umgewandelt hätten. Schließlich sei das Wasser zurück in das Becken getropft. Nachdem dieser Versuch erfreulich verlaufen sei, wagte sich Winkler enthusiastisch an ein größeres Projekt, für das die Familie aus der Wohnung in Spechbach in ein Haus mit Garten in Waibstadt zog. Dort entstand eine größere Versuchsanlage mit einem Karpfenbecken und einer aus Baumarktteilen konstruierten Zuchtstation, die der Sozialarbeiter zwei Saisons lang betrieb. Hier seien Tomaten, Salat, Kohlrabi und Erdbeeren gewachsen, meint Winkler. Geholfen habe ihm dabei das Fachwissen seines Schwiegersohnes Danilo, der Techniker im Zierpflanzenbereich sei.

Irgendwann habe er dann über einen beruflichen Wechsel nachgedacht. Der Zeitpunkt sei günstig gewesen. Die Tochter war aus dem Haus und der studierte Theologe wollte nach seinem aufreibenden Job in der aufsuchenden Jungendarbeit etwas mehr Ruhe in sein Leben bringen und auch seine Frau Daniela unterstützte die Idee. Die Freundschaft zu einer Boizenburger Familie und die Rahmenbedingungen hätten schließlich den Ausschlag gegeben, nach Boizenburg zu ziehen.

Hier besteht sein Verein Aquaponic Deutschland aus acht Mitgliedern. Eigentlich habe er mit diesem bereits ein Gewächshaus errichten wollen und sei dazu auch schon in Gesprächen bzgl. des Pachtens von Teilstücken auf dem Gelände der alten Gärtnerei im Gespräch gewesen, aber das habe sich verzögert. Glücklicherweise seien dann auch erste Aufträge für den Bau von Anlagen, etwa in Hamburg und in Chemnitz, gekommen.

Ziel sei, in diesem Jahr eine eigene Anlage zu errichten. Zudem habe man inzwischen auch eigene Produkte entwickelt und biete komplette Bausätze für die Zucht an. Und natürlich müsse das Paar auch weitere Kunden für den Anlagenbau finden.

Der Vorteil der Aquaponik sei, das ressourcenschonend Pflanzen und Fische gezüchtet werden könnten. In anderen Ländern seien ähnliche Systeme bereits verbreitet, auch das Berliner Leibniz-Institut betreibe eine Versuchsanlage.

Ideal sei das günstige System auch für Entwicklungsländer. Es gebe konkrete Pläne und Anfragen für Anlagen in Tunesien und Malawi, so Winkler.

 

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