Abschied : Warten auf neue Pastoren

Nach sechs Jahren sagt Pastorin Wilma Schlaberg „Adieu“.
Nach sechs Jahren sagt Pastorin Wilma Schlaberg „Adieu“.

Nach Zahrensdorf/Blücher verwaist nun auch die Pfarrstelle in Gresse-Granzin und Zweedorf/Pastorin Schlaberg verabschiedet sich

svz.de von
23. Juni 2016, 16:46 Uhr

Nun werden die „Schäfchen“ in weitern 20 Gemeinden unbehütet sein. Nachdem sich im vergangenen Herbst Pastorin Christina Jonassen verabschiedet hatte, die für die 19 Dörfer der verbundenen Kirchgemeinden Zahrensdorf und Blücher zuständig war, sagt nun auch Wilma Schlaberg aus Gresse „Tschüß“. Die 42-Jährige ist noch bis August Pastorin für die verbundenen Kirchgemeinden Gresse-Granzin und Zweedorf.

„Ich gehe nach Schönberg, in die Nähe meiner Heimatstadt Wismar“, erklärt die zierliche Frau im Gespräch, „ich möchte noch einmal etwas anderes erleben.“

Gemeint ist damit, dass sie ihre Gottesdienste für mehr als die zwei bis acht Kirchengänger halten möchte, die in ihren sechs Jahren als Pastorin hier üblicher weise gekommen sind, um ihre Sonntagspredigt zu hören.

„Ich bin Pastorin geworden, um Gemeinschaft zu erleben. Unsere leeren Gottesdienste sind für mich nicht Kirche. Kirche ist ein lebendiges Haus, sie ist dort, wo Menschen zusammen kommen“, meint die Seelsorgerin.

Dabei habe alles so gut angefangen vor sechs Jahren. „Mein Vorstellungsgottesdienst war gleichzeitig der Verbindungsgottesdienst der Gemeinden Gresse-Granzin mit Zweedorf. Er fand in einem Zirkuszelt in der Mitte, in Schwanheide, mit fast 100 Leuten statt. Das stimmt für mich als Bild: Wir sind hier alle nur auf der Durchreise.“

Doch sie habe es nicht geschafft, die Gemeindemitglieder tatsächlich zusammen zu bringen.

„Es gibt hier keine Kirche, in der der Gottesdienst ohne Wenn und Aber für alle stattfindet.“ Sie predige abwechselnd in Gresse, Granzin, Zweedorf, Gallin, Lüttenmark, Bennin und Nostorf, und die Gemeindemitglieder kämen nur dorthin, wo sich auch wohnten. Sie habe viel versucht, um alle an einem Ort zu den Gottesdiensten zu versammeln, aber es habe nichts genützt.

„Ich verstehe auch die Argumente. Das sind ja alles ältere Menschen, 65 plus. Sie sagen, wenn wir als erste abgeholt werden und als letzte gebracht, sind wir für eine Predigt drei Stunden unterwegs.“

Sie habe zwar jedes Jahr regelmäßig ungefähr sieben Konfirmanden, mit denen sie auch jeweils viel unternehme. Seien es achttägige Kanutouren, Fahrten nach Wittenberg auf den Spuren Luthers oder zum Konfi-Projekt mit 200 anderen Konfirmanden.

„Aber die Jungen gehen nicht zu den Gottesdiensten. Das verstehe ich auch. Die sind eben auf die Älteren zugeschnitten, denn die will man ja nicht verschrecken.“

Die jungen Leute würden nach ihrer Konfirmation eher bei Projekten mitmachen. Aber das sei ja auch Kirche.

In Schönberg erwartet Wilma Schlaberg eine Zeit, wie sie sie sich eher als Pastorin vorgestellt hat. „Das ist eine Kleinstadt und damit schon einmal die Kirchgemeinde größer. Dann gehören dazu zwar auch 20 Gemeinden, aber da ist ganz klar an jedem Wochenende in der Kirche in Schönberg Gottesdienst. Da gibt es einen Chor, ein Blasorchester, einen Organisten und einen Küster.“ Denn ohne Musik seien die Gottesdienste für sie eigentlich keine. „Außerdem finde ich es schön, dass ich nun mit zwei anderen Hauptamtlichen eng für die Gemeinde zusammen arbeiten kann. Ich bin nicht so die Einzelkämpferin.“ Ganz nebenbei macht ihre Kirche noch beim Schönberger Musiksommer mit.

Allerdings sei im Moment in Schönberg die Pfarrwohnung noch nicht fertig, bedauert Schlaberg. Denn entsprechend dem Konzept der Nordkirche werden alle freiwerdenden Pfarrwohnungen energetisch saniert, bevor sie wieder bezogen werden. „Ich habe denen bei meinem Vorstellungsgottesdienst gesagt, ich komme erst, wenn die Wohnung fertig ist. Ich möchte nicht wieder auf einer Baustelle wohnen.“

Denn das war an ihrem jetzigen Einsatzort drei Jahre lang der Fall.

Am Sonntag, 26. Juni, hält Pastorin Schlaberg um 14 Uhr ihren Abschiedsgottesdienst in Zweedorf.

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