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Amerikanischer Besuch im Krankenhaus : Wenn es zu viel ums Geld geht...

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Krankeneinrichtungen kämpfen auf beiden Seiten des großen Teiches mit sehr ähnlichen Problemen und haben unterschiedliche Lösungen

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 11:00 Uhr

Manchmal ist es von Vorteil, wenn man komplizierte Dinge recht einfach erklären will und muss. Probst Jürgen Stobbe ging es so mit den amerikanischen Gästen aus dem Gratiot County (US-Bundesstaat Michigan). Denn alle Erklärungen waren in Englisch gefordert. Und so erklärte der Probst, der ja zugleich auch Chef des „Westmecklenburg Klinikums Helene von Bülow„ ist, dass er ja immer zwischen den Stühlen säße. Zum einen wäre er ja seiner Diakonie verpflichtet, zum anderen dem Landkreis. In seinen amerikanischen Zuhörern hatte Jürgen Stobbe über die Maßen aufmerksame Zuhörer. Gleich mehrere arbeiten in den USA im medizinischen Bereich, kommen aus der Pflege und der Verwaltung. Und so gab es beifälliges Gemurmel, als Stobbe vom größten Umbruch im Krankenhausbereich berichtete, der Umstellung auf die Fallpauschale. „Das System haben wir auch“, kam es als Echo zurück. Und diese vor Jahren eingeführten Pauschalen sind nicht ohne. Erst hätten Krankenhäuser sich bemüht, die Patienten so früh wie möglich nach Hause zu schicken, dann seien die Aufwendungen für die Dokumentation enorm gestiegen und schließlich stünden die Krankenhäuser bei erneuten Komplikationen im gleichen Fall ohne Bezahlung da. Auch das sei in Amerika nicht anders. In Michigan, so erzählte es einer der Besucher, kämen noch die Probleme mit vielen Gastarbeitern auf den Feldern hinzu. Die seien oft Mexikaner und hätten keine Versicherung. Auch beim Obama-Care, also der vom Präsidenten eingeführten Zwangs-Krankenversicherung, gäbe es Schattenseiten. Denn die Normalverdiener hätten von dem System Nachteile.

In Deutschland, so Gastgeber Stobbe, hätte der Druck der Fallpauschalen jedenfalls eine Spezialisierung mit ausgelöst. Ein Prozeß, der nicht ohne Proteste und Probleme abging, wie er zugab. So habe sich Hagenow z. B. auf die Endoprothetik und die Geburten spezialisiert, Ludwigslust sei hingegen bei allen kardiologischen Sorgen deutlich besser aufgestellt.

Der Besuch der Amerikaner im Krankenhaus ist Teil eines aufwendigen Besuchsprogramms, dass der Landkreis für seine Gäste aus dem Partnerkreis zusammengestellt hat. Da gehörte ein Besuch bei der Hengstprarade in Redefin genauso dazu wie eine Stippvisite beim Kreiserntefest in Prislich. Am heutigen Dienstag empfängt der Bundestagsabgeordnete Frank Junge die Delegation im Bundestag.
Die Partnerschaft mit Gratiot County besteht seit 1998. Kernstück der transatlantischen Verbindung ist der jährliche Schüleraustausch. Daran haben seither etwa 2  000 Schüler teilgenommen. Zuletzt waren Schüler aus Gratiot County im Juni dieses Jahres zu Besuch im Landkreis, hieß es von der Pressestelle.

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