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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 09:43 Uhr

Wenn Kinder zwischen Fronten geraten

vom

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2012 | 07:53 Uhr

Hagenow | Väter und Mütter tragen oft Schlammschlachten vor dem Familiengericht aus. Allein 2011 stritten sich im Bereich des Amtsgerichtes Hagenow 190 Elternpaare um das Sorge- und Umgangsrecht.

Damit Eltern aber nach einer Trennung noch miteinander Reden - zum Wohle ihres Kindes - setzt sich der Arbeitskreis FamFG (Freiwillige Gerichtsbarkeit) seit mehr als zwei Jahren regelmäßig zusammen. Richter, Sozialpädagogen, Jugendamt, Rechtsanwälte - alle Professionen, die am Familiengericht Hagenow an den Fällen beteiligt sind, wollen, dass die Eltern ihre eigenen Interessen zurückstellen und stattdessen gemeinsam den besten Erziehungsweg für ihr Kind suchen. Ein deutschlandweit einmaliges Ergebnis der Quartalstreffen ist das "Kooperationspapier zum Wohle des Kindes", das Eltern im Bereich des Amtsgerichtes Hagenow bereits vor den Verhandlungen an einen Tisch holen soll. Bei Familienberatungsstellen des Internationalen Bundes oder der Caritas zum Beispiel, und beim zuständigen Jugendamt. Das Papier dokumentiert die Bereitschaft der Eltern für eine Zusammenarbeit im Sinne des Kindes. "So wollen wir unnötige Konfrontationen zwischen ihnen vermeiden und ihren Blick wieder auf die elterliche Fürsorgepflicht lenken", sagt Ulrich Görn vom Fachdienst Jugend Ludwigslust.

Solche außergerichtlichen Einigungsversuche waren vor dem September 2009 noch gesetzlich geregelt im Verfahrensrecht. Um aber die Verhandlungen zu beschleunigen, wurde das Gesetz geändert. Der Familienrichter in Hagenow, Michael Dallmann, hatte daraufhin mit dem neu gegründeten Arbeitskreis das Kooperationspapier entwickelt, um die Fronten weiterhin vor den Gerichtsterminen enthärten zu können. Wer diesen vorgerichtlichen Einigungsversuch nicht nachweisen kann, habe in der Regel mit rechtlichen Nachteilen zu rechnen, heißt es in dem Papier. Zum Beispiel mit einer Zurückweisung der Verfahrenskostenhilfe.

Und die Hagenower sind von ihrem Konzept überzeugt. "Dieses Kooperationspapier könnte sogar Vorreiter für andere Gerichte sein", sagt Michael Dallmann. Auch so ein Arbeitskreis sei nicht so verbreitet. In Ludwigslust hatte man zwar versucht, eine solche Gruppe ins Leben zu rufen. Leider habe das nicht geklappt, so Verfahrensbeistand Silke Mensch. Aus Mangel an Mitstreitern.

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