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Hagenower Kreisblatt

19. Oktober 2017 | 16:30 Uhr

Zarrentin : Welt erklären mit Schattentheater

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Tandera-Theater Testorf und Reuter-Schule Zarrentin realisieren Projekt „Künstler für Schüler“. Premiere am Freitag um 11 Uhr im Pahlhuus

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Es sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht, wie schon seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Nämlich etwa 60 Millionen Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder. In Syrien herrscht Bürgerkrieg. Im Irak mordet und metzelt der Islamische Staat, im Sudan herrscht Korruption. Auch in der Ukraine und Kolumbien sind Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Oft von eben auf jetzt. Darf man schon Kinder in Deutschland mit Zahlen, Fakten und Bildern über diese Flucht informieren? „Ja“, sagt Puppenspielerin Dörte Kiehn aus Testorf. Und gestaltet dieser Tage zusammen mit der Klasse 4a der örtlichen Fritz-Reuterschule ein Theaterprojekt „Meine Welt, deine Welt.“ Zur Aufführung kommt es morgen um 11 Uhr im Pahlhuus.

Was macht unsere Welt lebenswert, was ist uns wichtig, was wünschen wir uns für unsere Welt, wie können wir sie erhalten und gestalten? Und was passiert, wenn Welten aufeinanderprallen? Alles Fragen, die die 57-Jährige mit den Mädchen und Jungen zu klären versucht.

Mit unterschiedlichsten Mitteln des Schattentheaters wie Großleinwand, Polylux und Figurenspielebene, erweitert mit Musik und Schauspiel, will sich die gebürtige Schleswig-Holsteinerin, die seit 21 Jahren in Testorf lebt und arbeitet, mit den 19 Viertklässlern auf eine theatrale Welt-Reise begeben, wie sie sagt. Unter professioneller Anleitung würden dafür aus Pappe und Stäben Figuren gestaltet, mit Hilfe von farbigen Folien von den Kindern selbst gemalte Bühnenbilder in Szene gesetzt, Stück für Stück bebildert und belebt. Je nach Interesse und „Spielmut“ könnten die Schüler mit Figuren hinter der Leinwand agieren oder sich selbst als Schauspieler direkt ins Geschehen einbringen. Vorgesehen sei keine fertige und vorgegebene Geschichte, die inszeniert werden solle, sondern ein fragmentarisches Projekt, das mit den Mitteln des Theaters andere Reflektions- und Gestaltungsmöglichkeiten zu einem hochaktuellen Thema biete. „Die Kinder sollen im Rahmen dieses Workshops Anregungen erhalten, eigene Bilder und Gedanken zu gestalten und diese in Szene zu setzen“, erklärt Dörte Kiehn im SVZ-Gespräch. Es gehe auch darum, den Kindern zu verdeutlichen, was der Verlust des Zuhauses bedeute. „Sie sollen darüber nachdenken, wie es ist, plötzlich alles zu verlieren.“

Eine, die sich bereits gedanklich mit dem Thema beschäftigt hat, ist Hannah aus Valluhn. „Ich wäre traurig und wütend. Traurig, weil man mir mein Zuhause genommen hat und wütend auf die Menschen, die dafür verantwortlich sind“, sagt die Zehnjährige. Ihre Mitschülerin Chiara (10) nickt zustimmend. „Die Angst wäre schlimm. Ich würde es auch doof finden, wenn meine Freunde plötzlich alle weg wären. Oder sogar umgebracht würden“, erklärt die Zarrentinerin weiter.

Dass Ibrahim, ein Flüchtling aus Mauretanien als Praktikant dem Vorhaben beiwohnt, empfinden die Heranwachsenden als lehrreich. „Als der 23-Jährige über seine fast ein Jahr lang andauernde Flucht berichtete, waren die Schüler mucksmäuschenstill und teils betroffen“, berichtet Dörte Kiehn. Besonders, als sie erfuhren, dass man auf der Flucht so wenig Ballast wie möglich mitführen sollte. Nur Essen und Trinken seien wichtig, und das, was man am Leibe trage. Liebgewordenes wie Spielzeug bleibe meist im Krisengebiet.

„Von heute auf morgen aus meiner Heimat fliehen zu müssen, nur mit ein paar Habseligkeiten, das mag ich mir gar nicht erst vorstellen“, gesteht Dörte Kiehn.



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