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Amt Zarrentin : Weg für Bio-Energiedörfer geebnet

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Vielerorts träumt man davon, bei Strom und Wärme unabhängig von den großen Konzernen zu sein. So auch im Amt Zarrentin. 2010 haben die fünf Gemeinden des Amtes und das Amt selber die politischen Weichen dafür gestellt.

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erstellt am 23.Feb.2012 | 10:09 Uhr

Zarrentin | Zum 1. März erhöhen in Deutschland 91 Versorger ihre Preise für Haushaltsstrom, zum 1. April weitere 62. Bereits in den Vormonaten hatten über 200 Grundversorger Preissteigerungen verkündet, so das größte, unabhängige Verbraucherportal für Energie, das Stromvergleichsportal Verivox. Im Durchschnitt nehmen die Preise um rund 3,4 Prozent zu. Einigen Versorgern dient der Ausbau der Erneuerbaren Energien als Begründung für Erhöhung, obwohl die EEG-Umlage im Vergleich zu 2011 nur um 0,06 Cent je Kilowattstunde gestiegen ist. "Wenn Energieversorger die Preise aktuell anheben, lässt sich das nicht auf die Erneuerbaren Energien schieben", sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. "Neben betriebswirtschaftlichen Gründen liegt es an steigenden Beschaffungskosten für fossile Energieträger und vor allem an steigenden Netznutzungsentgelten." Davon betroffen seien besonders Privathaushalte und der Mittelstand, die - im Gegensatz zur energieintensiven Industrie - nicht bei den Netzentgelten begünstigt würden. Sie kämen nun mit für die Großindustrie auf.

Vielerorts träumt man deshalb davon, bei Strom und Wärme unabhängig von den großen Konzernen zu sein. So auch im Amt Zarrentin. Bereits im Jahr 2010 haben die fünf Gemeinden des Amtes und das Amt selber durch entsprechende Beschlüsse die politischen Weichen gestellt, gemeinsam den Weg zum Bio-Energiedorf zu beschreiten. Dabei spielen sowohl die Einbindung der Bürger in die Projekte als auch deren Teilhabe an günstigen Preisen - die unmittelbare Teilhabe also - eine wichtige Rolle.

"Der erste Schritt zur Umsetzung ist die Erstellung einer entsprechenden Machbarkeitsstudie. Sie ist ausgelöst und der Eigenanteil im Haushalt eingestellt. Diese soll insbesondere vorhandene Potentiale für eine nachhaltige Energieversorgung aus erneuerbaren Energieträgern für den gesamten Amtsbereich offenlegen. Ziel der Gemeinden ist es, die Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien unter Teilhabeaspekten zu koordinieren und berechtigte Interessen der Akteure, also der Erzeuger und der Verbraucher sowie Dienstleister, zusammenzuführen", sagt Marko Schilling als Amtsvorsteher. Dabei könnten auch Gemeinden selbst zum Akteur werden. In zahlreichen Dörfern würden jetzt Untersuchungen angestellt, die als Grundlage für den weiteren ortsspezifischen Ausbau der regenerativen Energien dienten und Fehlplanungen vermeiden sollten. Denn die Machbarkeitsstudie kostet rund 60 000 Euro. Die Hälfte fördert das Land, 20 Prozent übernimmt die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung und 30 Prozent das Amt Zarrentin.

"Für das Amt betrifft das 38 Orte in fünf Gemeinden. Das sind für jedes Dorf etwa 1500 Euro, also ein günstiges Angebot", rechnet Schilling vor, der dieser Tage in Güstrow einer Genossenschafts-Gründungsversammlung für die Bio-Energiedörfer des Landes beiwohnte. Auch das Amt ist nun Mitglied. Noch in diesem Jahr soll die Machbarkeitsstudie vorliegen, um mit ihrer Umsetzung 2012 beginnen zu können.

Das Land M-V hat das langfristige Ziel, 500 Bio-Energiedörfer zu entwickeln, um die vorhandenen örtlichen Gegebenheiten für die Eigenversorgung mit Wärme und Strom zu forcieren. Die Nutzung erneuerbarer Energien ist in Zarrentin schon lange Ziel und als Aufgabe zur Stärkung wirtschaftlicher Kreisläufe erkannt. Nach intensiven Gesprächen mit den fünf Gemeinden des Amtes (unter Einbeziehung der Bürger) haben diese ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dieser Initiative erklärt. Unter Federführung Zarrentins wurde auch, stellvertretend für insgesamt 68 Gemeinden des Landes, ein Clusterantrag auf Fördermittel beim Bundesumweltministerium gestellt.

Etwa 250 Gemeinden in Deutschland verbindet jetzt also ein Ziel: Sie wollen Bioenergiedorf sein und ihre Energie aus eigenen Ressourcen erzeugen. Als Bioenergiedörfer zählen Orte, die mindestens die Hälfte des Wärme- und Strombedarfs aus regionaler Biomasse speisen. In vielen Dörfern gibt es zwar Biogasanlagen, die Strom produzieren, aber deren Wärme noch nicht oder nicht vollständig genutzt wird. Die Wärmenutzung, das ist künftig das Spannende. Damit könnten Gas- und Ölheizungen in den Wohnhäusern ersetzt werden, die Wertschöpfung bleibt so in der Region.

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