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Hagenower Kreisblatt

23. Oktober 2017 | 04:46 Uhr

Elbe Boizenburg : Wasser und Deiche zu niedrig

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Neue Studie zeigt: Deiche um Boizenburg bis zu 77 Zentimeter zu niedrig / 2015 wird als Jahr mit historischem Niedrigwasser gewertet

svz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Bei der diesjährigen Herbstdeichschau für den Schaubereich Boizenburg am Mittwoch teilte das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg mit, dass die Deiche bei Boizenburg auf 12 Kilometern Länge zwischen 46 und 77 Zentimeter zu niedrig sind. Zu dieser Erkenntnis sei seine Abteilung nach einer Defizitanalyse gekommen, sagte Abteilungsleiter Frank Müller.  Deren wichtigste Grundlage war eine 2D - Modellstudie  der Bundesanstalt für Gewässerkunde zur Elbe, die im Sommer in einem Bericht veröffentlicht wurde.

Schon bei der Deichschau  im Frühjahr war bekannt geworden, dass auch eine sogenannte „Entbuschung“ nicht den erhofften Effekt hätte, sondern den Wasserpegel für Boizenburg nur um ein  bis drei Zentimeter senken würde. „Außerdem ist klar geworden, dass Sachsen-Anhalt und Brandenburg ihre Polder  an der Havel und an der Lenzener Wische - an deren Ausbau sich Mecklenburg-Vorpommern beteiligt - nur fluten würden, wenn der Pegel den derzeit angenommenen Höchstwasserstand überschreiten würde“,  kommentierte Frank Müller die neue Handlungsgrundlage. Die Fachleute gehen davon aus, dass unter den veränderten Umständen, vor allem durch die Deichsicherung und den Deichausbau im Oberlauf der Elbe, ein nächstes Hochwasser im schlimmsten Fall einen Bemessungshochwasserstand bei Wittenberge  von 7,99 Meter plus 1 Meter Freibord haben könnte. Dann müssten 4545 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen. 

Und dafür sind dann die Deiche bei Boizenburg  in der genannten Höhe zu niedrig, zumal sich die Elbe vor Boizenburg wie in einem Flaschenhals verjüngt.  Felix Bujak vom StALU, der vor allem mit der Defizitanalyse  befasst war, erklärte, dass nun die möglichen Schadenspotenziale durchgespielt würden und dementsprechend eine Prioritätenliste aufgestellt werde, wo welche Maßnahmen zuerst zum Schutz vor Überflutung der Deiche eingeleitet werden. Frank Müller erläuterte, dass ein neues Deichbauprogramm sehr wahrscheinlich demnächst aufgestellt werde. Das Geld dafür sei durch die Aufnahme des Hochwasserschutzes in das Förderprogramm der Europäischen Union ELER vorhanden.

Weiterhin bemerkenswert bei dieser Deichschau war die Einschätzung der Hydrologin Claudia Besler, dass 2015  an der Elbe ein historisches Niedrigwasser zu verzeichnen war, wie es das nur alle 20 bis 50 Jahre gäbe.  Es sei nur vergleichbar mit den Niedrigwassern 1947 und 1904.  Ursache für das Niedrigwasser 2015 waren die zwei warmen und niederschlagsarmen Winter 2014/15 und 2013/14. Bei der Begehung wurde außerdem ein 200 Meter langer Erdwall vorgestellt, der an der Niedrigstelle der B5 bei Horst 2013 zum Schutz der wichtigen Verkehrsader errichtet wurde und nun dauerhaft in das Deicherhaltungsprogramm aufgenommen wird. Sehenswert ist auch die derzeit laufende ökologische Uferbefestigung an der Sude unterhalb des Schöpfwerks Mankenwerder, wo auf 220 Metern Länge 110 Bäume verbaut werden. Außerdem wurden  zwei Wildrettungshügel am Ringdeich Bandekow errichtet. 

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