Boizenburg : Was nun: Gekauft wie nicht gesehen

Das Objekt des Anstoßes schräg gegenüber der neuen Feuerwehrwache.
Das Objekt des Anstoßes schräg gegenüber der neuen Feuerwehrwache.

Die Stadtverwaltung kaufte eine Scheune als Lagerraum für die Feuerwehr, ohne sie vorher anzusehen. Jetzt ist sie wegen Einsturzgefahr gesperrt

svz.de von
04. März 2016, 21:00 Uhr

Boizenburg Im Jahr 2014 ging die Boizenburger Feuerwehr auf die Stadtverwaltung zu und meldete mehr Raumbedarf an. Durch die vergangenen schweren Hochwasser 2011 und 2013 gab es plötzlich viel mehr Material, das untergebracht, aber im Notfall auch schnell zur Verfügung stehen musste. Im Auge hatten die Feuerwehrleute die alte Scheune schräg gegenüber der neuen Feuerwehrwache im Lauenburger Postweg, die ihnen geeignet erschien. Die Scheune wurde vom Eigentümer der Stadt zum Kauf angeboten, im Sommer 2014 fassten die Stadtvertreter den Beschluss,  Gebäude  und Grundstück  für 30000 Euro zu erwerben. Danach wurde der Kauf durch einen Notar beglaubigt.

„Im Frühjahr 2015 fragte ich bei der Übergabe des neuen Fahrzeuges für die Jugendfeuerwehr die Kameraden, was denn nun mit der Scheune sei“, berichtet Stadtvertreter Rainer Wilmer (BfB) im Gespräch mit der SVZ. Und bekam die Gegenfrage, ob er denn nicht wisse, dass die Scheune wegen Einsturzgefahr durch den Landkreis gesperrt worden sei. Es gibt nämlich eine Bestimmung, wonach die Bauaufsicht mit der Nutzung eines  Gebäudes einverstanden sein muss, wenn  es für einen öffentlichen Zweck bestimmt ist. Und das war sie offensichtlich nicht. Wilmer fragte bei der Stadtverwaltung nach und erhielt die Auskunft, es gebe Sanierungsbedarf.

„Wir sind doch aber als Stadtvertreter davon ausgegangen, dass das Gebäude gebrauchsfertig ist. Wir sind davon ausgegangen, dass sich die Verantwortliche vom Fachbereich Bau und Ordnung das Gebäude vor dem Kauf ansieht und im Zweifelsfall einen Sachverständigen hinzuzieht. So wie man das als Privatkäufer auch machen würde,“ beklagt Wilmer. Ihn empört nicht nur der Vorgang selbst, sondern auch, dass die Stadtverwaltung die gewählten Vertreter nicht umgehend informiert habe, nachdem bekannt war, dass die Scheune nicht genutzt werden kann.

Doch die Stadt wollte anscheinend erst prüfen, ob eventuell der Kauf rückgängig gemacht werden kann, das war jedoch nicht mehr möglich. Im Sommer 2015 wurde noch ein Statikgutachten erstellt. In diesem  wurde ein Abriss empfohlen. Die Kosten dafür wurden auf ca. 30000 Euro beziffert.

„Dann gab es wieder monatelang Stillstand, bis die Stadtverwaltung beantragte, die Abrisskosten in den Haushalt für 2016 einzustellen. Doch dann hat die Stadtverwaltung noch ein Gutachten zu den Sanierungskosten in Auftrag gegeben. Das kostet auch Geld“, kritisiert Wilmer. Seit Mitte Februar liegt das Gutachten nun vor und nennt Kosten von 130000 Euro. Die Gutachten haben insgesamt inzwischen auch Kosten von 7000 Euro verursacht.

„Die Kosten für einen Neubau sollen ab 22. März von den zuständigen Gremien geprüft werden“, informierte Dagmar Poltier, die Leiterin des Bauamtes der Stadt. Ansonsten möchte sie sich zu dem Vorgang nicht öffentlich äußern, ebenso wenig wie Sandy Mandlik, die derzeitige amtierende Bürgermeisterin.

„Wir können bis 2017 das Gelände der ehemaligen Stadtwerke An der Quöbbe 11 als Lager nutzen“, teilte Udo Behnke, der stellvertretende Ortswehrführer von Boizenburg auf Nachfrage mit. „Bis dahin warten wir geduldig auf eine Entscheidung, egal welche. Aber bis dahin muss es einen neuen Lagerraum geben, sonst werden wir unruhig.“ Ihm persönlich wäre ein Neubau lieber, da man diesen dem tatsächlichen Bedarf der Feuerwehr  anpassen könnte.

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