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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 08:43 Uhr

Warlitzer treten die "Flucht nach vorne" an

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erstellt am 03.Jul.2013 | 06:05 Uhr

Warlitz | Kleine Kitas im Amt Hagenow-Land kämpfen ums Überleben. Während in Städten wie Hagenow für Millionen eine neue Einrichtung gebaut werden muss, um alle Kinder unterzubekommen, stehen Häuser in umliegenden Gemeinden kurz vor der Schließung. Zweimal schon überlegte der Warlitzer Bürgermeister Peter Holm, die "Tür zuzuziehen". Bis zu 25 000 Euro Verlust machte er in den schlechtesten Zeiten. Pro Jahr. Statt aufzugeben, treten die Warlitzer jetzt die "Flucht nach vorne" an . Längere Öffnungszeiten ab dem 5. August und Tariflohn sollen mehr Kinder bringen und gute Erzieher halten. Doch der Bürgermeister sieht auch den Landkreis in der Pflicht.

"Wir haben nichts zu verlieren", sagt Peter Holm. Die Idee könne funktionieren und Kosten deckend sein. "Nur dafür müssen wir die Kita voll kriegen."

Erzieher und Eltern sind froh, dass die Gemeinde kämpft. Vater Benjamin Gabriel aus Hagenow schätzt das kleine Natur-Haus der "Wald- und Wiesenkinder" mit nicht mal 30 Kindern. Er hätte sich bewusst dafür entschieden und nimmt deshalb auch die längere Anfahrt in Kauf. Dass er seine drei Jahre alte Lina-Paulin nun auch noch früher bringen kann, komme ihm sehr entgegen. Um sieben muss er auf Arbeit sein. Von 6 bis 18 Uhr am Montag bis Donnerstag und von 6 bis 17 Uhr am Freitag ist bald geöffnet. Das ist eine halbe Stunde früher morgens und eine Stunde länger abends. Je nach Bedarf, kommen die Erzieher sogar noch früher oder bleiben länger. "Die Arbeitszeiten der Eltern werden ja auch nicht besser", begründet Alexandra Weber, stellvertretende Kita-Leiterin, die Flexibilität. "Dafür bezahlt man dann auch mehr", sagt Benjamin Gabriel.

Denn ohne Beitragserhöhung für Gemeinde und Eltern gehe es nicht, so Bürgermeister Holm. Knapp 50 Euro mehr kostet dann ein Ganztages-Krippenplatz, etwa 35 Euro ein Kindergartenplatz.

Sein Wunsch: Dass der Landkreis Ludwigslust-Parchim die Anmeldungen steuert. Denn nach jetziger Regelung sei es schwer zu kalkulieren, wie viele Plätze tatsächlich jedes Jahr belegt werden. Viele Eltern würden ihre Kinder parallel in zwei oder drei Häusern anmelden. Eine Anmeldung sei nicht verbindlich, so wie in Parchim, sagt Peter Holm.

Das würde in der Hagenower Region nicht den Effekt bringen, schätzt Thomas Schmidt vom Fachdienst Jugend des Landkreises. In Parchim habe man aufgrund des Platzmangels Mehrfachanmeldungen verhindern müssen. "Wir wissen, dass es nicht einfach ist in kleinen Einrichtungen." Eine Rechtsgrundlage für eine zentrale Steuerung von Seiten des Landkreises gebe es allerdings nicht. Die Eltern haben das Recht, eine Kita für ihr Kind zu wählen. Der Landkreis könne nur darauf hinweisen, wo es Alternativen gibt, wenn etwa die Hagenower Häuser voll sind. "Aber entscheiden tun letztlich die Eltern."

Weil auch in anderen Gemeinden "hart an der Grenze" kalkuliert wird, saß man im Amt Hagenow-Land schon zusammen, um über mögliche Perspektiven zu sprechen - das Amt als steuernder Träger etwa. Doch "der richtige Pfiff war noch nicht dabei", sagt Amtsvorsteherin Brigitte Wolf, gleichzeitig Bürgermeisterin in Hülseburg. Sie weiß, kleine Kitas "haben alle ähnliche Probleme". Schon vier Kinder weniger bringen einen Verlust von 10000 Euro. Auch wenn es nicht einfach sei, "es muss etwas passieren".

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