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Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 14:20 Uhr

Hochwasserschutz : Was wird aus Boizenburg?

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Das war wohl die Nachricht der diesjährigen Frühjahrsdeichschau, die die Gemüter am meisten bewegen wird:: Die Entbuschung an der Elbe wurde nicht durchgeführt.

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erstellt am 16.Mai.2015 | 16:00 Uhr

Das war wohl die Nachricht der diesjährigen Frühjahrsdeichschau, die die Gemüter am meisten bewegen wird: Abteilungsleiter Frank Müller vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) gab bekannt, dass die geplante Entbuschung auf rund fünf Hektar an der Elbe beim Abschlusswehr der Sude nicht durchgeführt wird. Gutachten hätten ergeben, dass die Maßnahme, die 66 500 Euro kosten sollte, den Elbe-Pegel bei Hochwasser nur um zwei bis drei Zentimeter senken würde.

„Die Erwartungshaltung war groß“, sagte er, „doch durch den geringen zu erwartenden Effekt ist diese Maßnahme wirtschaftlich und in Hinsicht auf den Naturschutz nicht mehr vertretbar. Aber wir stehen dazu, dass Gehölzmaßnahmen grundsätzlich richtig sind.“

Oberstleutnant Christian Rosenkranz, Verbindungsoffizier zwischen dem Landkreis Ludwigslust-Parchim und der Bundeswehr, fragte provokativ: „Sollen wir Boizenburg absaufen lassen?“ Hintergrund ist, dass die Elbe bei Boizenburg eine Enge bildet. Bei Hochwasser rauscht das Wasser wie durch einen Trichter auf die Stadt zu. Zu DDR-Zeiten wurde peinlichst darauf geachtet, den Bewuchs an den Elbufern zu entfernen, um die Grenze zur BRD übersichtlich zu halten. Seit der Wende hat der Bewuchs stark zugenommen und nach den letzten Rekordhochwassern 2002, 2006 und 2013 wurde der Ruf nach einer Entbuschung immer lauter.

Die hohen Pegel bei den letzten Hochwassern haben jedoch mit der Verbesserung der Deiche im Oberlauf in den letzten Jahren zu tun, erläuterte Lothar Nordmeyer, der Verantwortliche für Hochwasserschutz im Umweltministerium M-V. Früher gab es zahlreiche Deichbrüche, erklärte er, 2013 waren es nur noch 19. Wäre 2013 der Deich bei Fischbek in Sachsen-Anhalt nicht gebrochen, wäre Boizenburg Land unter gegangen, darüber waren sich die zahlreichen Akteure des Hochwasserschutzes einig – neben dem StALU und dem Ministerium für Umwelt sind das der Landkreis Ludwigslust-Parchim, die Kommunen an der Elbe, die Bundeswehr, die Wasserschutzpolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, das THW, die Wasser- und Bodenverbände, das Biosphärenreservat und noch viele andere. Deshalb ist das in diesem Frühjahr beschlossene nationale Hochwasserschutzprogramm so wichtig, legte Nordmeyer dar. Innerhalb dieses Programms, für das 5,4 Milliarden Euro bereit stehen, arbeiten endlich die verschiedenen Bundesländer zusammen. Das erste gemeinsame Projekt mit Brandenburg sollen die Havelüberflutungspolder sein. Das zweite Projekt werden die Flutpolder in der Lenzener Wische bei Dömitz. „Dadurch könnte der Elbepegel bei Hochwasser um 27 Zentimeter gesenkt werden“, meinte Nordmeyer. Das Projekt soll 2027/28 beendet sein. „Aber vor allem müssen noch mehr Rückhaltemöglichkeiten im Oberlauf geschaffen werden“, sagte er. „Was die Oberlieger uns nicht runterschicken, müssen wir nicht beseitigen.“ Doch das müsse mit Hilfe der Bundesregierung passieren, regional übergreifend. Es soll bis Jahresende ein Rahmenplan zu Gehölzreduzierungen, Deichrückverlegungen und Vorlandabtragungen erarbeitet werden. In der Zwischenzeit solle aber nicht gewartet werden, dass das Gewässerprofil zuwächst. „Aber was würde etwas für Boizenburg bringen?“, wollte Oberstleutnant Rosenkranz wissen.

„Eine Möglichkeit wäre eine massive Erhöhung der Deiche“, antwortete Nordmeyer. Auch über einen Beipass wurde nachgedacht. Doch der sei aus Sicht des Ministeriums nicht möglich. Eine dritte Möglichkeit wäre eine Deichrückverlegung. Diese würde am Ort des Geschehens einen 45 Zentimeter niedrigeren Wasserpegel bringen. Möglich wäre es zum Beispiel, den Polder Horst zurück zu verlegen. „Doch dann wäre Lauenburg schlimm betroffen. Aber man kann doch nicht sagen: ‚Nach mir die Sintflut.’“


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