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SVZ-Wahlforum in Ludwigslust : Werbung um Kreuze auf Stimmzetteln

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Wahlzeit ist die Zeit der Worthülsen. Einige der sieben Kandidaten, die sich im Wahlkreis 12 zur Bundestagswahl stellen, haben eine ganze Menge davon parat. Und sie schütteten sie auch am Dienstag in Ludwigslust aus.

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erstellt am 11.Sep.2013 | 07:04 Uhr

Ludwigslust | Wahlzeit ist die Zeit der Worthülsen. Einige der sieben Kandidaten, die sich im Wahlkreis 12 zur Bundestagswahl stellen, haben eine ganze Menge davon parat. Und sie schütteten sie auch beim SVZ-Wahlforum am Dienstagabend im Ludwigsluster Freizeitzentrum Zebef freigiebig über die immerhin politisch interessierte etwa 60-köpfige Wählerschaft im Saal aus. Der Beifall für den einen oder anderen Streiter auf der Bühne zeigte es schon: Die meisten der Anwesenden gehörten irgendeiner politischen Fankurve an, wie der Moderator der Diskussionsrunde, SVZ-Chefredakteur Michael Seidel, es nannte. Er lenkte die Statements mit sanftem Druck dahin, die Bundespolitik auf die Region bezogen "herunter zu brechen".

Die Zusammensetzung des Podiums hätte unterschiedlicher nicht sein können. Dr. Sabine Bank von den Freien Wählern, Karsten Jagau von der Piratenpartei, Frank Fiedler von den Grünen und Thomas Heldberg von der FDP bewerben sich das erste Mal um ein Bundestagsmandat. CDU-Streiter Dietrich Monstadt möchte in die zweite Wahlperiode gehen. Und dann sind da noch die zwei bundespolitischen "Urgesteine" aus der Region: Dr. Dietmar Bartsch von den Linken und Hans-Joachim Hacker von der SPD. Bartsch ist stellvertretender Vorsitzender seiner Bundestagsfraktion. Hacker sitzt seit der Wiedervereinigung im Deutschen Bundestag - in verschiedensten Funktionen. Die Ausgangspositionen sind ebenfalls höchst unterschiedlich. Bartsch steht auf Platz eins der Landesliste seiner Partei. Monstadt und Hacker rangieren jeweils auf Platz vier der Landeslisten ihrer Parteien und müssen sich anstrengen, am 22. September das Direktmandat zu erringen, um nicht Gefahr zu laufen, ihren Platz im Parlament zu verlieren.

Frank Fiedler steht auf Platz sieben der Grünen Landesliste und ist damit ebenfalls keineswegs "parlamentssicher". FDP, Freie Wähler und Piraten müssen mit Sorge auf die Fünf-Prozent-Hürde blicken, auch wenn der Liberale Thomas Heldberg sich als Pfeifer im Walde übt und seine Partei im Aufwind sieht, was nicht zuletzt erfolgreicher Regierungsarbeit in Berlin geschuldet sei - so der Kandidat, der vor der Veranstaltung noch einen Infostand vor dem Eingang aufgebaut hatte.

Unter dieser Konstellation ging es zur Sache. Die Piratenpartei ist dabei, sich von einem politischen Exoten, über den man auch mal schmunzelt, zu einem seriösen politischen Partner zu entwickeln. "Wir sehen uns links von der Mitte angesiedelt.", sagt Karsten Jagau. Dem Dozenten im Gesundheitswesen geht es um erlebbare Menschenwürde, wie er sagt. "Die Bürger müssen genügend Geld haben, soziale Kontakte zu leben.", ist einer seiner Standpunkte. Wenn man Politik unter dem Aspekt betrachte, was der Gesellschaft nütze, gäbe es viele gute Ansätze bei den politischen Parteien, mit denen sich die Piraten identifizieren könnten.

Dietrich Monstadt sieht die Wirtschaftskompetenz naturgemäß allein bei der CDU. "Uns ging es noch nie so gut wie heute!", ließ er hören, was mindestens ein Stirnrunzeln bei seinem Sitznachbarn Dietmar Bartsch auslöste, der es dann aber nicht dabei beließ. Er erinnerte Monstadt daran, wo die vielen ungelösten Probleme lägen.Allgemeine Statements - die waren bestenfalls zum Aufwärmen gut, bevor es zu den regional interessierenden Fragen ging. Da fällt der Weiterbau der A 14 sofort ins Auge. Da kam man dann schnell zu der Frage, was Bundestagsabgeordnete in Berlin denn überhaupt konkret für die Region bewirken könnten. "Wenn es um Verkehrsprojekte geht, müssen wir parteiübergreifend an einem Strang ziehen.", sagt Bartsch und verhehlt dabei nicht, dass man hier ausgerechnet von den Bayern lernen könne. Der Links-Politiker nennt als aktuelles Beispiel die Tunnelbaupläne in Ludwigslust, bei denen es um die Kostenteilung unter anderem mit dem Bund geht.

Thomas Heldberg findet, jeder Politiker müsse Projekte in der Schublade griffbereit haben, um präsent zu sein, wenn sich die Möglichkeit biete. "Aber alles geht am Ende in den Haushaltsausschuss," entgegnet Bartsch, der unterstrichen wissen will, dass es auch um die Qualität, sprich Nachhaltigkeit von Vorhaben gehe. Während SPD, Linke, CDU und FDP den Weiterbau der Autobahn ausdrücklich begrüßen, hätte für den Grünen Frank Fiedler die Auswahl alternativer Streckenführungen bzw. der Ausbau von Bundesstraßen mehr Sinn gemacht. Er gibt zudem zu bedenken, dass die viel beschworene Mobilität gerade für Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiteten, eine zu teure Angelegenheit sei. Sabine Bank von den Freien Wählern ist für den Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs.

Die rund zweistündige Diskussion streifte viele Themen. So ging es um das Hinundher bei der Energiewende und die Hausärzteversorgung. Eine Domäne der Ärztin Sabine Bank, die unterstreicht, der Beruf müsse wieder aufgewertet werden. "Wir haben eigentlich ein Ärzteverteilungsproblem.", sagt Dietrich Monstadt, der im Gesundheitsausschuss des Bundestages sitzt und das von der Bundesregierung dazu verabschiedete Versorgungsstrukturgesetz hervorhebt. Bei der Angleichung der Renten verweist Hans-Joachim Hacker auf einen Plan der SPD, dies bis 2020 zu verwirklichen. Zum Themenspektrum gehörten schließlich auch die Autobahn-Maut, Verbeamtung von Lehrern und anderes mehr.

Ob die Kandidaten an diesem Abend punkten konnten: Wunder sind sicher nicht zu erwarten. Auflösung am 22. September.

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