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Stadtentwicklung : Was wird aus dem Amt Hagenow Land?

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gemeinden sprachen sich für Erhalt der Verwaltung aus

von
erstellt am 21.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Wie geht es mit dem Amt Hagenow Land weiter?  Im Jahr 2019 stehen die nächsten Kommunalwahlen an, und die Gemeinden des Amtsbereiches sind  dabei, ihre Pläne auszuarbeiten. Dabei  geht es vor allem um die Zukunftsfähigkeit der 20 Gemeinden des Amtsbereiches, die sich grundsätzlich erst einmal für das weitere Bestehen des Amtes aussprachen.

„Wir haben darüber lange diskutiert. Es gab diverse Vorschläge, wir führten auch Gespräche mit unseren Nachbarverwaltungen. Insgesamt war man der Meinung, dass wir ein Amt sind, das von Anfang an besteht und das sich immer weiter entwickelt hat. Die Gemeinden fühlen sich in der Verwaltung aufgehoben, deshalb soll das Amt weiter bestehen bleiben“, nannte Amtsvorsteher Dieter Quast im SVZ-Gespräch die grundsätzliche Ausgangsposition, wenn es um die Zukunftsfähigkeit der Gemeinden im Hagenower Amtsbereich geht.

Zudem müssten sich die  Gemeinden  darauf einstellen, dass sie perspektivisch weniger Mittel zur Verfügung haben werden. Vor allem stehen dabei solche Fragen im Raum:  Können  sich die Gemeinden auch noch in der neuen Legislaturperiode  selbst verwalten? Gibt es genug ehrenamtliche Mitstreiten, um die Gemeindevertretungen samt Bürgermeister  und Ausschüssen besetzen zu können. Wer organisiert  das ehrenamtliche gesellschaftliche Leben vor Ort ?

Nach den Worten von Amtsvorsteher Dieter Quast sind die Gemeinden gehalten, in eigener Zuständigkeit dafür Sorge zu tragen, dass sie finanziell so aufgestellt sind, dass sie fit für die Zukunft sind. Im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde macht der Amtsvorsteher auf die Diskussion  über das  Leitbildgesetz aufmerksam.  Im Paragrafen 1 gibt es die Festlegung, dass jede Gemeinde eine Selbsteinschätzung zu tätigen hat. Dabei geht es insbesondere um die Qualität und Quantität der Aufgabenwahrnehmung, die Vitalität und Verbundenheit der örtlichen Gemeinschaft, um den Zustand der örtlichen Demokratie und um die Dauer der finanziellen Leistungsfähigkeit.

Im Gespräch mit den Einwohnern bleiben

Nach den Worten des Amtsvorstehers sollte die Gemeindevertretung die jährliche Einwohnerversammlung nutzen, um mit den Einwohnern darüber ins Gespräch zu kommen, wie es im Ort läuft, wie die Gemeinde ihre Aufgaben erfüllt, und vor allem welche Perspektiven es gibt. Bei der Selbsteinschätzung anhand der vier Kriterien sollten die Kommunalpolitiker realistisch ihre Situation einschätzen. „Zielstellung sollte es vor allem sein, der Vertretung aufzuzeigen, wie der gegenwärtige Stand der Entwicklung ist, was erreicht wurde, was noch erreicht werden soll, und wo es Probleme gibt. Und nur dann, wenn die Probleme auch auf dem Tisch liegen, kann ich sie korrigieren“, sagt Dieter Quast weiter. Während nach seinen Worten das Leitbildgesetz die Grundrichtung vorgibt, hat das Amt Hagenow Land den ehrenamtlichen Bürgermeistern zudem eine erweiterte Konzeption an die Hand gegeben. In den vergangenen Wochen befassten sich etliche Gemeindevertretungen mit dieser Zukunftsthematik. Der Prozess der Selbsteinschätzung läuft gegenwärtig. Als das wichtigste Ergebnis soll dann im Herbst eine Entscheidung über den weiteren Weg der jeweiligen Gemeinde getroffen werden und vor allem darüber, ob sie das allein schafft oder ob mögliche Fusionen  anstehen. Beim Landkreis gibt es Koordinatoren, die die Gemeinde beim Finden des Weges in die Zukunft unterstützen können.

Das Hagenower Kreisblatt fragte einige Bürgermeister, wie sie die Zukunftsfähigkeit ihrer Gemeinden einschätzen. Ingo Schulz, Bürgermeister aus Kirch Jesar, sagte: „Kirch Jesar als Gemeinde ohne Schulden, mit einem guten Weg den Haushaltsausgleich nach der Doppik in dieser Legislaturperiode zu schaffen, ist finanziell gut gewappnet für die Zukunft. Voraussetzung ist natürlich, dass die Landespolitik mit den neuen Regelungen zum Finanzausgleich die Gemeinden nicht noch mehr belastet. Unsere Infrastruktur ist in Ordnung, die Einwohnerzahl ist seit Jahren relativ stabil. Neue Häuser entstehen, Firmen haben sich angesiedelt, und das Dorfleben funktioniert sehr gut. Der Kindergarten ist voll belegt, Einwohner im erwerbsfähigen Alter haben Arbeit. Das Ehrenamt wird von vielen Einwohnern getragen. Viele Einwohner bringen sich in Feuerwehr, Dorfverein, Verbänden politischen und kirchlichen Vertretungen und auch außerhalb dieser ein.“

Marianne Röckseisen, Bürgermeisterin aus Bresegard bei Picher, schätzt ihre Gemeinde ebenfalls  als zukunftsfähig ein. „Bresegard soll zukünftig eigenständig  und amtsangehörig bleiben“, sagt sie. In der Selbsteinschätzung heißt es, ... dass sich die Gemeinde als eigenständig zukunftsfähig betrachtet. Bresegard hat ein solides finanzielles Fundament ohne Schulden und geht verantwortungsvoll mit den zur Verfügung stehenden Mitteln um. Eine Vielzahl ehrenamtlicher Bürger engagiert sich in Vereinen, in Interessengemeinschaften und in der Politik. Die Einwohnerzahl ist rückläufig, es besteht jedoch ein guter Anteil junger Familien, so dass sich die sinkende Einwohnerzahl voraussichtlich stabilisieren wird... .

„Wenn wir die nackten Zahlen des Haushaltsplanes der Gemeinde sprechen lassen würden, sehe ich schon einige Hürden hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit, die es zu meistern gilt“, sagte Holger Maty, Bürgermeister von  Pätow-Steegen. „Trotz notwendiger Investitionen und  stetig steigender Ausgaben sieht sie sich die Gemeinde Pätow-Steegen jedoch langfristig gut aufgestellt“, so Maty.

Thomas Witt, Bürgermeister von Pritzier, sagte zur Zukunftsfähigkeit seiner Gemeinde: „Die Gemeindevertretung Pritzier  sieht sich in ihrer Selbsteinschätzung grundsätzlich als zukunftsfähig an. Die schwierigste Herausforderung ist und bleibt die dauernde finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde. Neben den Gemeinden ist auch das Land und der Kreis in der Pflicht, für eine angemessene Finanzausstattung Sorge zu tragen.  Was die Vitalität und Verbundenheit der örtlichen Gemeinschaft sowie den Zustand der örtlichen Demokratie und die Aufgabenwahrnehmung angeht, sind wir in unserer Gemeinde gut aufgestellt ohne zu verschweigen, dass es auch hier immer dran zu arbeiten gilt, um das Bestehende so zu erhalten. Mit einer möglichen Fusion läuft man aber Gefahr, eine relativ intakte Dorfgemeinschaft  des Geldes wegen  zu zerstören.“

Auf der Einwohnerversammlung am 22. März haben sich die Gemeindevertreter und die Einwohner der Gemeinde Kuhstorf klar für die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde ausgesprochen.

„Wir sind nicht bereit, mit einer anderen Kommune zu fusionieren. Das heißt aber nicht, das eine Zusammenarbeit auf bestimmten Gebieten nicht möglich ist“, ist von Annelies Ehm, der Bürgermeisterin aus Kuhstorf zu erfahren.

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