Wenn die Samtpfötchen Überhand nehmen

Sie sind klein, verschmust und niedlich: die Katzenbabies. Doch wenn sie größer werden, können sie schnell ein Problem in den Städten darstellen. Thorsten Meier/Archiv
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Sie sind klein, verschmust und niedlich: die Katzenbabies. Doch wenn sie größer werden, können sie schnell ein Problem in den Städten darstellen. Thorsten Meier/Archiv

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15. Mai 2013, 10:48 Uhr

Zarrentin | Wegen der enorm gestiegenen Zahl streunender Katzen haben schon einige niedersächsische Kommunen notgedrungen eine Kastrationspflicht eingeführt. So müssen Besitzer in Verden und Hildesheim nicht nur ihre Tiere kastrieren und sterilisieren lassen, sondern obendrein auch noch mit einem Chip versehen. Auf ihm sind die Daten des Besitzers und der Zeitpunkt der Kastration vermerkt. Damit die Ordnungsämter Fundtiere leichter zuordnen können. In Bremen ist diese Vorschrift geplant.

"Die Anzahl der herumstreunenden Katzen ist auch bei uns im Stadtgebiet deutlich nach oben gegangen", berichtet Dirk Schiewer, örtlicher Fachamtsleiter für Bau, Regionalentwicklung und Ordnungsangelegenheiten. Doch an eine Kastrations- oder Sterilisationspflicht werde dennoch nicht von Amts wegen gedacht.

"Wir setzen in erster Linie auf Aufklärung und appellieren an das Verantwortungsgefühl der Tierbesitzer. Denn wer seine Katze liebt, der sorgt selber dafür, dass sich der Nachwuchs nicht unkontrolliert ausbreitet." Im Übrigen würde wilder Katzennachwuchs oft aus Mitleid gefüttert, sagt Schiewer und rät dazu, sich erst gar nicht der Samtpfötchen anzunehmen. Das sei nämlich falsch verstandene und viel zu früh eingesetzte Tierliebe. "Richtig wilde Katzen bleiben dem Menschen ohnehin fern."

Wenn jemand seine Katze draußen frei herumlaufen lasse, dann solle sie kastriert oder sterilisiert worden sein. Dann komme es nämlich zu keiner unkontrollierten Vermehrung und niemand habe ein Problem damit. "Es sollte sich auch niemand vorschnell in die Verantwortung zu diesen Tieren drängen lassen", mahnt Schiewer weiter. Über die Folgen einer Tieranschaffung werde leider nur selten nachgedacht und später die Verantwortung einfach ignoriert, wenn es unbequem würde.

Eine, die sich tagtäglich mit den Auswüchsen falsch verstandener oder versandeter Tierliebe auseinander setzen muss, ist Annette Herbing. Sie leitet das Tierheim im nordwestlich gelegenen Roggendorf, das mit dem Amt Zarrentin eine Vereinbarung über Fund- und herrenlose Hunde geschlossen hat. Aber auch für Katzen hat sie immer ein offenes Ohr. Derzeit leben um die 40 Katzen bei ihr. Das sei aber noch wenig und werde sich in den kommenden Wochen wohl noch ändern, befürchtet sie, die keine wilden Katzen aufnehmen könne. Das sei nämlich absolute Quälerei. Jedoch könne man diese Tiere gegebenenfalls einfangen und dafür sorgen, dass sie keinen Nachwuchs mehr bekämen. Danach könne man sie an ihren Fundort wieder aussetzen. Einmal im Monat komme eine Tierärztin in die Roggendorfer Einrichtung, um Sterilisationen, Kastrationen und die medizinische Behandlung kranker wilder Katzen vorzunehmen. Die Kosten würden durch Spenden und einen Eigenanteil getragen. Diese Maßnahmen seien dringend erforderlich, wenn man sich einmal vorstelle, dass aus nur einem Katzenpaar binnen zehn Jahren etwa 80 Millionen andere Katzen entstünden.

Diese Zahlen verdeutlichten das ungeheure Ausmaß unkontrollierter Fortpflanzung. Annette Herbing appelliert an alle Katzenbesitzer und bittet sie um Mithilfe, um so viele kleine Kätzchen vor einem grausamen Leben zwischen Hunger und Krankheit zu bewahren.

Wer Rat, Hilfe oder mehr Informationen benötige, könne sich entweder an den örtlichen Tierarzt oder auch an sie unter der Nummer 038876-31863 wenden. In ihrem Tierheim würden übrigens schon seit 2003 jedes Jahr ungefähr 300 wilde Katzen unfruchtbar gemacht. Und es würden leider immer mehr.

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