21. Jagdhorn-Bläserwettstreit : Was mit Schmalzstullen begann...

Pünktlich um 10 Uhr: Anblasen zum 21. Jagdhorn-Bläserwettstreit in der Bekow. Fotos: nien
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Pünktlich um 10 Uhr: Anblasen zum 21. Jagdhorn-Bläserwettstreit in der Bekow. Fotos: nien

Der Kreisjagdverband rief zum 21. Mal in die Bekow, um den Jagdhorn-Bläserwettstreit unter der Schirmherrschaft von Landwirtschaftsminister Backhaus anzublasen. Mit Teilnehmern aus MV, Schleswig-Holstein und Polen.

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02. Mai 2012, 09:32 Uhr

Hagenow | Weckruf in der Bekow vor vielen Zuschauern: Vorbei sind die Zeiten, als Jagdhornbläser noch mit Benzingeld nach Hagenow gelockt wurden. Vorbei sind auch die Zeiten, als sich drei Bläsergruppen und 150 Gäste die selbst geschmierten Schmalzstullen im Wald schmecken ließen. Aus dem einstigen "Wir machen mal ein bisschen Musik" ist schnell ein großes Volksfest geworden - mit zum Teil 300 Bläsern und 4000 Besuchern.

Gestern nun rief der Kreisjagdverband die Bläser zum 21. Mal in die Bekow, um den Jagdhorn-Bläserwettstreit unter der Schirmherrschaft von Landwirtschaftsminister Till Backhaus anzublasen. Mit Teilnehmern aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Polen. Aus vielen Bewerbern mussten die Initiatoren sie auswählen.

Das erste Mal nur als Gast dabei sein, wollte Otto Ohnedorfer. Der 82-Jährige hatte damals die Idee mit umgesetzt, aus dem eigentlichen Brauchtum in der Jagd ein gesellschaftsfähiges Fest zu machen. Der ehemalige Vorsitzende des Kreisjagdverbandes kann sich noch genau an diesen Tag erinnern.

Es war der 1. April 1992, als auf einmal das Bundesjagdgesetz galt. "Für uns eine völlig neue Welt", sagte Otto Ohnedorfer. Sie gründeten eine Jagdgenossenschaft und setzten die Empfehlung des Gesetzes um, jedes Jahr ein Fest auf die Beine zu stellen. Damals noch mit gut 800 Bodeneigentümern in der Gemeinschaft. Klein aber fein, so ließe sich der Start beschreiben - mit belegten Brötchen und den besagten Schmalzstullen für die wenigen Besucher und Musiker. Schon ein Jahr später sei der Wettstreit professioneller gewesen, so Otto Ohnedorfer. Mit den Usedomern, Neustädtern und vielen mehr. Dass daraus später so ein "Riesending wurde, das haben wir nicht erwartet", sagte der passionierte Jäger. Der Bläserwettstreit sei damit zu mehr geworden, als nur die reine Pflege des jagdlichen Brauchtums: Eigentlich benutzen die Jäger ihr Jagdhorn, um sich im Wald zu verständigen, sich zu informieren. "Jeder muss die Signale können", sagte Otto Ohnedorfer. Ob fürs Sammeln der Jäger, den Wagenruf, Hunderuf, Arbeits- oder Totsignale - diese "Jägersprache" sei zum Teil Jahrhunderte alt und so fein abgestimmt, dass der Kenner sogar raushört, welche Wildarten gerade beblasen werden.

Ohnedorfer war dann doch nicht nur Gast: Die ersten drei Signale führte er auf der Bühne. Aufbruch zur Jagd - "Nun stellen Sie sich vor, es ist ein nebliger Morgen", sagte der 82-Jährige zu den Besuchern. "Dann klingt das noch ganz anders." Zehn Bläsergruppen traten danach gegeneinander an. Der Leistungsgedanke beim Wettstreit in der Bekow ist aber mittlerweile zurückgefahren worden. Auf einem richtigen Wettstreit müssten die Signale etliche Male wiederholt werden, erklärte Ohnedorfer. Das wäre zu laut und für den Besucher kaum angenehm. Außerdem sei das Leistungsniveau seit einigen Jahren zu unterschiedlich.

Deshalb stand auch gestern der Volksfestgedanke bei Gästen und Bläsern im Vordergrund. Doch es soll im nächsten Jahr einen landesweiten Wettstreit geben, verriet der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Ludwigslust, Wilfried Röpert. "Weil viele Gruppen eben doch gerne ihr Können messen wollen." Die Nachfrage sei groß. Vermutlich werde das Spektakel auf den Landeswild- und Fischtagen im September in Ludwigslust stattfinden.

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