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Hagenower Kreisblatt

23. Oktober 2017 | 08:29 Uhr

Boizenburg : Was wird aus der Förderschule?

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach einem Jahr Inklusion steht die Zukunft der Boizenburger Bildungseinrichtung in Frage

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2017 | 11:52 Uhr

Im vorletzten Jahr konnte die Boizenburger Förderschule 25. Geburtstag feiern und musste sich gleichzeitig mit einer ungewissen Zukunft abfinden. Denn seit 2016 wird an den Grundschulen inklusive unterrichtet. Im Gegensatz zu vorher nehmen sie nun Kinder mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung oder Förderbedarf selbst auf, statt diese Schüler an eine Förderschule zu schicken. Die Allgemeine Förderschule Boizenburg schult grundsätzlich erst Schüler ab Klassenstufe drei ein und Schulleiterin Silvia Fechner ging deshalb beim letzten Gespräch mit der SVZ davon aus, dass es ab dem Schuljahr 2016/17 keine dritte Klasse mehr in ihrer Bildungseinrichtung geben wird. Doch nun gibt es doch eine Klassenstufe drei, wenn auch die Schüler zusammen mit Jahrgangsstufe vier unterrichtet werden, wie die Schulleiterin bei einem aktuellen Gespräch mit der SVZ berichten konnte. „Es gibt eben immer wieder Umzüge“, erklärt Silvia Fechner. Außerdem würde in Mecklenburg-Vorpommern letzten Endes der Wille der Eltern darüber entscheiden, ob ein Kind, bei dem ein Förderbedarf festgestellt wurde, an einer Grundschule oder einer Förderschule unterrichtet wird.

Grundsätzlich gibt es zwei Bereiche an der Förderschule, „Lernen“ und „Geistige Entwicklung“. Im ersten Bereich werden Schüler bis zur Klassenstufe neun unterrichtet, wer in der Lage ist, die 10. Klasse abzuschließen, kann das in Hagenow tun. Im Bereich „Geistige Entwicklung“ gibt es vier Stufen, die die Schüler vor allem auf ein selbständiges Leben vorbereiten sollen.

„Unser Vorteil ist, dass wir kleine Klassen mit nur acht bis zehn Schülern haben. Die Lehrer kennen alle Schüler mit Namen und ihre Probleme. Bei uns geht es sehr familiär zu.“ Wie wichtig das gerade bei Kindern mit einer Lernschwäche oder körperlicher bzw. geistiger Behinderung sein kann, hatte 2014 der Fall des hörgeschädigten Alexander gezeigt, der nach einem Vorfall an der Grundschule in Gresse eine so starke Schulangst entwickelt hatte, dass die Mutter ihn zunächst zu Hause behielt, bevor er die Schule wechseln konnte. Damals hatte Schulrätin Marion Heinrich gesagt, dass „Schule nicht jeden einzelnen Schüler im Auge behalten kann.“ Doch genau das kann offenbar eine Förderschule.

„In der Grundschule gibt es größere Klassen mit mehreren Schülern mit verschiedenen Förderschwerpunkten. Da kann man kaum jedem Kind gerecht werden“, glaubt Silvia Fechner. Sie ist auch stolz darauf, dass „ihre“ Schüler so sozial sind, was sie nicht zuletzt auf den jahrgangsübergreifenden Unterricht für jeweils zwei Klassenstufen zurück führt. Als weitere Pluspunkte sieht sie, dass alle Klassenräume ebenerdig sind, die Wege kurz, dass die Schule über sehr gute Unterrichtsmaterialien verfügen und die Klassenräume sehr gut ausgestattet sind. „Das sind optimale Bedingungen für die Schüler.“

Aber: „Fakt ist, dass wir rückläufige Schülerzahlen haben“, konstatiert die Schulleiterin. „In diesem Jahr werden noch einmal 15 Schüler die Schule verlassen.“ Es gebe immer mal wieder Schüler durch Zuzüge oder Einschulungen im Bereich „Geistige Entwicklung“. Trotz der abnehmenden Schülerzahlen habe jedoch noch keiner der acht Lehrer und fünf Erzieher gehen müssen. „Noch sind wir im Schulentwicklungsplan bis 2020 vorgesehen“, ist sie vorsichtig optimistisch. Doch wenn die Schülerzahlen plötzlich einbrechen, könne sich das schnell ändern. „Ich habe keine Ahnung, wie es langfristig weiter geht“, muss Fechner, die von Anfang an seit 1990 an der Schule ist, zugeben. Einfach weitermachen, ist die Devise für sie und ihre Kolleginnen. Derzeit bereitet die Schule für den 24. Februar eine Faschingsparty zum Thema „Punk-Rock“ vor.


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