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Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 05:13 Uhr

Hagenow : „Weil wir gebraucht werden“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Emotionen nach der Wende – und gestern, 25 Jahre später Das Arbeitslosenzentrum als „wichtige Heimstätte“

von
erstellt am 07.Sep.2016 | 20:45 Uhr

Mit gesenktem Kopf, völlig depressiv und ohne jegliche Hoffnung sind damals die ersten Menschen zu Elke Burmeister und ihrem Team gekommen. Das ist jetzt 25 Jahre her. Kurz nach der Wende, die Kündigung in der Hand, schlechte  Aussichten auf dem Arbeitsmarkt  – so ging es seinerzeit Vielen. Auch Elke Burmeister. Mit einer Handvoll Mitstreiter baute die heutige Seniorin vor mehr als zwei Jahrzehnten eine Kontaktstelle für Arbeitslose mit auf. Dieses Jubiläum hat der Arbeitslosenverband gestern mit jahrelangen Partnern im Arbeitslosenzentrum Hagenow gefeiert. Ein Tag mit emotionalen Worten und bunten Überraschungen.

„Unvergessen sind diese ersten Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern“, erinnert sich Karl-Heinz Figas, stellvertretender  Geschäftsführer des Arbeitslosenverbandes MV, an die Zeit nach der Wende. Auch in Hagenow sei eine solche „wichtige Heimstätte“ entstanden, die für die Teilhabe vieler Männer und Frauen gesorgt habe. Einen entscheidenden Beitrag für dessen Erfolg hätte damals Leiterin Elke Burmeister geleistet. 

Die Hagenowerin musste nicht lange überlegen und stellte sich gemeinsam mit Hannelore Kryczak, Gabriele Mestan und Peter Seifert dieser neuen Aufgabe. In einem acht Quadratmeter großen Raum. Und „die Sorgen Vieler waren riesengroß“, sagt Elke Burmeister. Die Hoffnungslosigkeit einer Frau  blieb ihr ganz besonders in Erinnerung. „Ich weiß nicht mehr weiter. Ich kann mich eigentlich nur noch aufhängen“, zitiert Elke Burmeister. Heulend hätten sie sich in den Armen gelegen und erst nach einem langen Gespräch ein Stück Hoffnung für die Frau zurück gewonnen.

Die Mitarbeiter der Kontaktstelle hören zu, beantworten Fragen rund um die Arbeitslosigkeit, bieten Ablenkung durch Geselligkeit. In den neuen Räumen in der Bahnhofstraße und in einer Außenstelle in Wittenburg. Mit der neuen Konsumfreude kommt schnell eine Schuldnerberatung dazu, später das Arbeitslosencafé, die Nähstube, Sammelbörsen für Kleider und Möbel, ein Jobclub, Angebote für Kinder... Im Schnitt leistete das Team damals 10000 Mal Hilfe im Jahr.

Irgendwann reichten die Räume nicht mehr. Und so zog die Kontaktstelle 1995 ins Haus der sozialen Dienste in der Möllner Straße, wo das Arbeitslosenzentrum bis heute Anlaufstelle ist. Dazu gehören die Kleiderkammern in Wittenburg und Lübtheen und die Zweigstelle in Ludwigslust.

Dass es sich solange gehalten hat,  ist laut Elke Burmeister nicht selbstverständlich. Immer wieder hätten sie um Unterstützung und Verlängerung des Projektes kämpfen müssen. Auch wenn die Arbeitslosenzahlen im Landkreis in den 1990ern nicht weniger geworden seien. Vor allem Frauen traf  es nach der Wende.  Einige fanden als ABM-Kraft wieder Halt in den Frauenwerkstätten des Verbandes in Hagenow, Lübtheen und Wittenburg.

Ob damals oder heute: Es sei wichtig, dass das Arbeitslosenzentrum in der ganzen Region tätig ist, sagt Wittenburgs Bürgermeisterin Margret Seemann. Um die Arbeit zu unterstützen, überreicht sie einen Scheck in Höhe von 500 Euro an die heutige Leiterin Waltraut Krüger und die Ortsverbandsvorsitzende Ursula Klabunde. Auch Hagenows Bürgermeister Thomas Möller dankt den Mitarbeitern und vielen ehrenamtlichen Verbandsmitgliedern für ihre jahrelange Arbeit. Er selbst sei zwar nie in der Situation gewesen, wisse  aber, dass  viele Menschen dankbar dafür sind, dass sie in der Kontaktstelle Hilfe finden. Und das werde auch trotz sinkender Arbeitslosenzahlen  so bleiben. Deshalb will die Stadt die Arbeit des  Zentrums immer unterstützen. „Vieltausendfach“ hätte es bisher Hilfe gegeben, so Elke Burmeister. Und das soll auch weiter geschehen. Nach dem  Motto: „Weil wir gebraucht werden“.

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